Die Erstürmung der US-Botschaft 1979 in Teheran - Auslöser von Kriegen und Sanktionen bis heute?

Die Erstürmung der US-Botschaft 1979 in Teheran - Auslöser von Kriegen und Sanktionen bis heute?
Eingang zur ehemaligen US-Botschaft in Teheran
Dieses Ereignis prägte die Beziehung zwischen den USA und dem Iran wie kein zweites. Was für die Iraner die US-Rolle in der Entmachtung des demokratisch gewählten Ministerpräsidenten Mossadegh im Jahr 1953 war, war für die US-Amerikaner die 444-tägige Besatzung der eigenen Botschaft in Teheran.

von Zlatko Percinic

Dieses Ereignis brannte sich regelrecht in das kollektive Gedächtnis der Amerikaner und Amerikanerinnen ein, obwohl der größte Teil nicht einmal weiß, was da genau passiert war, noch haben sie jemals etwas von der Beteiligung ihres Landes an dem Putsch 26 Jahre zuvor gehört. Was sich einbrannte, war die tagtägliche Berichterstattung jeweils zur besten Sendezeit am Abend, als Millionen vor dem Fernseher saßen und sich die Bilder aus Teheran anschauten. Sie konnten nicht verstehen, was sich dort abspielte, warum es sich überhaupt abspielte und warum die Supermacht Amerika nichts zur Rettung dieser Geiseln unternehmen konnte.

Diese zwei Ereignisse aus den Jahren 1953 und 1979 haben mitunter dazu geführt, dass eine gesamte Region mit knapp 185,5 Millionen Menschen über Jahre hinweg zu einem Schauplatz von Instabilität, Kriegen und Chaos werden konnte. Während die USA versuchten, das größte Land des Mittleren Ostens an allen Ecken und Enden zu bekämpfen, auch über mehrere Länder hinweg, versuchte der Iran, seine regionale Stellung zu behaupten, welche ihm aufgrund der Größe und der immensen Ressourcen zugestanden hätte.

Dass am 04. November 1979 die US-Botschaft von einem wütenden Mob gestürmt wurde, ist heute hinreichend bekannt - aber nicht, weshalb es dazu gekommen ist. Angesichts der anti-iranischen Stimmungsmache der Regierung von Donald Trump, ist dieses Thema so aktuell wie vor 38 Jahren.

Die totale Verschmelzung zwischen der US-Elite mit dem Pfauenthron

Was am 04. November 1979 passierte, war rückblickend lediglich die klare Konsequenz der amerikanischen Beteiligung an der Herabsetzung des iranischen Ministerpräsidenten Mossadegh im Jahr 1953 und der anschließenden Verfestigung der Macht des Schahs. Dieser amerikanisch-britische Coup gegen Mossadegh beendete die erste Demokratie (auch wenn diese Demokratie aus westlicher Sicht nicht perfekt war, dennoch war es eine, die der nationalen Realität Rechnung trug) im Mittleren Osten und führte direkt zur Diktatur des hinter dem Pfauenthron verkleideten Pahlavi-Regimes.

Für die USA (und die Briten) gab es ab diesem Zeitpunkt niemand anderen mehr im Iran als ausschließlich Schah Mohammad Reza Pahlavi. Das brachte natürlich gewisse Vorteile für die Amerikaner: sie mussten nur noch die Gunst des Monarchen für sich gewinnen, um eigene handfeste wirtschaftliche Interessen auszunutzen. Die Gunst des Schahs für sich zu gewinnen, war eine der leichteren Übungen für die Amerikaner: immerhin wusste der Shah, wem er seine aktuelle Macht verdankte und dass er auch in gewisser Weise von den Amerikanern abhängig war.

Der iranische Außenminister Dschawad Sarif auf einer Generalversammlung der Vereinten Nationen in Manhattan, New York, USA, 27. September 2017.

