Star-Trek-Star George Takei: "Russische Bots wollen mich durch Sex-Vorwürfe mundtot machen"

Star-Trek-Star George Takei: "Russische Bots wollen mich durch Sex-Vorwürfe mundtot machen"
Der bekannte Schauspieler und Polit-Aktivist George Takei ist auf Grund von Vorwürfen angeblicher sexueller Übergriffe in Bedrängnis geraten. Was seine Verteidigungslinie anbelangt, geht er auf Nummer sicher und stilisiert sich zum Opfer russischer Trolle.

Die meisten Fernsehzuschauer in Deutschland kennen ihn vor allem als Hikaru Sulu in "Raumschiff Enterprise" und aus den darauf aufbauenden "Star Trek"-Filmen. In den USA ist George Takei unterdessen nicht nur für seine Filmrollen bekannt, er ist auch politischer Aktivist.

Ähnlich wie Hannes Jaenicke in Deutschland oder Harald Krassnitzer in Österreich ist Takei in den Augen seiner Anhänger das Paradebeispiel einer liberalen moralischen Instanz der Leinwände. Das fortschrittliche Anliegen, dem er seine wortgewaltige Unterstützung versagen würde, muss erst noch ersonnen werden. Das gilt nicht nur für die USA selbst, sondern weltweit.

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Umso konsternierter war die Internetgemeinde, nachdem in der Vorwoche auch Takei ins Visier von Vorwürfen sexueller Übergriffe geraten war. Seit den Anschuldigungen diesbezüglichen Fehlverhaltens gegen prominente Produzenten und Schauspieler wie Harvey Weinstein und Kevin Spacey ist die Zahl mutmaßlich Betroffener, die sich aus der Deckung wagen, spürbar angestiegen.

Täglich neue Vorwürfe sexuellen Missbrauchs gegen US-Promistars

Erst in den letzten Tagen berichteten Medien beispielsweise über Vorwürfe des Exhibitionismus gegenüber dem Comedian Louis C.K. und dem Schauspieler Richard Dreyfuss. Die aus der Serie "Smallville" bekannte Allison Mack soll sogar eine führende Persönlichkeit in einer feministischen Sekte gewesen sein und im Auftrag eines männlichen Gurus Frauen rekrutiert haben, die anschließend sadistischen Folterritualen unterzogen worden sein sollen.

Am vergangenen Freitag schrieb die Plattform Hollywood Reporter, der früher als Schauspieler und Fotomodell tätige Scott Brunton habe in einem Interview angegeben, von Takei 1981 in dessen Wohnung sexuell belästigt worden zu sein. Damals war Takei Mitte 40, Brunton 24 Jahre alt und sie hatten sich angefreundet. Nachdem Brunton die Beziehung mit seinem damaligen Partner beendet hatte, habe Takei sich um größere Nähe bemüht und diesen zu einem Abendessen und zum Theater eingeladen.

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Anschließend seien beide noch in Takeis Wohnung gefahren. Brunton habe zwei Drinks eingenommen, mit einem Mal habe er sich jedoch "desorientiert und benommen" gefühlt und in einem Sitzsack Platz genommen. Über das, was sich daran geschlossen habe, erklärte Brunton gegenüber dem Hollywood Reporter:

Das nächste, woran ich mich erinnern kann, ist, dass ich wieder zu mir kam und er [Takei] hatte meine Hosen bis zur Ferse heruntergezogen. Er hat an meinen Unterleib gefasst und versucht, mir den Slip auszuziehen und mich gleichzeitig zu erregen, während er versuchte, seine Hände in meine Unterwäsche zu bekommen.

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Brunton habe ihn daraufhin gefragt, was er denn mache und erklärt, er wolle dies alles nicht. Takei soll daraufhin erwidert haben:

Du musst dich entspannen. Ich versuche bloß, es dir gemütlich zu machen. Mach's dir gemütlich.

Erst nachdem Brunton ihn weggestoßen habe, hätte Takei von ihm abgelassen. Auf seinen Wunsch, zu gehen, habe Takei ihm noch zu bedenken gegeben, dass Brunton nicht in der Verfassung sei, um nach Hause zu fahren.

"Ist mir egal, ich will gehen", habe der Gast daraufhin erklärt. "So konnte ich meine Hosen wieder anziehen, zu klaren Gedanken kommen und ich war einfach schockiert. Ich ging raus, weiter zu meinem Auto und wartete dort, bis ich mich wieder in der Lage fühlte, nach Hause zu fahren, und das war's."

