Vorsicht! Dieser Mann will an Ihr Geld

Vorsicht! Dieser Mann will an Ihr Geld
Symbolbild. Ex-"BILD"-Chef Kai Diekmann in seinem Büro im Springer-Verlag im Januar 2007
Der ehemalige "BILD"-Chef Kai Diekmann hat ein neues Betätigungsfeld gefunden: die Kapitalanlage-Branche. Ihm zur Seite steht sein Jugendfreund und lange Zeit gefeierter Star-Banker Leonhard Fischer. Doch schon warnt der Finanzexperte Sparer davor, dem Duo Geld anzuvertrauen ...

Unter der Überschrift „Die wilden Kerle sind zurück“ widmete das im Spiegel-Verlag erscheinende manager magazin Diekmann (Spitzname „Kaischi“) und Fischer (Spitzname „Lenny“) die Titelgeschichte der Dezember-Ausgabe. Die Idee der „wilden Kerle“, die sich schon als Klassenkameraden einer katholischen Schule in der ostwestfälischen Provinzmetropole Bielefeld unverbrüchliche Männerfreundschaft geschworen haben sollen, scheint so simpel wie nebulös: Als „Volkskapitalisten“ wollen sie den Deutschen „das Sparen in der Nullzinsära beibringen“, verrieten sie dem Blatt.

Axel Springer, es der größten Verlagshäuser in Europa, bindet seine Mitarbeiter an klare Grundprinzipien

Und das Geschäft soll – ganz nach dem Motto des Duos, „Think big“ („Denke groß“) – natürlich die Finanzwelt neu erfinden. Gleich 20 Milliarden (!) Euro wollen „Kaischi“ und „Lenny“ in den kommenden Jahren einsammeln, versprechen dafür bis zu vier Prozent Rendite. Zielpublikum sind Anleger, die ihr Kapital derzeit auf nahezu ertraglosen Sparbüchern deponiert haben. „Zukunftsfonds“ heißt die Sache, die im zweiten Quartal kommenden Jahres an den Start gehen soll.

„Wir wollen klassische Sparbuchsparer ansprechen. Also Leute, die nur begrenzt Risiko eingehen möchten, aber nicht mehr mit null Prozent Zinsen abgespeist werden wollen“, sagten Fischer und Diekmann dem manager magazin. Klar, dass bei „Kaischi“, der sich analog zum desaströsen Auflagenverfall der BILD plötzlich zum Internet-Visionär ausrief, auch das www nicht fehlen darf. Sein „virtueller Vermögensverwalter“ soll von einer „journalistisch unabhängigen“ Finanzwebseite unterstützt werden, die wiederum von Diekmanns Agentur Storymachine betrieben wird.

Sparer könnten ein böses Ende erleben

Ebenfalls klar ist, dass Finanzexperten diesen „Mischfonds“ ganz genau unter die Lupe nehmen werden. Der Co-Chef des Investmentportals Feingold Research und Ex-Redakteur der Financial Times Deutschland, Daniel Saurenz, befürchtet, dass Sparer mit dem Zukunftsfonds ein böses Ende erleben könnten – wie einst mit der „Volks-Aktie“ zur Telekom-Privatisierung, die sich erst prima verkaufte, dann aber brutal abstürzte.

In einem Interview mit dem Branchenmagazin MEEDIA sagte Saurenz: „Beim Wort Mischfonds stellen sich bei mir einige Nackenhaare hoch ... Können mir die beiden eine risikolose Anlage mit vier Prozent Verzinsung versprechen, würde ich eine beträchtliche Summe meines Geldes investieren. Ich bezweifle jedoch sehr, dass das Diekmann und Fischer können.“ Und weiter: „Der deutsche Anleger gilt als leichtgläubig. Daher gibt es ja den Begriff des German Stupid Money. Vielleicht ist Herr Diekmann gerade auf solch German Stupid Money aus. Denn die Crux bei dem Fonds ist: Der Ex-BILD-Chefredakteur investiert das Vermögen von Sparern in einer Zeit, da die Märkte ziemlich heiß gelaufen sind. Wir haben hierfür aus der Vergangenheit viele Beispiele, die schief liefen.“ Saurenz vermutet: „Herr Diekmann ist die Rampensau, die man nach vorn schickt.“

Denn mit Finanzgeschäften hat „Kaischi“ bislang eher wenig Erfahrung. „Lenny“ dafür umso mehr. Der studierte Betriebswirt war einst in der Szene umjubelter Investmentbanker von Morgan Stanley, ist seit 2007 Leiter des Finanzinvestors RHJ International, der im März 2015 in BHF Kleinwort Benson Group umbenannt wurde.

Der "Totengräber" der BILD-Zeitung

Diekmann war von Januar 2001 bis Dezember 2015 Chefredakteur der BILD-Zeitung. Danach blieb er weiterhin Gesamtherausgeber der BILD-Gruppe. Er verließ den Springer-Verlag zum 31. Januar 2017, sein Nachfolger wurde Julian Reichelt. Unter Diekmann hatte BILD, ehemals größte Tageszeitung Europas, einen Auflagenverlust von mehr als 2,5 Millionen Exemplaren oder umgerechnet 60,4 Prozent zu verzeichnen. Heute verkauft BILD noch rund 1,6 Millionen Zeitungen.

Einer von „Kaischis“ Vorgängern, Peter Bartels, nannte ihn in seinem Buch „BILD  Ex-Chefredakteur enthüllt die Wahrheit über den Niedergang einer einst großen Zeitung“ deshalb den „Undertaker“. Zu deutsch: „Totengräber“.

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