Das wirkliche Problem war der Realitätsverlust, der dieser verhängnisvollen Umarmung zwischen der politischen Elite in Washington und dem Pahlavi-Hof in Teheran folgte. Dadurch, dass sich das Weiße Haus nur noch auf den Schah konzentrierte und mit der Zeit auch mächtige Verbündete für den Schah heranwuchsen, bekam der US-Präsident so gut wie gar nichts mehr mit, was sich tatsächlich im Iran abspielte. Diese absichtliche Unterdrückung von jeglichen Informationen, welche den Schah in einem negativen Licht hätten darstellen können, oder der sich bildenden Unzufriedenheit im iranischen Volk, war das Werk des US-Botschafters in Teheran, Armin Meyer (von 1965 bis 1969), und des Nationalen Sicherheitsberaters der Regierung von Lyndon B. Johnson, Walt Rostow.

US-Botschafter Meyer und sein politischer Kanzler, Martin Herz, setzten die anderen Mitarbeiter der Botschaft unter Druck, nur positive Meldungen nach Washington ins Außenministerium zu kabeln, und hielten aber gleichzeitig jeglichen Versuch von ambitionierten Mitarbeitern zurück, Kontakte zur iranischen Opposition zu knüpfen. Es bildete sich eine vollkommene Dunkelheit über die Realität im Iran.

Diese totale Verschmelzung zwischen der Elite der amerikanischen Politik und Wirtschaft mit dem Pfauenthron im Iran, erreichte mit der neuen Regierung von Präsident Richard Nixon seinen absoluten Höhepunkt. Zwischen Mohammad Reza Pahlavi und Richard Nixon entwickelte sich so etwas wie eine tiefe Männerfreundschaft, die bereits auf das Jahr 1953 zurückführte, als Nixon das erste Mal den Schah in Teheran besuchte.

Iran als wichtigster Verbündeter der USA

Doch nicht nur der US-Präsident war es, der in dem iranischen Monarchen einen engen Partner sah. Diese "Allianz" setzte sich über US-Außenminister bzw. Nationalen Sicherheitsberater Henry Kissinger, Vize-Präsident (und späterem Präsident) Gerald Ford, Nelson Rockefeller, Senatoren Jacob Javits, Barry Goldwater, Abraham Ribicoff (allesamt dem jüdischen Glauben zugehörig) hindurch. Barry Goldwater wurde 1973 vom Schah persönlich in den Iran eingeladen, wo er eine Woche in Saus und Braus lebte, und später wenig überraschend im Senat den Schah in höchsten Worten lobte:

Die Stärke des Anführers, sein Verständnis der Probleme seiner Nation, sein brennendes Verlangen diese zu lösen, sind die Zeichen von guter Führung, und die Resultate werden, meiner Meinung nach, spektakulär sein.

Genau das war das Ziel des Schahs. Er versuchte, den Iran als wichtigsten Verbündeten der USA zu positionieren, und zwar am liebsten weltweit. Aus diesem Grund - und auch wegen seiner eigenen, totalen Überschätzung seiner Größe - begann Mohammad Reza Pahlavi den Ausbau seiner Militärstreitkräfte auf Kosten der Entwicklung seines Landes. Insbesondere die Luftwaffe war sein "Lieblingskind". Nur das Beste vom Besten sollte es sein, High-End Flugzeuge wie die F-14 Tomcat mussten her. Dabei galt dieser Flugzeugtyp zu diesem Zeitpunkt aufgrund der Schwierigkeiten mit der Elektronik und den zu hohen Produktionskosten noch nicht einmal als sicher. Diese Probleme führten schließlich dazu, dass der Hersteller der F-14 Tomcat, Grumman, nahezu pleite war und nur durch iranische Kredite gerettet werden konnte!

Obwohl immenser Widerstand im Pentagon gegen den Verkauf der F-14 an den Iran erwuchs, drängten Nixon und Kissinger dazu, diesen Verkauf zu bewilligen. Schließlich wurde der Iran zu diesem Zeitpunkt das einzige Land auf der Welt, das nebst den USA über diese Kampfflugzeuge verfügte.

In nur etwas mehr als eineinhalb Jahren, zwischen Januar 1973 und September 1974, unterzeichneten US-Unternehmen Verträge über 11,9 Milliarden US-Dollar mit dem Iran. Im März 1975 folgte dann ein Vertrag über 15 Milliarden US-Dollar, wo sich die USA verpflichteten, acht Atomkraftwerke im Iran zu bauen. Der Deal galt zu dieser Zeit als das größte jemals abgeschlossene Geschäft zwischen zwei Ländern. Damit der Iran das alles aber überhaupt finanzieren konnte, war der Schah auf hohe Erdölpreise angewiesen, die seit dem Krieg im Oktober 1973 im Nahen Osten (Oktober- oder auch als Jom Kippur Krieg bekannt) und der anschließenden Ölkrise explodiert waren.

