Halloween und Horrorfilme - was bei Gruseln und Furcht in unserem Gehirn passiert

Halloween und Horrorfilme - was bei Gruseln und Furcht in unserem Gehirn passiert
Angst kann Spaß machen - aber nur, wenn man Zuschauer ist.
Gespenstergeschichten am Lagerfeuer haben ihren besonderen Reiz. Auch Horrorfilme üben auf viele eine Faszination aus. Sie machen Angst, sind aber nicht wirklich gefährlich - und wir wissen das. Ein kleiner Einblick in unsere "Angstzentrale".

Am Dienstag, dem 31. Oktober, ist es wieder soweit: Halloween steht an. Unheimliche Clowns, Vampire und Zombies, ebenso wie neue Grusel- und Katastrophenfilme. Für die einen lästig, für die anderen ein wohliger Schauer. Aber was passiert eigentlich im Gehirn, wenn man sich gruselt? Ein Blick "unter die Schädeldecke" gibt uns Auskunft über unsere Gefühle und Wahrnehmungen.

Amygdala lässt uns schnell und instinktiv auf mögliche Bedrohungen reagieren

Da wäre zum einen das Angstzentrum: Ein markerschütternder Schrei, ein heranfliegender Stein - Menschen reagieren instinktiv auf mögliche Bedrohungen, ducken sich weg, schützen den Kopf mit ihren Armen. Ganz automatisch. Hierbei hilft die Amygdala, das aus einem Bündel Neuronen bestehende, mandelförmige Angstzentrum über dem Stammhirn. Sofort nach dem Eintreffen der sensorischen Reize im Thalamus gelangen diese an die Amygdala und werden von dort aus weitergeleitet - und das auf zweierlei Wegen.

Der schnellere der beiden Wege funktioniert wie der Bewegungsmelder einer Alarmanlage und setzt spontan Reaktionen im ganzen Körper in Gang. Erstarren, Fliehen oder Kämpfen sind die Optionen, die je nach Bedrohung erfolgen. Und zwar noch bevor beispielsweise der heranfliegende Stein genau identifiziert wird. Das Signal der Sinnesreize gelangt aber auch über einen um Sekundenbruchteile langsameren "Umweg" zum sensorischen Kortex. Dieser Hirnbereich verschafft ein einordnendes, klareres Bild über die potenzielle Bedrohung - und verstärkt dann die Abwehrreaktion oder entlarvt sie als Fehlalarm.

Dabei betont der US-amerikanischer Psychologe und Neurowissenschaftler Joseph LeDoux, Angst beim Menschen sei mehr als das Empfinden von Bedrohung.

Angst ist ein Konzept, nicht ein 'Ding' im Gehirn", so LeDoux.

Zum anderen drückt sich Angst auch auf chemische Weise aus. Die Erwartung, dass uns Schlimmes zustoßen kann, setzt eine chemische Kettenreaktion in Gang. Vor allem über den Botenstoff Glutamat werden Alarmsignale in andere Hirnteile wie den Hypothalamus und dann in den Körper gestreut. Das Nebennierenmark stößt große Mengen des aufputschenden Stresshormons Adrenalin aus, der Blutzuckerspiegel steigt, das Herz schlägt schneller und - wer kennt es nicht? - die Handinnenflächen werden feucht.

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Das Erhabene als ästhetische Erfahrung

Bleibt das Schlimmste dann aber aus, strömt das beruhigende Wohlfühlhormon Endorphin durch den Körper. Dieser Hormonmix ist es wohl auch, den viele Menschen am Grusel-Erlebnis mögen dürften - denn er kann selbst bei der Gespensterstory vor dem Kamin einsetzen. Übrigens ein Gedanke, der auch schon die großen Philosophen beschäftigt hat. Für sie war der "Horror" nur ein Hinweis auf das "Erhabene".

So schrieb der irisch-britische Staatsphilosoph und Politiker Edmund Burke schon im 18. Jahrhundert, dass das Erhabene eine ästhetische Erfahrung ist, die größer ist als man selbst. Kant schrieb, dass das Erhabene einen zwar überwältigt, aber es einem auch gleichzeitig die Erfahrung vermitteln kann, dass man sich geistig über das Erhabene erheben kann – doch dafür bedarf es allerdings der Distanz.

Ein Freddy Krüger ist eben nur dann genießbar, wenn man ihm im Kino begegnet und nicht nachts auf dem Heimweg. Dass man mit Horror auch Schabernack betreiben kann, belegt dieses Beispiel. So real die Videoaufnahmen auch scheinen mögen, in Wahrheit handelt es sich um Spezialeffekte, die die Anlagenbetreiber dem Glasabschnitt dieser Brücke zugefügt haben: 

(rt deutsch/dpa)