icon bookmark-bicon bookmarkicon cameraicon checkicon chevron downicon chevron lefticon chevron righticon chevron upicon closeicon v-compressicon downloadicon editicon v-expandicon fbicon fileicon filtericon flag ruicon full chevron downicon full chevron lefticon full chevron righticon full chevron upicon gpicon insicon mailicon moveicon-musicicon mutedicon nomutedicon okicon v-pauseicon v-playicon searchicon shareicon sign inicon sign upicon stepbackicon stepforicon swipe downicon tagicon tagsicon tgicon trashicon twicon vkicon yt

Neuer Sieg-Rekord in englischer Premier League – Was Pep Guardiola so besonders macht

Neuer Sieg-Rekord in englischer Premier League – Was Pep Guardiola so besonders macht
Guardiola engagiert sich neben seiner Tätigkeit als Trainer auch in der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung. Er sprach sich mehrmals für eine Loslösung Kataloniens von Spanien aus und forderte unter anderem das "Recht auf Unabhängigkeit und Selbstbestimmung für das katalanische Volk" ein.
Er siegt und siegt und siegt: Das von Pep Guardiola betreute Team Manchester City hat einen neuen Premier-League-Rekord aufgestellt: 15 Siege in Folge. Guardiola hält auch Rekorde für die meisten Siege in Deutschland und Spanien. Was aber ist sein Geheimnis?

von Timo Kirez

Der Tabellenführer Manchester City hat mit 15 Siegen hintereinander einen neuen Rekord in der englischen Premier League aufgestellt. Das Team von Ex-Bayern-Trainer Pep Guardiola siegte am Mittwoch bei Swansea City mit 4:0 (2:0). Dank der Treffer von David Silva (27./52. Minute), Kevin De Bruyne (34.) und Sergio Agüero (85.) war der Erfolg von Man City zu keinem Zeitpunkt gefährdet. Die in dieser Saison in der Premier League noch ungeschlagenen Skyblues haben weiter elf Punkte Vorsprung auf den Tabellenzweiten und Erzrivalen Manchester United, der dank Romelu Lukaku (25.) den AFC Bournemouth mit 1:0 (1:0) besiegte.

Dass Guardiola und seine Mannschaft in dieser Saison die englische Liga dominieren würden, war vor Saisonbeginn keineswegs zu erwarten. Im Gegenteil: Guardiola absolviert derzeit seine zweite Saison bei Manchester City. Die erste Saison verlief eher durchwachsen. Zumindest wenn es nach den Ansprüchen des Clubs und auch Guardiolas selbst geht. Manchester City wurde "nur" Dritter. Es gab erste Stimmen, die Guardiolas Art, Fußball spielen zu lassen, als unpassend für die englische Liga empfanden. Sein Fußball sei zu kompliziert, hieß es. Davon ist mittlerweile nicht mehr die Rede. Wie schon auf seinen vorherigen Stationen in Barcelona und beim FC Bayern dominiert Guardiola mittlerweile das Geschehen.

Dominanz quer durch die Fußballkulturen

Guardiola ist der Mann der Rekorde im internationalen Fußball. Seit seinem Debüt als Erstligacoach 2008 hat er in Spanien (16 Siege mit dem FC Barcelona, gleichauf mit Real Madrid), in der Bundesliga (19 mit dem FC Bayern) und nun auch mit Manchester City in England die längsten Siegesserien des jeweiligen Landes aufgestellt. Drei Rekorde in drei Ligen mit völlig unterschiedlichen Fußballkulturen – der Mann muss etwas können, was andere nicht können. Um das Phänomen Guardiola zu verstehen, muss man jedoch ein wenig ausholen.

Statue von Diego Maradona in Indien enthüllt: Ähnlichkeit zum Prototyp nicht unumstritten

Schon als Spieler Anfang der 1990er Jahre beim FC Barcelona galt Guardiola als der verlängerte Arm des Trainers. Dieser war jedoch kein Geringerer als der Niederländer Johan Cruyff. Guardiola zeichnete sich selbst genau durch jene Qualitäten aus, die er später als Trainer vor allem von seinen so geliebten Mittelfeldspielern verlangen sollte: eine hohe Spielintelligenz und eine nahezu perfekte Passgenauigkeit. Von seinem damaligen Trainer Cruyff übernahm Guardiola später viele Aspekte, die er in seiner eigenen Trainertätigkeit weiter verfeinern sollte.

Dazu zählen eine Vorliebe für eher kleine, wendige Mittelfeldspieler, das Bestreben, einen dominanten Ballbesitz-Fußball zu zelebrieren und ein ausgeklügeltes Positionsspiel, das in Spanien unter dem Begriff "Juego de Posición" und in den Niederlanden als "Positiespel" bekannt und geschätzt ist. Gerade das Positionsspiel Guardiolas, perfekt ausgeführt, macht es dem Gegner nahezu unmöglich, erfolgreich gegenzuhalten. Doch was hat es mit diesem Juego de Posición auf sich?

Unablässiger und flexibler Bewegungsfußball

Mit Analysen über das Positionsspiel im modernen Fußball ließen sich ganze Bücher füllen. Doch bei Guardiola geht es im Prinzip um folgendes: In erster Linie möchte er, dass sein Team in jeder Situation bestimmte Zonen auf dem Spielfeld besetzt. Welche Räume genau besetzt werden sollen, hängt von der Position des Balles ab. Da sich der Ball ständig bewegt, ist auch die Mannschaft als Ganzes unablässig in Bewegung. Das stiftet bei den gegnerischen Mannschaften kontinuierlich Unruhe und Verwirrung.