Während dieser ganzen Zeit herrschte so etwas wie eine Goldgräberstimmung im Iran. Ganze Industrien wurden aus dem Boden gestampft, unzählige Infrastrukturprojekte wurden angegangen und es bildete sich eine für die Region respektable Mittelschicht. Gleichzeitig wuchs aber auch die Bildung dieser Mittelschicht. Immer mehr Menschen konnten lesen und schreiben, besuchten Universitäten im Ausland und kehrten mit einem großen Wissensvorsprung zurück nach Hause. Viele Menschen begriffen, dass der eingeschlagene Kurs des Monarchen, insbesondere seine zu enge Umarmung mit Amerika, nicht gut für das Land war. Die Militärausgaben und die Energiediversifikation auf Atomenergie, wurden als von Washington aufgesetzt empfunden.

Eine der ganz großen Ironien in der Geschichte ist es, dass Mitte der 1970er Jahre die Iraner den Schah und gleichzeitig die USA für den Aufbau der Atomkraftwerke verantwortlich machten, weil sie diese enormen Kosten, angesichts der reichen Erdölvorkommen, für überflüssig hielten. Genau das gleiche Argument benutzen heute Amerika und Israel, indem sie behaupten, dass der Iran doch gar keine Atomenergie aufgrund der riesigen Gas- und Ölvorkommen braucht.

Als dann noch der frisch zurückgetretene CIA-Chef Richard Helms umgehend auf den Posten des US-Botschafters 1973 in Teheran geordert wurde, schlugen die antiamerikanischen Ressentiments große Wellen im Iran. Für die Iraner war es klar, dass nun die CIA hochoffiziell die Vertretung der Vereinigten Staaten von Amerika übernommen hat, und der Schah nichts weiter als ein Handlanger der Amerikaner und der CIA war. Um diese immer lauter werdende Gegenwehr des iranischen Volkes einzudämmen, griff der Schah auf immer brutalere Repressionsmethoden zurück und hetzte den Inlandsgeheimdienst SAVAK auf jegliche Opposition im Volk.

Mit der Ankunft von Richard Helms als Botschafter in Teheran begann die CIA auch tatsächlich, ihre Aktivität im Iran auszubauen. Ein neues elektronisches Überwachungssystem, Project IBEX, wurde als Gemeinschaftsprojekt der CIA/NSA und dem iranischen Geheimdienst ins Leben gerufen. Zum IBEX-Projekt gehörten fünf hochgeheime Abhöranlagen auf iranischem Boden, wovon drei Anlagen gemeinsam mit der CIA/NSA und mit iranischen Spezialisten betrieben wurden, und zwei Anlagen (Tracksman 1 und Tracksman 2) ausschließlich mit US-Agenten besetzt wurden. Unterstützt wurden diese Abhöranlagen durch eigens dafür durch die USA umgerüstete Flugzeuge des Typs Hercules C-130 und Boeing 707. Diese sorgten dafür, dass die Verbindung zwischen den einzelnen Stationen auch über die hohen iranischen Berge hinaus gewährleistet blieb. Für die USA bedeutete das Project IBEX eine einmalige Gelegenheit, die Sowjetunion auf diesem Teil des Riesenreiches auszuspionieren, wo man bisher "blind" war.

Obwohl das Projekt ein Gemeinschaftsprojekt zwischen Teheran und Washington war, finanzierte der Iran das gesamte Projekt! Die hohen Kosten von 500 Millionen US-Dollar sorgten schließlich 1977 zur Verstimmung in der Beziehung zwischen den beiden Ländern. Ein Jahr zuvor fand Teheran heraus, dass US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld für das Projekt viel mehr in Rechnung stellte, als es tatsächlich gekostet hat. Und das zu einer Zeit, als die Ölpreise sanken und den Iran in eine schwere Wirtschaftskrise stürzten.

