"Gegen kaltblütige US-Politik" - Teenager hackte FBI und CIA

"Gegen kaltblütige US-Politik" - Teenager hackte FBI und CIA
Kane Gamble vor dem Old Bailey in London, dem Zentralen Strafgerichtshof Großbritanniens.
Was erfahrene Hacker nicht schaffen, gelang einem 15-jährigen Briten: Er drang in die E-Mail-Konten hochrangiger US-Beamter ein, darunter des damaligen CIA-Chefs John Brennan. Seine Methode war denkbar dreist, aber erfolgreich. Nun muss er sich vor Gericht verantworten.

In Großbritannien muss sich gegenwärtig der 18-jährige Kane Gamble vor dem Zentralen Strafgerichtshof verantworten. Im Alter von 15 Jahren hatte er sich Zugang zu den E-Mail-Konten hochrangiger US-Beamter verschafft.

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Dem Teenager gelang es sogar, in den privaten Account des damaligen CIA-Chefs John Brennan einzudringen. Dadurch hatte er Zugriff auf geheime Informationen über US-Operationen in Afghanistan und im Iran. Die Dokumente übergab Gamble an WikiLeaks. Die Enthüllungsplattform veröffentlichte im Oktober 2015 das Brennan-Material.

Auch der damalige Chef der US-Heimatschutzbehörde Jeh Johnson bekam es mit dem Minderjährigen zu tun. Dieser drang in das Home-Entertainment-System des Beamten ein und sandte ihm die Nachricht „Ich besitze dich“ auf den Fernseher. Per Telefon behelligte er zudem Johnson und seine Ehefrau und kündigte an, es mit ihrer Tochter „zu treiben“, wie der Telegraph aus dem Gerichtsprozess berichtet.

Dem Berater für Wissenschaft und Technologie des US-Präsidenten, John Holdren, hetzte Gamble gar die Polizei auf den Hals. Ein SWAT-Team stürmte dessen Anwesen, nachdem ein fingierter Notruf über einen Gewaltvorfall eingegangen war.

Bei seinem virtuellen Beutezug drang der Brite, der noch bei seiner Mutter im englischen Leicestershire lebte, auch in das Netzwerk des FBI ein. Dabei griff er die Daten tausender Mitarbeiter der US-Bundespolizei ab.

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Kein Hacker im eigentlichen Sinn

In sozialen Medien brüstete sich Gamble anschließend unter einem Pseudonym mit der Tat:

Das muss der größte Hack sein, ich habe Zugang zu allen Details, die das FBI für Hintergrund-Überprüfungen [seiner Mitarbeiter] verwendet.

Dabei war Gamble kein Hacker im klassischen Sinne, der sich IT-Sicherheitslücken zu Nutze machte. Er verließ sich vielmehr auf menschliche Schwächen. Seine Methode wird auch als „social enginnering“ bezeichnet. So konnte er sich Zutritt zum privaten E-Mail-Account des CIA-Chefs verschaffen, indem er sich bei der Support-Hotline eines Internetanbieters selbst als Brennan ausgab – und sein Gegenüber davon schließlich überzeugen konnte.  

Zugang zu dem FBI-Netzwerk verschaffte sich der Jugendliche, indem er sich an den sogenannten „Helpdesk“ der Behörde wandte und sich dabei ebenso erfolgreich als deren stellvertretenden Chef Mark Giuliano ausgab.

Motiv: Abscheu gegenüber der US-Politik

Im Internet behauptete Gable, Kopf der von ihm gegründeten Gruppe „Crackas with Attitude“ (CWA) zu sein. Gegenüber einem Journalisten erklärte er damals seine Motivlage:

Es fing alles damit an, dass ich mich immer mehr darüber ärgerte, wie korrupt und kaltblütig die US-Regierung ist, also beschloss ich, etwas dagegen zu tun.

Nach gut einem halben Jahr war im Februar 2016 jedoch Schluss mit der Fehde gegen Washington. US-Ermittler kamen dem jungen Mann auf die Schliche, daraufhin erfolgte seine Festnahme in Großbritannien.

Laut Behörden bestand die CWA-Gruppe aus fünf Mitgliedern, drei Briten und zwei US-Amerikaner. Letztere wurden bereits zu fünf beziehungsweise zwei Jahren Haft verurteilt. Vor Gericht bekannte sich Gamble schuldig im Sinne der Anklage. Der Termin der Urteilsverkündung steht noch nicht fest.

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