Zudem bekommen die gegnerischen Mannschaften so nur schwer Zugriff. Der Trainer des SC Freiburg, Christian Streich, sagte einmal nach einer Niederlage seiner Freiburger gegen den FC Bayern unter Guardiola: "Die Mannschaft ist gerannt, hat alles getan und hatte nie eine schlechte Körpersprache. Mehr war nicht drin." Und dann schob er nach:

Es gibt viele gute Trainer und es gibt auch im Fußball wie in der Kunst oder der Architektur Ausnahmeerscheinungen. Und diese Ausnahmeerscheinung ist Pep Guardiola.

Die Anspielung auf die Architektur ist kein Zufall. Auch beim Positionsspiel Guardiolas geht es unter anderem um Geometrie. Im Optimalfall hat der Ballführende immer zwei Anspielstationen (im Dreieck) oder sogar drei (die eine Raute bilden). Nie sollen sich mehr als drei Akteure auf einer horizontalen und mehr als zwei Akteure auf einer vertikalen Linie bewegen. Damit wich Guardiola zu seiner Zeit bei den Bayern gänzlich vom eher starren Linienspiel ab, das viele Bundesligisten damals noch bevorzugten. Das Juego de Posición zeichnet sich dabei weniger durch vorgegebene Spielzüge aus. Jeder Angriff ist für sich genommen einzigartig, wird aber durch bestimmte Regeln und Grundordnungen, die Guardiola jeweils anpasst, beeinflusst, wie der Taktikexperte Constantin Eckner vom Taktikportal spielverlagerung.de es einmal formulierte.

Sohn von Ronaldo nennt Messi

Guardiola distanziert sich von Tiki-Taka

Lange Zeit galt Guardiola auch als der "Tiki-Taka-Trainer". Tiki-Taka bezeichnet einen Spielstil im Fußball, der sich durch ein fast exzessives Kurzpassspiel und einen hohen Ballbesitzanteil der angreifenden Mannschaft auszeichnet. Bei ausbleibendem Erfolg spricht der Volksmund auch mal gerne von "Ballgeschiebe". Einem der Vorgänger von Pep Guardiola beim FC Bayern, dem Niederländer Louis van Gaal, wurde dessen "Ballgeschiebe" noch zum Verhängnis. Zwar dominierten die Bayern auch unter van Gaal oftmals das Spiel, aber am Ende fehlte es an der letzten, durchschlagenden Effektivität, um vor dem gegnerischen Tor erfolgreich zu sein. Van Gaal wurde während der Saison 2011/12, auch atmosphärischer Störungen zwischen ihm und der Vereinsleitung wegen, vorzeitig beurlaubt.

Doch Guardiola hat sich zeitlebens eher kritisch zu dem Thema Tiki-Taka geäußert. In dem aufschlussreichen Buch "Herr Guardiola – Das erste Jahr mit Bayern München" des Guardiola-Kenner und Vertrauten Martí Perarnau äußert sich Guardiola folgendermaßen:

Wir müssen die Organisationsstruktur des Gegners durcheinanderbringen. Immer. Das ist unser Ziel. […] Aber das ist doch genau das, was ich hasse, sich den Ball einfach nur zuzuspielen, dieses Tiki-Taka. Das ist dummes Zeug und führt zu nichts. Man muss den Ball in einer bestimmten Absicht in den eigenen Reihen halten, in der Absicht nämlich, vors gegnerische Tor zu kommen und Schaden anzurichten.

Ballbesitz ist kein Dogma mehr

Eine weitere Eigenschaft, die Guardiola auszeichnet, ist seine Wandlungsfähigkeit. Schon der FC Bayern spielte nicht mehr wie der FC Barcelona, die erste Station Guardiolas als Trainer. Und auch an seiner aktuellen Station, Manchester City, macht Guardiola wieder einiges anders als vorher, obwohl er sich in grundlegenden Dingen wie dem zuvor bereits erwähnten Positionsspiel treu bleibt. Doch der früher ihm heilige, hohe Anteil an Ballbesitz ist Guardiola anscheinend nicht mehr so wichtig, wenn dieser dafür effektiv genutzt wird. Nach wie vor gilt aber die Regel, dass der Ball in der Defensive flach von hinten herausgespielt wird. 

Hinzukommt eine unglaubliche Dynamik im Konterspiel, die es gegen Manchester City mit den pfeilschnellen Offensivspielern wie zum Beispiel dem ehemaligen Schalker, Leroy Sané, schwer macht, zu verteidigen. Der 21-jährige Flügelspieler wurde beim 1:0-Auswärtssieg von Manchester City gegen den englischen Meister des Vorjahres, FC Chelsea, bei einem Sprint mit 35,48 Stundenkilometern gemessen. Das ist der höchste Wert, der in der englischen Liga je dokumentiert wurde. Sollte Manchester City nicht noch von einer Verletzungsmisere geplagt werden, wird ihnen der Titel in England kaum noch zu nehmen sein.

Dies wäre eine weitere Bestätigung des Ausnahmetalents von Pep Guardiola.

Diese Webseite verwendet Cookies. Klicken Sie hier, um mehr zu erfahren

Cookies zulassen