Kampf gegen angebliche russische Bots: Facebook fordert nun Selfies zur Gesichtserkennung

Kampf gegen angebliche russische Bots: Facebook fordert nun Selfies zur Gesichtserkennung
Bitte gut erkennbar- ob der russische Präsident, der ja hinter dem Debakel der russischen Beeinflussung durch Bots steht- mit diesem Bild durch den Foto-Captcha-Check käme, ist fraglich.
Facebook will auf Nummer sicher gehen. Um "russischen Bots" das digitale Wasser abzugraben, sollen Nutzer nun Selfies hochladen, um so ihre Identität zu bestätigen. "Die Fotos werden nach Prüfung dauerhaft gelöscht" verspricht der Social Media-Gigant.

Facebook setzt eine neue Art von Captcha ein, um menschliche Nutzer von Bots zu unterscheiden. Dafür sollen Nutzer Selfies hochladen. Das Gesicht müsse darauf  "klar zu erkennen" sein.

Am Dienstag wurde diese Neuheit auf Twitter und Reddit geteilt. Für die Identitätsprüfung wird der Nutzer aufgefordert: "Bitte laden Sie ein Foto von sich selbst hoch, das Ihr Gesicht deutlich zeigt. Wir werden es überprüfen und dann endgültig von unseren Servern löschen."

Facebook bestätigte diese Neuheit und erklärte, die Methode sei bereits weltweit gängig und käme nur dann zum Einsatz, wenn der Verdacht aufkäme, dass Bot- oder Fake-Accounts eingerichtet würden. Zudem verspricht das Unternehmen, dass der Prozess vollautomatisch ablaufe und das Foto nach der Prüfung gelöscht werde.

Zwar scheint der Internetriese zunehmend auf nicht unumstrittene "Sicherheitsmaßnahmen" gegen den Missbrauch zu setzen. Zuletzt sollten Nutzer Nacktbilder von sich selbst auf Facebook Messenger hochladen, um damit sogenannte Rache-Pornos zu verhindern. Doch dreht sich diese Maßnahme ausdrücklich um die gesellschaftliche Sicherheit. Nach Angaben von Facebook mache sich ein Nutzer "verdächtig" durch "auffällige Aktivitäten", indem er zum Beispiel ein Konto immer in New York  nutzt, plötzlich aber von Russland aus Beiträge poste, heißt es im Technologie-Magazin Wired.

US-Präsident Donald Trump und Russlands Präsident Wladimir Putin während der Session für das Familienfoto beim APEC-Gipfel in Danang, Vietnam, 11. November 2017.

Als Sicherheitsvorkehrung bleibt der Nutzer während des Verifizierungsprozesses ausgeloggt, die Meldung bei versuchtem Login nach dem Hochladen des Bildes  lautet: " Sie können sich jetzt nicht einloggen. Wir werden uns mit Ihnen in Verbindung setzen, nachdem wir Ihr Foto überprüft haben.“

Noch mehr Kontrolle – Auf Druck von oben

Nun sollen Gesichtskontrollen es richten. Wenn russische Einfluss-Trolle und Bots sich anders nicht eindämmen lassen und ganze politische Landstriche umwälzen, müssen unbedarfte Nutzer, die ja sicherlich nichts zu verbergen haben werden, ihr Foto hochladen. Es heißt ja schließlich Face-book, spotteten einige Nutzer in den sozialen Medien; auch die Frage, ob Zwillinge sich ab sofort ein Konto teilen müssten, kam auf.

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Die guten Medien haben uns längst darauf vorbereitet und betonen immer wieder, dass es russische Trolle und Bots waren, die uns die in ihren Augen unerwünschte politische Realitäten beschert haben. Zuletzt einigten sich die Internetgiganten Google, Facebook und Twitter darauf, gezielt bestimmte Inhalte – Nachrichten aus den russischen Medien – in der Verbreitung behindern. Mussten sich das Trio doch kürzlich erst vor dem US-Kongress verantworten, weil sie im US-Wahlkampf vermeintlich folgenreiche Verbreitung von aus Russland stammender Propaganda zugelassen haben.

Neben den Selfie-Uploads setzt Facebook weitere Methoden ein, um Bots zu identifizieren, darunter auch manuelle Prüfungen. Genaues will der Sprecher aber nicht verraten. Sicherlich aber werden die Maßnahmen gegen Bots drastisch verfolgt.

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Wer bei der Gesichtskontrolle, zum Beispiel aus Bedenken über die Sicherheit seiner Daten, nicht mitmachen möchte und sich verweigert, ein Foto hochzuladen, könnte als Sicherheitsrisiko eingestuft werden. Facebook bietet keine Alternative zum Upload des Bildes an, um dem Nutzer Zugang zu seinem Profil zu verschaffen.