CLASH Spezial: Die Zärtlichkeit des Wolfes – Ulli Lommel (1944-2017)

CLASH Spezial: Die Zärtlichkeit des Wolfes – Ulli Lommel (1944-2017)
Er war kultig, trashig und vor allem in den USA erfolgreich: Ulli Lommel. Als Regisseur und Schauspieler feierte er in 1970er und 80er Jahren große Erfolge. Lommel verstarb am 2. Dezember im Alter von 72 Jahren in Stuttgart. Eine Hommage.

Der deutsche Regisseur, Schauspieler und Produzent Ulli Lommel verstarb im Alter von 72 Jahren am 2. Dezember in Stuttgart, wie die Deutsche Kinemathek am Dienstag darauf in Berlin mitteilte. Lommel, der bis zu seinem Tod in Los Angeles lebte, galt als eine der vielseitigsten und eigenwilligsten Figuren des deutschen Films.

Ende der 1960er Jahre lernte er Regisseur Rainer Werner Fassbinder kennen, mit dem er an rund zwanzig Produktionen arbeitete. Fassbinder war es auch, der Lommel in „Liebe ist kälter als der Tod“ (1969) seine erste Hauptrolle gab. Während seiner Schauspielkarriere stand er mit Stars wie Heinz Rühmann und Andy Warhol vor der Kamera. 

Inspiriert unter anderem auch von seinem Förderer entdeckte Lommel die Regiearbeit für sich und inszenierte bis zu seinem Tod mehr als 60 Filme - darunter den amerikanischen Horror-Kassenschlager „The Boogeyman“ (1980), der in den USA Kult-Status erreichte. Sein Durchbruch als Regisseur war ihm schon 1973 mit dem Film „Die Zärtlichkeit der Wölfe“ gelungen, der Geschichte eines Jungenmörders. 

Doch der eigenwillige Künstler polarisierte auch. „Lommels Filme wurden eigenwilliger, extremer, grusliger, abstruser und – amerikanischer“, fasste die Kinemathek zusammen. Er habe seine Filme weitgehend in den USA, mit kleinen Budgets und fern von Hollywood gedreht. Zu seinen umstrittensten Werken gehört die 1976 entstandene Hitler-Groteske „Adolf und Marlene“, in der er eine fiktive Begegnung von Marlene Dietrich und Adolf Hitler arrangierte. 

In Deutschland machte er zuletzt mit dem Film „Daniel - Der Zauberer“ (2004) von sich reden. Das Doku-Drama erzählt die Geschichte von Sänger Daniel Küblböck, der durch die RTL-Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ bekannt wurde. Lommel war auch Gast in der allerersten Clash-Sendung „Von Bochum nach Hollywood“ im Juni 2016. Er wurde am 21. Dezember 1944 im heute polnischen Zielenzig geboren. Sein Vater war Unterhaltungskünstler, seine Mutter Schauspielerin. Weil die beiden oft auf Tour waren, musste er auch öfter die Schule wechseln. 

Seine Lebensgeschichte wurde 2013 im Theaterstück „Adolf und Marlene“ an der Berliner Volksbühne aufgegriffen. „Lommel spielte, produzierte und inszenierte bis in die letzten Tage vor seinem Tod am 2. Dezember - intensiv wie immer“, erklärte die Kinemathek.

Clash widmet dem Künstler eine Hommage und blickt zusammen mit dem Schauspieler und Produzenten Harry Bär und der Geschäftsführerin der Rainer Werner Fassbinder Foundation, Juliane Lorenz, zurück auf ein bewegtes Künstlerleben.

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