Rückkehr zum Glauben als Schutz vor der Repression des Pahlavi-Regimes

Um Herr über diese Wirtschaftskrise zu werden, begann der Schah ein Sparprogramm durchzusetzen, welches wie so oft durch die eigene Bevölkerung getragen werden musste. Tausende von staatlichen Agenten wurden in die Basare entsandt, um Preise zu kontrollieren. Verkäufer wurden verhaftet, wenn sie zu hohe Preise verlangten; Geldwechsler daran gehindert, mit Devisen zu handeln. Schließlich wurden auch die staatlichen Gelder für die iranische ulama, also den Klerus, gestrichen, was zu einer enormen Verschärfung der ohnehin bereits bestehenden Spannungen zwischen der ulama und dem Schah führte. Im Jahr 1977 beobachteten viele Ausländer im Iran einen Trend, der sozusagen die Islamische Revolution zwei Jahre später einleitete.

Mohammad Mossadegh wurde nach dem Putsch 1953 wegen Landesverrats angeklagt und zu drei Jahren Gefängnis und anschließendem Hausarrest verurteilt. Bis zu seinem Tod lebte er auf seinem Landgut in Ahmad Abad.

Plötzlich fingen tausende von jungen Menschen an, sich ihrem Glauben zuzuwenden. Sie suchten vor der Repression des Pahlavi-Regimes Schutz in den Moscheen und hörten mit Hingabe den Predigten der Mullahs zu. Sie fingen an, islamische Praktiken und Riten wieder in den Alltag einzubeziehen. Junge Frauen verhüllten sich selbst mit dem Tschador (iranische Vollverschleierung) und gingen so zur Schule oder in die Universitäten, obwohl das vom Staat untersagt war. In jenen Städten, wo die Polizei auf den Straßen die verhüllten jungen Frauen aufgriff und sie zum "normalen, westlich-modernen Stil" zwang, trugen die Frauen den Tschador in ihren Taschen bis zur Schule und zogen ihn dort schließlich über. Auch das entbehrt nicht einer gewissen Ironie, weil es heute vielfach genau entgegengesetzt praktiziert wird. Religiöse Schulen erlebten einen plötzlichen Andrang von Studenten und in der heiligen Stadt Qom gab es zahlreiche religiös-inspirierte Demonstrationen gegen den Schah.

Damit nicht genug, als Mohammad Reza Shah und seine Frau im November 1977 zu einem Staatsbesuch in Washington weilten, gab es massive Proteste und Demonstrationen gegen sein Regime und dessen Unterstützung durch die USA.

Als US-Präsident Jimmy Carter, zusammen mit seiner Frau Rosalynn, Mohammad Reza Pahlavi und seiner Frau Farah, am 15.11.1977 eine Rede vor dem Weißen Haus in Washington hielt, wurde Tränengas eingesetzt, was diesen Staatsbesuch zu seinem der größten Pannen der Sicherheitskräfte machte.

Dieses Drama weitete sich noch weiter aus, als US-Präsident Jimmy Carter nur sechs Wochen später auf Einladung des Schahs die Silvesterfeierlichkeiten beging. Am 31. Dezember 1977 gab Carter in einer Pressekonferenz ein Statement ab, welches zu einer wahren Explosion im Iran führte:

Iran unter der hervorragenden Führung des Schahs, ist eine Insel der Stabilität in einer der schwierigeren Regionen dieser Welt. Das ist ein großer Tribut für Sie, Eure Majestät, und für Ihre Führungspersönlichkeit, und für den Respekt, Bewunderung und Liebe welches Ihr Volk Ihnen entgegenbringt.

Der größte Widersacher des Schahs, Ayatollah Ruhollah Khomeini, kritisierte dann auch den US-Präsidenten massiv, als er sagte:

Carter sagt, dass die Menschenrechte unveräußerlich sind, aber dann sagt er, "ich will nichts über Menschenrechte hören". Natürlich hat er aus seiner Sicht Recht; er folgt der Logik von Banditen. Der Kopf einer Regierung, welches die Menschenrechtsdeklaration unterzeichnet hat, sagt, "wir haben Militärbasen im Iran, wir können dort nicht über Menschenrechte sprechen. Respekt für die Menschenrechte ist nur in Ländern möglich, wo wir keine Militärbasen haben."

