Himalaya-Monster: Studie löst Yeti-Rätsel

Himalaya-Monster: Studie löst Yeti-Rätsel
Symbolbild
Seit Jahrhunderten berichten Menschen davon, in den Schneehöhen Tibets und Nepals Yetis gesichtet zu haben - unter anderem Bergsteiger Reinhold Messner. Nun wurden erstmals vermeintliche Überreste der geheimnisvollen Schneemenschen gefunden und untersucht.

Es sieht nicht gut aus für den Yeti - und für alle, die an die Existenz des mysteriösen Schneemenschen in der Himalaya-Region glauben. US-Forscher haben DNA-Proben von angeblichen Yeti-Überbleibseln unter die Lupe genommen und diese fast ausschließlich Bären zuordnen können. Acht der neun untersuchten Proben - gewonnen aus Knochen, Zähnen, Haaren oder Exkrementen - stammen demnach von Asiatischen Schwarzbären, Himalaya-Braunbären oder Tibetischen Braunbären. Die neunte stammte gar von einem Hund.

Unsere Ergebnisse legen in starkem Maße nahe, dass die biologische Grundlage für die Yeti-Legende in lokalen Bärenarten gefunden werden kann", betont die Biologin Charlotte Lindqvist von der University of Buffalo. "Und unsere Studie zeigt, dass die Genetik in der Lage sein sollte, auch andere, ähnliche Rätsel zu lösen."

Als Dali-Mensch (oder auch Dali-Schädel) wird ein 1978 im Kreis Dali der bezirksfreien Stadt Weinan (chinesische Provinz Shaanxi) entdeckter, gut erhaltener fossiler Schädel eines männlichen Jugendlichen bezeichnet.

Die Studie, veröffentlicht in den "Proceedings B" der britischen Royal Society, ist die bisher wohl gründlichste DNA-Analyse angeblicher Yeti-Relikte. Die Forscher gelangten über eine britische Filmproduktionsfirma, die 2016 in einem Film die Herkunft der geheimnisvollen Yetis lüften wollte, an die jetzt untersuchten Überbleibsel. Sie stammen ursprünglich aus Museen oder Privatbesitz.

Himalaya-Braunbären hatten sich in einer Eiszeit isoliert

Ein Stück behaarter Haut von einer Hand oder Pranke, die in einem Kloster aufbewahrt worden war, gehört dazu. Ebenso ein Stück Oberschenkelknochen, das in einer Höhle auf dem Tibetanischen Hochplateau in 4.500 Meter Höhe gefunden wurde.

Doch Lindqvist und ihr Team gingen noch einen Schritt weiter: Sie sequenzierten die mitochondriale DNA (mtDNA) weiterer asiatischer Bären - insgesamt von 23 Tieren - und verglichen diese dann mit derjenigen von Bären in anderen Teilen der Welt.

Es zeigte sich, dass Tibetische Braunbären mit jenen in Nordamerika und Europa relativ eng verwandt sind. Himalaya-Braunbären hingegen, deren mtDNA nun erstmals komplett entschlüsselt wurde, haben sich evolutionär schon wesentlich früher, vor etwa 650.000 Jahren, abgespalten. In der damaligen Eiszeit hätten die Himalaya-Braunbären vermutlich über längere Zeit hinweg durch Gletscher abgetrennt und isoliert von den anderen gelebt, vermuten die Forscher.

Vom Aussterben bedroht

Ihrer Einschätzung nach sind die Ergebnisse nicht nur wichtig, um die Herkunft der Tiere nachzuvollziehen, sondern auch für deren Gegenwart.

Die Himalaya-Braunbären sind vom Aussterben bedroht. Ihre Bevölkerungsstruktur und genetische Vielfalt zu klären, kann auch helfen, ihre Bestände zu schätzen und Management-Strategien zu entwerfen", hofft Lindqvist.

Auch die Untersuchung weiterer Yeti-Relikte könne dazu beitragen.

Die in den Erzählungen zahlreicher Völker in eisigen Gebirgsregionen überlieferten Vorstellungen von Schneemenschen oder nicht in bekannte Gattungen einzuordnender Wesen wie des Yetis regten über Jahrzehnte hinweg auch die Fantasie und den Forscherdrang von Abenteurern aus den westlichen Ländern an.

Im Jahr 1951 fotografierte der englische Bergsteiger Eric Shipton auf einer Expedition im Himalaya Spuren eines überdimensionalen menschenähnlichen Fußes. Der Extrembergsteiger und spätere Politiker Reinhold Messner will im November 1986 in mehreren tausend Metern Höhe in Ost-Tibet einem Wesen begegnet sein, das er für den Yeti hielt. Die Begegnung erregte damals weltweit großes Medieninteresse.

(dpa/rt deutsch)