Umprogrammierbare Krebszellen? - Microsoft tritt Wettlauf um Krebsheilung bei

Umprogrammierbare Krebszellen? - Microsoft tritt Wettlauf um Krebsheilung bei
Statistisch gesehen entwickelt jeder dritte Europäer im Laufe seines Lebens Krebs. In Deutschland erkranken etwa 395.000 Menschen jährlich an Krebs, davon rund 195.000 Frauen und 200.000 Männer. Die meisten Fälle treten im Alter von über 60 Jahren auf.
Microsoft nimmt am Wettlauf um die Findung eines Heilmittels für Krebs teil. Die Diversifizierungsstrategie des Unternehmens beinhaltet die Nutzung einiger seiner Ressourcen, um die Diagnose von Krebs zu verbessern und Heilmittel für bestimmte Arten zu finden.

Microsoft will, um dieses Ziel zu erreichen, sein eigenes Bio-Labor in Cambridge, Großbritannien nutzen. Vor kurzem berichtete das Digital Journal, dass Microsoft das Produkt Healthcare NeXT auf den Markt gebracht habe. Dies ist ein Cloud-basiertes Projekt für künstliche Intelligenz und Forschung. Ziel desselben ist es, digitale Tools zu entwickeln, die Menschen zu einem gesünderen Leben ermutigen und Analysen zur Unterstützung der Gesundheitsforschung anbieten.

Watson-System von IBM als Vorbild

Der Denkansatz des biologischen Berechnungslabors von Microsoft ähnele dabei jenem des Watson-Systems von IBM, so PharmaPhorum. Dieses schließt die Nutzung von Fähigkeiten des maschinellen Lernens und der künstlichen Intelligenz ein, wie diese bereits jetzt zur Analyse von komplexen biologischen Daten Anwendung finden. Diese Industrie-4.0-Lösungen stellen einen neuen und potenziell erfolgreichen Beitrag zur Gesundheitsforschung dar.

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Ein Bereich der Forschung, mit dem sich Microsoft dabei schwerpunktmäßig beschäftigt, ist Krebs. Das passt auch mit einem anderen Ansatz zusammen, den das Technologieunternehmen mithilfe eines langjährigen biologischen Forschungsansatzes verfolgt. Dabei betrachten die unternehmenseigenen Forscher solche lebenden Zellen wie Krebsmutationen selbst wie Elemente eines Computers. Das Konzept besteht darin, dass der Krebs als ein "kleiner Defekt" im System angesehen werden sollte und möglicherweise umprogrammiert werden kann.

Erster Etappenerfolg mit dem Bio Model Analyzer

Das Bio-Labor von Microsoft verfügt zurzeit über zwei unterschiedliche Subsysteme, die Forschung betreiben. Der erste Bereich ist die Modellierung der in einer lebenden Zelle ablaufenden rechnerischen Prozesse (traditionell: "Biochemie"'). Die zweite Abteilung ist ein Werkzeug für die Forscher, das ihnen hilft, ihre eigenen computergestützten Modelle biologischer Systeme zu erstellen.

Während eine "Heilung" von Krebs vielleicht kurzfristig noch eine eher ehrgeizige Vision ist, hat sich das Konzept der Computermodellierung bereits auf breiterer Ebene in der Fachwelt durchgesetzt. Dies ist vor allem im zweiten Forschungsbereich der Fall. Dort gelang es, ein Computersystem zu entwickeln, das den Namen "Bio Model Analyzer" trägt.

In Forschungsversuchen hat das System zelluläre Signalwege aufgezeigt und erfolgreich die Zellstabilisierung bestimmt. Führende Pharmaunternehmen wie AstraZeneca haben das System übernommen, nachdem dieses die Wechselwirkungen von Medikamenten und Resistenzmechanismen gegen chronische myeloische Leukämie untersucht hatte.

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Joe Biden setzt in seinem Projekt auf Watson

Jonathan Dry, einer der wichtigsten Wissenschaftler bei AstraZeneca, sagte zu diesem Aspekt der Krebsforschung:

Ich hoffe, dass dies der Anfang der Änderung der Art und Weise ist, wie wir die Entdeckung von Medikamenten vorantreiben können. […] Wir könnten [...] all unsere Ideen in einem System wie diesem testen und die Experimente bestimmen, die die besten Erfolgsaussichten haben.

In ähnlichen Untersuchungen setzt Ex-US-Vizepräsident Joe Biden den Watson-Computer von IBM als Teil seines Moonshot-2020-Projekts ein, das sich zum Ziel gesetzt hat, ein Heilmittel für Krebs zu finden. Sowohl in China als auch in Norwegen wird derzeit dazu geforscht.