Facebook bestreitet das Abhören von Gesprächen zu Werbezwecken

Facebook bestreitet das Abhören von Gesprächen zu Werbezwecken
Hört Facebook zu - oder ist alles nur Einbildung?
Der Vizepräsident der Werbeabteilung von Facebook, Rob Goldman, hat bestritten, dass Facebook über Mikrofonfunktionen Gespräche mithört. Zahlreiche Nutzer meinten, sie hätten Werbung zu sehen bekommen, die auf kurz zuvor geführte Gespräche zurückgehe.

Wie die BBC berichtet, hat ein Verantwortlicher bei Facebook den Vorwurf zurückgewiesen, das Social-Media-Netzwerk würde Gespräche von Nutzern "mithören" und anschließend entsprechende Werbung platzieren. Rob Goldman, der Vize-Präsident des Technologie-Giganten, reagierte damit auf einen Tweet von P. J. Vogt, dem Moderator des Podcasts "Reply All".

Der Verdacht war aufgekommen, da zahlreiche Nutzer eine Verbindung zwischen Werbeanzeigen, die ihnen gezeigt werden, und Gesprächen herstellten, die sie zuvor geführt hatten.

P. J. Vogt hatte um Aufklärung zu den Vorwürfen gebeten. Goldman reagierte per Twitter und schrieb:

Ich betreue Werbung auf Facebook. Wir nutzen nicht, und haben nie, Mikrofone für Werbung benutzt. Einfach nicht wahr", schrieb Goldman.

Auch als ein anderer Twitter-Nutzer ihn fragte, ob er das auch für Instagram bestätigen könne, das ebenfalls zu Facebook gehört, antwortete Goldman mit "Ja". P. J. Vogt erhielt auf seinen ursprünglichen Tweet Hunderte von Antworten.

Ein Kollege bekam eine Anzeige, in der stand: 'Also hast du die Frage gestellt?!' - nur Minuten, nachdem er seiner Verlobten einen Heiratsantrag gemacht hatte, und noch bevor er irgendjemandem davon erzählt hatte", schrieb Tori Hoover.

Und Brigitte Bonasoro schrieb:

Bei der Arbeit passierte es mir Anfang des Jahres: Ich arbeitete als Barista, zog mir eine Verbrennung zu, sprach persönlich mit einem Kollegen darüber, ging dann zu Target und kaufte eine Salbe gegen Verbrennungen. Anschließend sah ich dann eine Werbung genau für dieses Produkt. Ich habe nie nach diesem oder einem ähnlichen Produkt [im Internet] gesucht.

Laut Facebook wird aber nur Werbung angezeigt, "[…] die auf den Interessen von Personen und anderen Profilinformationen basiert - nicht auf dem, worüber sie lautstark sprechen".

Eine weitere Theorie geht davon aus, dass die Anzeigen und ihre Verbindung rein zufällig sind. Eventuell sei die gleiche Anzeige schon einmal sichtbar gewesen, sei aber nicht wahrgenommen worden, weil sie zu diesem Zeitpunkt keine Relevanz hatte.

Gibt die Gestaltpsychologie eine Antwort?

Eine für einen Wissenschaftler recht obskure Erklärung für dieses Phänomen gab der Mathematik-Professor David Hand vom Imperial College in London. Auf die Frage der BBC, ob Smartphones Gespräche abhören würden, antwortete der Mathematiker:

Wenn etwas eine winzige Chance hat, zu geschehen, wird es unvermeidlich passieren", so Hand. Denn: "Wir sind evolutionär dafür entwickelt, Erklärungen zu suchen."

Worauf er vermutlich damit anspielt, ist das Bedürfnis von Organismen nach Berechenbarkeit. Laut dem Verhaltensforscher Irenäus Eibl-Eibesfeldt sind die Sinnesorgane und das Zentralnervensystem des Menschen als Resultat einer stammesgeschichtlichen Entwicklung so programmiert, dass sie in der Lage sind, Regelmäßigkeiten und damit Ordnung zu erkennen.

In diesem Zusammenhang spricht der Gestaltpsychologe Wolfgang Metzger auch von einer "Ordnungsliebe der Sinne". Muster zu erkennen und permanent nach ihnen Ausschau zu halten, ist demnach elementarer Bestandteil unseres Wahrnehmungsapparats.