Nach Veröffentlichung von Gehaltshöhe: BILD-Chef Reichelt fürchtet um Sicherheit seiner Familie

Nach Veröffentlichung von Gehaltshöhe: BILD-Chef Reichelt fürchtet um Sicherheit seiner Familie
Als Vorsitzender der „Bild-Chefredaktionen“ zerrt Julian Reichelt immer wieder intimste Details der Menschen ans Licht der Öffentlichkeit. In eigener Sache reagiert der erzkonservative Hardliner jedoch äußerst sensibel. Und bringt sogar die Polizei ins Spiel…

Das Medienmagazin "kress pro" hatte über die Gehälter von Führungskräften der Medienszene berichtet. Dabei schätzten die Macher nach intensiven Recherchen das Einkommen von Verlagsmanagern und Chefredakteuren. Einige der Betroffenen kommentierten die Schätzung informell, die meisten verzichteten jedoch auf einen Kommentar.

Kress pro berichtet: „Julian Reichelt war der einzige Chefredakteur, der uns bat, auf eine Schätzung zu verzichten. Er argumentierte, dass eine Schätzung seines Gehalts das Risiko finanziell motivierter Straftaten gegen seine Familie erhöhen würde.“

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Das Magazin kam zu der Einschätzung, dass Reichelts Jahresgehalt zwischen 500.000 und einer Millionen Euro liegen müsste. Damit würde er mehr verdienen als die Chefs von Stern, Spiegel und FAZ. Nur einer könne, so kress pro, mithalten – Giovanni di Lorenzo von der Zeitung Zeit.

Die insgesamt neunseitige Geschichte erschien im Oktober, inklusive der Gehaltsschätzung des Bild-Chefs, der sich in Talkshows gern als „Kriegsreporter“ und Russen-Hasser präsentiert („Putin und Assad bomben weiter!“). Neben vielen anderen Zahlen ist die Bezahlung Reichelts auf exakt 13 Zeilen ein Thema: „Nüchtern und ohne die Eröffnung einer Neiddebatte. Also: nicht sehr boulevardesk“, meint Markus Wiegand, Chefredakteur von kress pro.

Wrackteile der abgestürzten Germanwings-Maschine in den französischen Alpen.

Es war uns offen gestanden egal, ob sich Reichelt an der Schätzung stören würde. Eigentlich gingen wir aber eher davon aus, dass er mit dem Erscheinen des sachlich gehaltenen Gehaltsreports erkennen würde, dass seine Reaktion womöglich etwas überzogen war. Das war ein bisschen naiv, wie sich wenig später am Rande der Medientage in München herausstellte. Als man Reichelt ansprach, wiederholte er die Kritik an der Schätzung und betonte erneut, dadurch werde seine Familie gefährdet. Er empfahl zudem, sich dazu beim Landeskriminalamt zu erkundigen. Nun, das haben wir getan. Die Polizei in Berlin mochte aus 'datenschutzrechtlichen Gründen' keine Auskunft geben.“

Widerspruch zu eigener Berichterstattung

Das wirklich Erstaunlichste an diesem geschilderten Gespräch ist, dass Reichelt in seiner Argumentation offenbar keinen Widerspruch zur Berichterstattung der von ihm verantworteten Bild-Zeitung sieht. Es vergeht kaum keine Woche, in der nicht über hohe Einkommen oder enormes Vermögen einzelner Personen berichtet wird.

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So schreibt das Boulevardblatt gerade im Sport gern über die Gehälter von Fußballprofis. Eins von vielen Beispielen: Ende Mai wurde über das "Hammergehalt" des HSV-Stürmers Bobby Wood (drei Millionen Euro jährlich) berichtet. Im September hieß es bei "bild.de": "Hammergehalt! - Lesen Sie mal, was ein ARD-Boss verdient" – gemeint war WDR-Intendant Tom Buhrow (399.000 Euro jährlich). Im August schrieb Bild-online ausführlich über die Reichstenliste des Wirtschaftsmagazins Bilanz, das ebenfalls im Springer-Verlag erscheint. Titel: "Die Super-Reichen-Liste: Das sind 86 der 1.000 reichsten Deutschen".

Fazit: Wenn es um das eigene Gehalt geht, findet Julian Reichelt derartige Berichterstattung ausgesprochen gefährdend.