Weihnachtsgeschenk für betuchte Salonrevolutionäre: Die Luxus-Antifa-Jacke

Weihnachtsgeschenk für betuchte Salonrevolutionäre: Die Luxus-Antifa-Jacke
Ohne Moos nix los - gilt jetzt auch für modebewusste Revoluzzer.
Jeder Protestaktion ihr T-Shirt – und nun jeder Revolution ihre Designerjacke. Das New Yorker Luxuskaufhaus Barneys hat das passende Weihnachtspräsent für solvente Revolutionsfetischisten: eine Anarchojacke im Militärlook und fertig aufgedruckten Parolen. Hipster aller Länder, vereinigt Euch!

von Timo Kirez

Popularisierung und Kommerzialisierung machen auch vor dem Anarchismus keinen Halt. Den Beleg dafür liefert das New Yorker Luxuskaufhaus Barneys mit seiner sogenannten Anarchojacke. Während die praktischerweise schon fertig aufgedruckten Sponti-Sprüche, wie z. B. "Sie versuchen uns zu begraben, sie wissen nicht, dass wir Samen sind" entfernt an Klassenkampf erinnern, folgt beim Preis schnell die kapitalistische Desillusion – stolze 375 US-Dollar muss man für die modische Revolte auf den Tisch legen.

Da gewinnt die Marxsche Begrifflichkeit des "Warenfetisch" eine weitere, stoffliche Dimension hinzu. In seinem Hauptwerk "Das Kapital" schrieb Marx, dass man von einem "Warenfetisch" sprechen kann, wenn einer Ware Eigenschaften zugeschrieben werden, die sie von Natur aus nicht besitzt. Schockieren dürfte die Freunde des antifaschistischen Widerstands, die nicht selten auch Freunde des antiimperialistischen Widerstands sind, eine weitere Eigenschaft dieser kostspieligen Revolte: Sie stammt von einem Unternehmen, das seine ersten US-Dollar mit Aufträgen der US-Army verdiente.

Angelyn Fernandez, Vizepräsidentin der Herstellerfirma Alpha Industries, sagte in einer Mail an das Online-Magazin "The Daily Dot", dass die Inspiration hinter der Jacke "Selbstausdruck" sei. Das klingt auf Englisch natürlich schöner und weniger nach Laserdrucker: "self-expression".

Wir haben erlebt, dass Widerstand gegen Macht und Autorität zu einem Trend in unserer heutigen Popkultur und Gesellschaft geworden ist, der oft durch Mode zum Ausdruck gebracht wird", schreibt Fernandez.

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Seit 1965 seien zum Beispiel die M65-Feldjacken der US-Armee ein beliebtes Mittel, um die eigene Meinung für alle sichtbar auszudrücken. Barneys habe die Anarchojacke entwickelt, um die künstlerischen und visuellen Ausdrucksformen der Individualität zu vereinen. Wie individuell eine vorbedruckte Anarchojacke ist, sei einmal dahingestellt. Aber wer ein echtes "Fashion Victim" sein möchte, wird sich vermutlich wegen derlei dialektischen Widersprüchen nicht ins Hemd machen.

Überlassen wir in diesem Zusammenhang das letzte Wort lieber der britischen Modedesignerin und Punkveteranin Vivienne Westwood:

Was die Jugend braucht, ist Disziplin und ein voller Bücherschrank."