Stiftung: Deutscher ICE mit Namen "Anne Frank" könnte verletzend sein 

Stiftung: Deutscher ICE mit Namen "Anne Frank" könnte verletzend sein 
(Symbolbild) Die Bahn will ihre neuen ICE-4-Züge nach historisch bedeutenden Persönlichkeiten benennen.
Die Anne-Frank-Stiftung in Amsterdam hat Bedenken gegen die Idee geäußert, einen deutschen ICE-Zug nach der von den Nazis ermordeten Anne Frank zu benennen. Dies könne für Menschen, die die Deportation miterlebt haben, schmerzlich sein.

"Die Namensgebung führt zu Kontroversen, und das verstehen wir gut", heißt es in einer Erklärung der Stiftung vom Montag. Die Verbindung von Anne Frank und einem Zug führe zu Assoziationen mit den Juden-Deportationen während des Zweiten Weltkriegs.

Diese Verbindung ist schmerzlich für Menschen, die die Deportationen miterlebt haben und verursacht neuen Schmerz bei jenen, die mit den Folgen der Deportationen leben müssen",

erklärte die Stiftung.

Aber wir realisieren auch, dass Initiativen wie diese meist mit guten Absichten geschehen.

Auch die Anne-Frank-Bildungsstätte in Frankfurt am Main äußerte sich skeptisch. "Wir sehen das sehr ambivalent", sagte Meron Mendel, der Direktor der Einrichtung, der Deutschen Presse-Agentur. Sie als Namensgeberin zu verwenden, sei grundsätzlich positiv. Es dürfe aber nicht vergessen werden, dass Anne Frank wie Millionen anderer europäischer Juden in Zügen der Reichsbahn deportiert worden sei.

Die Spieler von Lazio Rom liefen mit einem Bild von Anne Frank aufs Feld. Der Club aus Rom leidet unter seinem Image als

Karl Marx und Konrad Adenauer als weitere mögliche Namenspatrone

Die Bahn will ihre neuen ICE-4-Züge nach bedeutenden historischen Persönlichkeiten benennen. Unter den angedachten Namen sind neben Anne Frank auch der frühere Bundeskanzler Konrad Adenauer, die NS-Widerstandskämpfer Geschwister Scholl, der Autor Erich Kästner oder der Theologe Dietrich Bonhoeffer. Sogar der kontroverse Philosoph Karl Marx ist einem Bericht des Onlineportals "Mein Krefeld" zufolge als potenzieller Namensgeber für einen ICE im Gespräch. Ziel sei es, "diese Persönlichkeiten zu ehren und die Erinnerung an sie wachzuhalten", erklärte die Bahn. Der Name Anne Frank sei einer der meistgenannten unter den eingereichten Vorschlägen gewesen.

Die niederländische Jüdin Anne Frank lebte von 1942 bis 1944 mit ihrer Familie an der Amsterdamer Prinsengracht 263 im Versteck vor den Nationalsozialisten und schrieb dort auch ihr weltberühmtes Tagebuch. Die Untergetauchten wurden 1944 verraten und in Konzentrationslager deportiert. Anne starb im Frühjahr 1945 im Alter von 15 Jahren in Bergen-Belsen.

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(rt deutsch/dpa)