Frankreich: 20.000 Hassbotschaften in wenigen Stunden – Feministische Hotline stellt Dienst ein

Frankreich: 20.000 Hassbotschaften in wenigen Stunden – Feministische Hotline stellt Dienst ein
Feministinnen während des sogenannten "SlutWalks", einer feministischen Demonstration in Brüssel.
Französische Feministinnen hatten eine Telefonnummer gegen Belästigung eingerichtet. Wegen einer nicht abreißenden Welle an beleidigenden Nachrichten kündigten sie jedoch am Dienstag an, dass sie bereits nach drei Tagen gezwungen waren, die Leitung wieder zu schließen.

Die Aktivisten Clara Gonzales und Elliot Lepers lancierten am Freitag den "Anti-Relou" (Anti-Ärger) Handy-Service, der Frauen dazu ermutigen sollte, statt ihrer eigenen Telefonnummer die der Organisation an Männer zu geben, die sich als besonders aggressiv herausstellen.

Wenn ein Mann sich weigerte, ein "Nein" als Antwort zu akzeptieren, und dann die falsche Nummer per SMS kontaktierte, erhielt er eine automatische Antwort mit dem Wortlaut: "Wenn eine Frau nein sagt, ist es sinnlos, darauf zu bestehen."

Gonzales und Lepers sagten, dass sie den Service am Montag wieder schlossen, da mehr als 20.000 beleidigende Mitteilungen innerhalb weniger Stunden eingetroffen seien. Die Organisatoren erhielten auch auf Twitter eine Flut von Hassbotschaften, einschließlich Morddrohungen.  

Filmproduzent Harvey Weinstein im Jahr 1998 mit Schauspielerin Gwyneth Paltrow und Hillary Clinton in New York.

"Wir waren die Opfer eines koordinierten Angriffs gegen den Dienst und einer persönlichen Belästigungskampagne gegen uns", schrieben Gonzales und Lepers in einer Erklärung.

Wir werden versuchen, einen ähnlichen Dienst so schnell wie möglich zu reaktivieren.

Sie fügten hinzu: "Vor allem wollen wir eine Reaktion der Regierung, die den Erwartungen entspricht, die die gesamte Gesellschaft in den letzten Wochen hinsichtlich der Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen geäußert hat.“

Die Troll-Kampagne kommt inmitten eines globalen Medienaufschreis rund um den Harvey Weinstein-Skandal in den USA. Die französische Initiative hat sich von einer ähnlichen Telefonnummer inspirieren lassen, die von der US-amerikanischen feministischen Popkultur-Website „The Mary Sue“ eingerichtet wurde, nachdem sie gegen Weinstein und Millionen anderer Männer in der ganzen Welt klagt.

Gonzales und Lepers sagten, dass die Kampagne gegen sie über ein berüchtigtes Jugendforum auf der Website jeuxvideo.com organisiert wurde - ein französisches Äquivalent zum englischsprachigen Message Board 4chan, einem Knotenpunkt für junge Internet-Trolle.