Umfragen: Annäherung zu Russland wichtig, auch wenn Russland nicht für alle Teil Europas ist

Umfragen: Annäherung zu Russland wichtig, auch wenn Russland nicht für alle Teil Europas ist
Performance "Sturmläuten der Revolution", am 6. November 2017 in Moskau.
Die meisten Franzosen und Briten halten Russland nicht für einen Teil Europas. Das hat eine Sputnik-Studie ergeben. Bei den Deutschen ist die Meinung gespalten. Andere Umfragen belegen: Eine Annäherung an Russland ist trotz aller Differenzen wichtig.

Gehört Russland zu Europa? Diese Frage beschäftigt beide Seiten seit den Zeiten von Peter dem Großen. Dabei geht es nicht um Geographie, sondern vor allem um Kultur und politische Ordnung, denn den Status des größten Flächenstaates auf dem europäischen Kontinent hat Russland unbestritten inne. Regelmäßige Umfragen zu diesem Thema zeigen, dass unter den Russen mit Zunahme der Spannungen mit dem Westen eine Tendenz besteht, Russland nicht als europäisch zu betrachten.

Das Russland-Bild vieler Europäer stützt diese Tendenz. Laut einer Studie meinen mehr als die Hälfte der befragten Franzosen und Briten – 65 bzw. 52 Prozent -, dass Russland kein europäisches Land sei. Unter den Befragten aus Deutschland überwog leicht der Anteil derer, die die Frage nach Russlands Zugehörigkeit zu Europa bejahten: 49 gegenüber 46 Prozent der Befragten. Überraschend waren die Ergebnisse in Polen: Mehr als drei Viertel der Teilnehmer (77 Prozent) bezeichneten Russland als europäisches Land. Nur 20 Prozent behaupteten das Gegenteil. 

Die Studie wurde von Frankreichs ältestem Meinungsforschungsinstitut Ifop im Auftrag der russischen Nachrichtenagentur Sputnik durchgeführt. An der Umfrage nahmen 3.228 Personen im Alter von über 18 Jahren teil. Die Auswahl der Befragten repräsentierte die Bevölkerung nach Geschlecht, Alter und Wohnort. Die Fehlertoleranz lag bei maximal 3,1 Prozent, die Vertrauenswahrscheinlichkeit bei 95 Prozent.

Umfragen: Annäherung zu Russland wichtig, auch wenn Russland nicht für alle Teil Europas ist

Lawrow: Russland soll aus Europa hinausgedrängt werden

Dieses Meinungsbild könnte mit dem antirussischen politischen Trend der letzten Jahre zu tun haben. So hat der russische Außenminister Sergej Lawrow die Anwesenden davor gewarnt, Russland aus Europa verdrängen zu wollen, wie es der Führer des "Dritten Reichs" versucht hatte. Er erinnerte in seiner Rede am 17. Februar an die entscheidende Rolle der sowjetischen Roten Armee bei der Befreiung vom Faschismus sowie an die Rolle der sowjetischen Führung bei der deutschen Wiedervereinigung.

Nach dem Fall der Berliner Mauer und der Wiedervereinigung Deutschlands, bei der Russland die entscheidende Rolle gespielt hat, haben wir ein Höchstmaß an Anstrengungen unternommen, um im euro-atlantischen Raum eine Architektur gleicher und unteilbarer Sicherheit aufzubauen", sagte Lawrow. 

Gegen die Münchener Sicherheitskonferenz (MSC) gingen am Wochenende tausende Menschen in der bayrischen Landeshauptstadt auf die Straße.

Mit dem Aufkommen des Neonazismus und einer aggressiven NATO-Osterweiterung habe die Politik der Verdrängung einen Höhepunkt erreicht, so Lawrow weiter. Der Russlandexperte Alexander Rahr kritisierte in einem Gespräch mit RT auch die fehlende Akzeptanz der Rolle Russlands auf dem europäischen Kontinent durch die Europäer. Russische Positionen würden in vielen Staaten Europas als Propaganda und "Fake News" abgetan. Es gebe zwar nennenswerte Kräfte, die Europa mit und nicht gegen Russland gestalten wollen, doch deren Einfluss sei begrenzt.  

Körber-Stiftung: Die Deutschen wollen Annäherung zu Russland

Ob der Einfluss der russlandfreundlicheren Stimmen tatsächlich so gering ist, mag jedoch angezweifelt werden. Laut einer Studie, die die Körber-Stiftung in November 2017 durchgeführt hat, sind es 56 Prozent der Deutschen, die der Meinung sind, dass Russland zu Europa gehöre – mehr als die Russen mit 49 Prozent und um sechs Prozent mehr als im Vorjahr. Neben der Geografie nennen Deutsche als weitere Gründe dafür vor allem enge wirtschaftliche Verflechtungen und eine gemeinsame Geschichte.

Nur in der politisch schärfsten Frage – der Frage der Sanktionen - sind die Deutschen gespalten (46 Prozent beibehalten/verschärfen, 45 Prozent lockern/aufheben), allerdings unterstützen deutlich mehr Westdeutsche als Ostdeutsche eine harte Gangart gegen Russland. Eine Wiederannäherung zwischen der EU und Russland wird von den Deutschen jedoch ausdrücklich gewünscht. 95 Prozent der Deutschen und 80 Prozent der Polen schätzen, dass eine erneute politische Annäherung zwischen dem Westen und Russland in den nächsten Jahren wichtig ist.