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Auf die Frage, warum Scott Brunton erst nach so langer Zeit mit seinen Vorwürfen an die Öffentlichkeit tritt, sagte dieser, er habe den Gedanken gehabt, Takei persönlich darauf anzusprechen, aber dies nie gemacht. Dass der Schauspieler Anthony Rapp jedoch wenige Tage zuvor gegen seinen älteren Kollegen Kevin Spacey ähnliche Anschuldigungen erhoben hatte, die sich auf behauptete Ereignisse aus dem Jahr 1986 bezogen, habe auch ihn dazu motiviert, über den angeblichen Vorfall zu sprechen.

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In mehreren Beiträgen auf Facebook und Twitter bestreitet Takei die Vorwürfe. Bezüglich der Person Scott Bruntons sei, schenkt man Takeis Angaben Glauben, seine Erinnerung in ähnlicher Weise getrübt wie jene des früheren österreichischen Bundespräsidenten Dr. Kurt Waldheim hinsichtlich seines Kontakts mit Pferden im Umfeld des Zweiten Weltkriegs.  

In Anbetracht der höchst unterschiedlichen Reaktionen der Hollywood-Gemeinde auf die Vielzahl an Sex-Enthüllungen will Takei jedoch offenbar auf Nummer sichergehen, um nicht wie Weinstein oder Spacey in Ungnade zu fallen. Während Weinstein mittlerweile in ganz Hollywood als Persona non grata gilt, werden, was Spacey anbelangt, nicht mehr nur künftige Filmprojekte eingestampft, nein, ihm wird zum Teil sogar das historische Schicksal Leo Trotzkis zuteil und seine Person wird nachträglich aus bereits fertig gedrehten Filmprojekten entfernt. Takei schwant offenbar Böses: Zeit, die russische Karte zu spielen.

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In diesem Sinne hat Takei nun auch die Flucht nach vorne ergriffen und "russische Bots" mit der Verbreitung der Vorwürfe sexueller Übergriffe gegen Scott Brunton in Verbindung gebracht. Nicht Scott Brunton ist demnach ein Opfer sexueller Belästigung durch Takei, sondern Takei eines des russischen Despoten Wladimir Putin und dessen "Trollarmee", die sich auf diese Weise für das beherzte Eintreten des Schauspielers für die LGBT-Community in der Russischen Föderation rächen wollen.

Wie die New York Daily News berichten, hat Takei einen Beitrag auf Twitter gesetzt, in dem er "russische Bots" aufführte, die angeblich aus politischen Gründen dazu beitragen würden, dass die Anschuldigungen nicht aus der Öffentlichkeit verschwinden.

"Rache für Kritik am Verbot der Homo-Propaganda"

Der Tweet ist mittlerweile wieder gelöscht. Den NY Daily News zufolge habe Takei ein Bild gepostet, das erkennen lässt, dass sein Name im Zusammenhang mit den Vorwürfen Bruntons zu den Trending Topics gehörte. Dazu habe er geschrieben:

Ein Freund hat mir das geschickt. Es ist eine Grafik, die zeigt, was russische Bots unternommen haben, um die Geschichten aufzubauschen, die Anschuldigungen gegen mich beinhalten.

Weiter schrieb er:

Es ist offenkundig, dass sie mich mundtot machen wollen. Aber keine Angst, meine Freunde. Ich werde mich davon nicht einschüchtern lassen.

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Seine Erfahrungen mit "russischen Bots", so Takei, reichten schließlich bereits in die Zeit der Ergänzung des russischen Jugendschutzgesetzes im Jahr 2013 zurück. Das damals dort verankerte Verbot der Propaganda für nicht traditionelle sexuelle Beziehungen gegenüber Minderjährigen hatte die Gemüter der westlichen Chattering Classes mächtig in Wallung gebracht. Takei sieht einen Zusammenhang mit den angeblichen Bot-Aktivitäten:

Um zum Hintergrund zu kommen: Als ich öffentlich Putins Anti-LGBT-Politik kritisiert hatte, haben russische Bots unablässig meine [Facebook-]Seite angegriffen und wir mussten spezielle Sicherheitsvorkehrungen entwickeln sowie jeden Traffic verbannen, der aus der Russischen Föderation und der Ukraine kam.

Offenbar hat er Erfahrung damit: "Ich bin mit solchen Praktiken vertraut." Auch diesen Post hat Takei offenbar später gelöscht.