Zweifelhafte Dienstleistung: Amazon richtet Speicherdienst für US-Geheimdienste ein

Zweifelhafte Dienstleistung: Amazon richtet Speicherdienst für US-Geheimdienste ein
Der Amazon-Konzern hat die Einrichtung eines Cloud-Speicherdienstes für US-Geheimdienste angekündigt. Dort sollen künftig auch streng geheime Daten eingelagert werden. Das Unternehmen steht damit beispielhaft für die zunehmende Verschmelzung privater IT-Firmen mit dem US-Sicherheitsapparat.

Das Unternehmen Amazon kündigte die Einrichtung eines Cloud-Speicherdienstes für US-Geheimdienste an. In einer zum Wochenbeginn veröffentlichten Stellungnahme des Konzerns heißt es:

Die US-Geheimdienstgemeinschaft kann nun ihre Missionen mit einem gemeinsamen Werkzeugkasten ausführen."

In der Datenwolke des Online-Versandhändlers sollen demnach Informationen mit unterschiedlicher Geheimhaltungsstufe – bis hin zu „Top Secret“ – eingelagert werden. Die Dienstleistung geht auf einen 2013 abgeschlossenen Vertrag in Höhe von 600 Millionen US-Dollar zurück, der sich auf einen Zeitraum von zehn Jahren erstreckt.

Der Service sei „eine Schlüsselkomponente bei der mehrgliedrigen Cloud-Strategie der Geheimdienstgemeinschaft“, so das Unternehmen, das sich bei der Gelegenheit damit brüstet, der „einzige kommerzielle Cloud-Anbieter“ zu sein, der streng geheime Informationen für eine Regierung verwaltet.

Im September geriet das Unternehmen jedoch in die Kritik, weil es tausende Dateien auf einem falsch konfigurierten und öffentlich zugänglichen Cloud-Server gespeichert hatte, darunter personenbezogene Daten von ehemaligen Geheimdienstmitarbeitern und Militärangehörigen.

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Mit der nun erfolgten Ankündigung steht Amazon beispielhaft für die zunehmende Verschmelzung privater IT-Firmen mit dem US-Sicherheitsapparat, wie sie von der Intelligence and National Security Alliance (INSA) koordiniert und vorangetrieben wird.

Internetgiganten verschmelzen mit US-Sicherheitsapparat

Auch Facebook und Google kooperieren eng mit den US-Diensten. So erhielt Facebook im April 2006 und damit knapp zwei Jahre nach seiner Gründung eine Finanzspritze in Höhe von 27 Millionen US-Dollar. Zu den Investoren gehörte auch das Risikokapital-Unternehmen Greylock Partners, für das der ehemalige Pentagon-Mitarbeiter Howard Cox seit 1971 führend tätig ist.

Gleichzeitig sitzt Cox im Direktorium der CIA-Investmentfirma In-Q-Tel. In deren Portfolio befinden sich über 90 Unternehmen, die Technologien entwickeln, die nach Firmenangaben „das Potential haben, der CIA und der US-Geheimdienstgemeinschaft heute und in Zukunft einen Einsatzvorteil zu verschaffen“. In-Q-Tel-Mitarbeiter Bruce Lund schilderte das Interesse des Geheimdienstes an Facebook folgendermaßen:

Die Überwachung von sozialen Medien wird für Regierungen zunehmend zu einem unverzichtbaren Bestandteil in dem Bemühen, aufkeimende politische Bewegungen im Auge zu behalten."

Mit Howard Cox bestünde „eine personelle Brücke, die das soziale Netzwerk mit dem Geheimdienst verbindet“, kommentierte damals der Focus. Eine weitere personelle Verbindung des Social-Media-Giganten zum US-Auslandsgeheimdienst besteht in Peter Thiel. Der gebürtige Deutsche und einstige PayPal-Mitbegründer gehört neben In-Q-Tel zu den Hauptinvestoren der auf Data Mining spezialisierten IT-Firma Palantir, die Software für die NSA, das FBI und die CIA entwickelte.

Palantir habe einige „der mächtigsten Werkzeuge zum Durchsieben von Daten“ für die US-Dienste entwickelt, so das Wirtschaftsmagazin Forbes. Nicht umsonst bezeichnete der ehemalige CIA-Direktor David Patreus den Palantir-Chef Alex Karp als persönlichen Freund.

Ein Flüchtling unter einem Wifi-Hot-Spot in Adasevci, Serbien, 11. Februar 2016.

Ein freundschaftliches Verhältnis zu Karp pflegt auch Thiel, der Facebook im Jahr 2004 die erste größere Finanzspritze in Höhe von 500.000 US-Dollar verpasst hat, ohne die das Unternehmen wahrscheinlich nie zu seinem Höhenflug angesetzt hätte.

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Mit Rückendeckung vom Weißen Haus

Die CIA-Firma In-Q-Tel und Google investierten ebenso in gemeinsame Software-Projekte, dazu gehören „Keyhole“ (Schlüsselloch), heute besser bekannt als „Google Earth“, oder auch „Recorded Future“, das mittels Datenanalyse sicherheitsrelevante Entwicklungen prognostizieren will. Darüber hinaus entwickelte der Suchmaschinen-Anbieter exklusive Software-Produkte für US-Geheimdienste, darunter deren Informationsnetzwerk „Intellpedia“.

Der Technische Direktor von In-Q-Tel, Robert Painter, heuerte nach seinem Ausstieg bei der CIA-Firma bei Google an. Eine weitere personelle Verquickung des Unternehmens mit dem US-Sicherheitsapparat besteht in Regina Dugan. Sie hatte im Jahr 2009 den Chefposten bei der Pentagon-Forschungsschmiede DARPA übernommen. Vier Jahre später wechselte sie in hochrangiger Funktion zu Google. Im April letzten Jahres stieg sie dort aus, um fortan für Facebook zu arbeiten.

Der Vizechef des auch als „Schatten-CIA“ bezeichneten privaten US-Informationsdienstes Stratfor hatte in einer internen E-Mail das Verhältnis von Google zur US-Regierung einst so beschrieben:

Google genießt die Unterstützung und Rückendeckung des Weißen Hauses und des Außenministeriums. In Wirklichkeit kann Google Dinge machen, die die CIA nicht machen kann."

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