Großdemonstrationen brachen in mehreren Städten im Iran Mitte Februar aus. Hunderttausende Menschen protestierten gegen das Pahlavi-Regime. Die Demonstrationen hielten über das gesamte Jahr 1978 an und gipfelten schließlich in dem als "Schwarzer Freitag" bekannt gewordenen Massaker in Teheran. Von Januar 1978 bis Februar 1979, bis zu dem Zeitpunkt also, wo die Massendemonstrationen die Herabsetzung des Schahs erzwangen und damit das Ende der Pahlavi-Dynastie besiegelten, starben etwa 12.000 Menschen während der äußerst blutigen Demonstrationen.

Als nach dem Sturz des Schahs durch die Islamische Revolution sein ärgster Widersacher Ayatollah Khomeini aus dem französischen Exil nach Teheran zurückkehrte, entbrannte gleichzeitig in Washington eine politische Krise aufgrund des Kollapses des Pahlavi-Regimes. Nicht nur, dass die USA einen der engsten Verbündeten in der Region verloren, sie verloren auch jegliche Kontrolle über die US-Investitionen im Iran. Zu erwähnen bleibt insbesondere der Verlust der Spionagebasen im Iran im Kalten Krieg gegen die Sowjetunion.

Unmittelbar nach dem Sturz fragte man sich in Washington, wie so etwas überhaupt passieren konnte. Es wurden Schuldige und Sündenböcke gesucht, während die so mächtigen Unterstützer des Schahs in den USA sofort auf den Plan gerufen wurden, um irgendeine Lösung zu finden; natürlich eine Lösung, die zur Re-Installation seines Regimes führen sollte.

Die Frage nach der richtigen US-Haltung gegenüber der Revolutionsführung in Teheran führte zu bitterem Streit in den Fluren des Weißen Hauses. Insbesondere der Nationale Sicherheitsberater Zbigniew Brzezinski trägt eine große Schuld an der Repression der Massendemonstrationen im Jahr 1978 im Iran, da er dem Schah immer wieder klarmachte, dass nur eine starke Hand und starke Antwort des Monarchen die Unruhen besänftigen könne. Nach dem Sturz des Schahs war es ebenfalls Brzezinski, der am lautesten nach einem Schuldigen für das Debakel suchte. Auch die mächtige Rockefeller Verbindung übte immensen Druck auf Präsident Carter und Brzezinski aus, dass die USA alles nur erdenklich Mögliche unternehmen sollte, um dem Schah zu helfen. Brzezinski war es schließlich auch, der die Empfehlung des US-Botschafters in Teheran im Jahr 1978, Bill Sullivan, sabotierte, als dieser eine Kontaktaufnahme der USA mit Khomeini in seinem Exil bei Paris empfahl.

US-Freunde des Schah verteufeln den neuen Iran 

Die bereits genannten Senatoren Jacob Javits und Barry Goldwater, welche zu den größten und mächtigsten Unterstützern des Schahs im Kongress gehörten, machten sich ebenfalls an die Arbeit, nach Möglichkeiten zu suchen, den "neuen Iran" zu verteufeln. Diese Gelegenheit ergab sich Anfang Mai 1979, als Nachrichten von Massenexekutionen im Iran die Runde in der westlichen Presse machten. Javits formulierte eine Resolution, die die Hinrichtungen und die "Pogrome an iranischen Juden" verurteilen sollte. Diese als "Javit-Resolution" berühmt gewordene Resolution, basierte auf der Exekution des jüdisch-iranischen Geschäftsmannes Habib Elghanian am 9. Mai.

Elghanian war der US-Botschaft in Teheran aber keineswegs fremd. Seine Akte hielt ihn für den drittreichsten Mann im Iran und beschuldigte ihn der Korruption und Bereicherung auf Kosten des Staates. Seine Hinrichtung hatte schließlich nichts mit seinem jüdischen Glauben zu tun. Er wurde wegen seiner engen Verbindung zu Mohammad Reza Pahlavi und Israel, sowie Korruption und Verrat hingerichtet. In diesem Zeitraum, den die Javits-Resolution als Beweis eines iranischen Pogroms an der jüdischen Bevölkerung im Iran wertete, vom 7. Mai bis 11. Mai, wurden insgesamt 29 Männer hingerichtet. Alle 29 Männer wurden des Hochverrats beschuldigt und hingerichtet, und nicht wegen ihrem Glauben. Dass Habib Elghanian ein Jude war, war Zufall und hat keinesfalls etwas mit einem "Pogrom an Juden" zu tun, wie es Senator Javits in Washington dargestellt hatte.

