"Armee von Spionen": Weinstein soll Ex-Mossad-Agenten auf mutmaßliche Opfer angesetzt haben

"Armee von Spionen": Weinstein soll Ex-Mossad-Agenten auf mutmaßliche Opfer angesetzt haben
Hollywood: Der Skandal um sexuelle Übergriffe weitet sich immer mehr aus.
Der Hollywood-Produzent Harvey Weinstein soll zahlreiche Schauspielerinnen sexuell belästigt oder gar vergewaltigt haben. Wie nun bekannt wurde, soll Weinstein private Sicherheitsfirmen auf seine mutmaßlichen Opfer angesetzt haben, um diese unter Druck zu setzen.

Der Skandal um den US-Filmproduzenten Harvey Weinstein nimmt kein Ende. Über ein Dutzend Schauspielerinnen bezichtigen den 65-jährigen der Vergewaltigung beziehungsweise des sexuellen Missbrauchs. Die Vorfälle sollen bis in die 1980er Jahre zurückreichen und in Hollywood ein offenes Geheimnis gewesen sein – bis sich vergangenen Oktober erstmals betroffene Frauen an die Öffentlichkeit wandten. Weinstein streitet die Vorwürfe ab, laut ihm sei es nie zu nicht-einvernehmlichen sexuellen Kontakten gekommen.

Wie nun laut einer Recherche des US-Magazins The New Yorker bekannt wurde, soll Weinstein ehemalige Geheimdienstagenten engagiert haben, um über seine mutmaßlichen Opfer Informationen zu sammeln und diese unter Druck zu setzen, damit sie sich nicht an die Öffentlichkeit wenden. Das Blatt spricht von einer „Armee von Spionen“ und beruft sich auf Dokumente und die Aussagen involvierter Personen.
Demzufolge engagierte Weinstein mehrere private Sicherheitsfirmen, darunter die US-Unternehmen Kroll und PSOPS sowie Black Cube.

Der Fall eines Hollywood-Riesen.

Letzteres wird von ehemaligen Offizieren des israelischen Geheimdienstes Mossad geführt. Das Unternehmen, das Filialen in Tel Aviv, London und Paris unterhält, bietet seinen Kunden laut eigener Beschreibung die Dienstleistungen „sehr erfahrener und gut ausgebildeter Personen“ an, die zuvor in Israel in Eliteeinheiten des Militärs und den Geheimdiensten des Landes aktiv waren.

Mit falscher Identität auf Tuchfühlung

Zwei Angestellte der Firma sollen sich im Auftrag Weinsteins unter einer falschen Identität mit der Schauspielerin Rose McGowan getroffen haben. Die 44-jährige bezichtig den Filmproduzenten der Vergewaltigung. Eine Black Cube-Mitarbeiterin soll sich dabei unter dem alias „Diana Filip“ als Frauenrechtlerin ausgegeben haben, um das Vertrauen von McGowan zu erlangen. In mindestens vier Fällen soll sie die Gespräche mit der Schauspielerin heimlich mitgeschnitten haben. Bei „Diana Filip“ soll es sich laut dem New Yorker um eine ehemalige Offizierin der israelischen Streitkräfte handeln.

Sie habe sich auch zweimal mit einem Journalisten getroffen und vorgegeben, selbst etwas gegen Weinstein in der Hand zu haben. Sie wollte so offenbar in Erfahrung bringen, welche Frauen mit der Presse reden. Der Journalist wurde allerdings misstrauisch, er beschrieb das Auftreten des angeblichen Opfers als „Seifenopern-Schauspielerei“.

Die Black Cube-Agentin soll zudem versucht haben, ein Treffen mit Ronan Farrow zu arrangieren. Der Journalist hatte vor einem Monat mit einem Artikel für den New Yorker den Skandal ausgeweitet und ist auch für die aktuelle Recherche des Magazins verantwortlich.

Mehr zum Thema -  Warum Hillary Clintons Feminismus beim Hollywood-Mogul Harvey Weinstein ins Wanken geriet

Psychologische Profile über die mutmaßlichen Opfer 

The New Yorker veröffentlichte auf seiner Webseite einen Vertrag zwischen Weinsteins damaligem Anwalt David Boies und Black Cube. Darin wird als ein Ziel festgelegt, „Nachrichtenmaterial bereitzustellen, dass dem Kunden helfen wird, einen negativen Artikel in einer führenden New Yorker Zeitung zu stoppen“. Außerdem sollten die Privatermittler an ein Manuskript eines unveröffentlichten Buchs kommen, in dem „schmerzliche negative Informationen“ enthalten sein sollten.

Zudem soll Weinstein beziehungsweise die von ihm beauftragten Sicherheitsfirmen Journalisten zum Zweck der Informationsgewinnung angeheuert haben. Sowohl McGowan als auch ihre Kollegin Annabella Sciorra, die den Produzenten ebenfalls der Vergewaltigung bezichtigt, wurden von einem freien Journalisten kontaktiert. Dieser stand in Kontakt Black Cube, bestreitet allerdings, Geld angenommen zu haben.

Weinstein soll die Firmen auch damit beauftragt haben, psychologische Profile über seine mutmaßlichen Opfer anzulegen. Dazu schreibt der New Yorker:

Roman Polański auf der Premiere seines Films „D'apres une histoire vraie“, zu Deutsch: Nach einer wahren Geschichte, am 2. Oktober 2017 (Quelle: Reuters)

Im Laufe eines Jahres ließ Weinstein über die Sicherheitsfirmen Informationen über Dutzende Personen sammeln und psychologische Profile erstellen, die sich manchmal auf deren persönliche oder sexuelle Vergangenheit konzentrierten. Weinstein hat den Fortgang der Ermittlungen persönlich überwacht. Er bezog auch ehemalige Mitarbeiter seiner Filmfirmen ein, um Namen zu sammeln und Anrufe zu tätigen, die laut Betroffenen einen einschüchternden Charakter hatten. 

Reaktionen auf die Recherche

Weinsteins Sprecherin Sallie Hofmeister bestritt gegenüber dem US-Magazin die Vorwürfe: „Es ist eine Fiktion, es so hinzustellen, als seien irgendwelche Personen zu irgendeiner Zeit ins Visier genommen oder unterdrückt worden.“

Black Cube wollte sich nicht zu den Details der Recherche äußern. In einer schriftlichen Stellungnahme teilte das Unternehmen mit:

Black Cube unterstützt die Arbeit von vielen führenden Anwaltskanzleien rund um die Welt, besonders in den USA. Die Firma mischt sich nicht ein in Familienstreitigkeiten oder Fälle von sexueller Belästigung. Black Cube hält hohe moralische Standards bei seiner Arbeit ein und agiert in voller Übereinstimmung mit den Gesetzen jeglicher Gerichtsbarkeit, in deren Bereich es tätig ist.

Mehr zum Thema:  Filmproduzenten-Verband schließt Harvey Weinstein wegen Sexskandals für immer aus

Auf Twitter meldeten sich bereits Betroffene der Spionagepraxis zu Wort. So sagte die Schauspielerin Asia Argento:

Warum haben ich, Rose McGowan, Rosanna Arquette und Annabella Sciorra das nicht schon früher ausgesprochen? Wir wurden von Ex-Mossad-Agenten verfolgt. Ist das nicht furchterregend?

Auch Rose McGowan äußerte sich und lobte den Verfasser des New Yorker-Artikels:

Ronan Farrow, deine Worte werden die Hallen der Gerechtigkeit zieren.

(rt deutsch/dpa)