Obwohl es nach der Rückkehr von Khomeini hätte klar sein müssen, dass er DIE Autorität im Lande war, wollten es die Amerikaner schlichtweg nicht wahrhaben. Sie konzentrierten sich stattdessen auf die Moderaten der neu installierten Übergangsregierung, wie den neuen Ministerpräsidenten Mehdi Bazargan. Man einigte sich in Washington darauf, einen informellen Kontakt zu der als "moderat" eingestuften neuen Regierung unter Ministerpräsident Bazargan zu halten. Als Verbindungsmann wurde der CIA-Agent George W. Cave ernannt.

Cave traf sich zum ersten Mal am 5. August 1979 mit dem iranischen Vize-Ministerpräsident Amir Entezam im schwedischen Stockholm. Entezam hatte großes Interesse daran, eine gute Beziehung zu den USA aufzubauen und schlug gegenüber Cave vor, einen permanenten Kontakt in Teheran zu erstellen. Doch der amerikanische Agent gab ihm zu verstehen, dass die US-Vertreter für einzelne Meetings mit auserwählten Vertretern der iranischen Regierung nach Teheran reisen würden. Das erste Treffen erfolgte dann tatsächlich bereits sechzehn Tage später am 21. August 1979 in Teheran.

Angst vor einem erneuten Putsch der Amerikaner

Das zweite Treffen fand am 15. Oktober wieder in Teheran statt. Dieses Treffen war es schließlich, dass dem extremen Flügel der Revolutionäre als Beweis dafür diente, dass die US-Botschaft in Teheran hinter dem Versuch steckt, gemeinsame Sache mit dem abgesetzten Schah zu machen, nachdem dieser genau eine Woche später am 22. Oktober in die USA aufgenommen wurde.

Die Besetzung der Großen Mosche in Mekka im Jahr 1979 spielte eine Schlüsselrolle bei der Verbreitung einer extremen Koran-Auslegung.

Diese Angst vor einem erneuten Putsch der Amerikaner war nach der Aufnahme von Mohammad Reza Pahlavi in die USA am 22. Oktober bereits hoch, doch als die Iraner von einem Treffen auf höchster Ebene zwischen Ministerpräsident Bazargan und dem amerikanischen Nationalen Sicherheitsberater Brzezinski im algerischen Algiers am 1. November 1979 erfuhren, explodierte diese enorme Spannung im Iran und entlud sich in Massendemonstrationen mit etwa zwei Millionen Teilnehmern. Sie alle sahen die Bilder im Fernsehen, wie ihr Ministerpräsident dem Amerikaner die Hand schüttelte, während zur gleichen Zeit "dem kriminellen Schah in den USA Zuflucht gewährt wurde".

Nach drei Tagen von Massendemonstrationen stürmten etwa 500 Studenten die US-Botschaft in Teheran am 4. November 1979 und nahmen 61 amerikanische Botschaftsangehörige als Geiseln. Sie alle waren fest und zutiefst davon überzeugt, wie im Übrigen die Millionen von Demonstranten in den Straßen Teherans und anderen Städten im Iran auch, dass in der US-Botschaft wieder ein Plan ausgeheckt wird, welcher ihre mit ihrem Blut und Mut erreichte Revolution vernichten und den verhassten Schah wieder zurückbringen soll. 

Studenten erstürmen die US-Botschaft in Teheran.

Die stets von den Amerikanern herausgegebene Beteuerungen (was auch heute noch so praktiziert wird), in der US-Botschaft gäbe es keine Agenten der CIA, erwiesen sich nach der Erstürmung natürlich als eine Lüge. Die Botschaft in Teheran ist heute als Museum zugänglich und ist stummer Zeuge davon, was hinter dicken Panzertüren und abhörsicheren Räumen tatsächlich alles gemacht wurde.

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