Stonehenge-Erbauer hüteten Tiere aus Schottland für üppige neolithische Feste

Stonehenge-Erbauer hüteten Tiere aus Schottland für üppige neolithische Feste
Die antiken Architekten, die den Stonehenge erbauten, holten Tiere sogar aus Schottland, um diese bei üppigen Ritualen zur Mittwinterzeit zu verzehren. Zu diesem Schluss kommen Forscher, die eine Analyse von Zähnen und Knochen von Tieren in der Nähe des Steinkreises durchführten.

Die Ergebnisse wurden von der Wohltätigkeitsorganisation "English Heritage" anlässlich der Eröffnung einer Ausstellung im Stonehenge-Museum in Wiltshire mit dem Titel "Schmaus! Nahrung beim Stonehenge" (orig. "Feast! Food at Stonehenge") enthüllt. Ausrangierte Tierzähne und Knochen, die an der Stelle ausgegraben wurden, deuten darauf hin, dass Kühe und Schweine hunderte von Kilometern entlang der alten Zufahrtswege nach Stonehenge getrieben und möglicherweise sogar per Boot nach Südengland gebracht wurden.

Die Enthüllung könnte bedeuten, dass Stonehenge kein typisches Dorf im Jahre 2500 v. Chr., sondern ein Ort der Pilgerfahrt war, an dem Festmahle und Feierlichkeiten durchgeführt wurden, so die Forscher des University College London (UCL) und der Universitäten von York, Cardiff und Sheffield.

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Wissenschaftler untersuchten rund 38.000 Knochen und Zähne, die an der Stelle eines neolithischen Dorfes namens Durrington Wells entdeckt wurden, das etwa anderthalb Meilen nördlich des Hauptsteinrings liegt. Rund 90 Prozent davon stammten von Schweinen, die restlichen zehn Prozent von Rindern.

Durrington Wells wurde nur für 50 bis 100 Jahre besiedelt, aber es wird angenommen, dass es die Menschen beherbergt hat, die Stonehenge gebaut haben. Die englische Historikerin Susan Greaney sagte gegenüber dem Guardian:

Diese Untersuchung zeigt, dass die Menschen überall in Großbritannien Rinder und Schweine züchteten und nach Stonehenge brachten. Das bedeutet, dass die Leute den Steinkreis überall im Land kannten. Es ist unglaublich, wie groß das Einzugsgebiet von Stonehenge war. Diejenigen, die aus Nordostschottland kamen, reisten wahrscheinlich per Boot an. Vielleicht musste jede Gemeinde ihr eigenes Schwein mitbringen.

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Das Alter der geschlachteten Schweine lässt sich aus dem Grad der Abnutzung der Zähne ableiten.

Sie wurden meistens im Alter von neun Monaten geschlachtet. Normalerweise wurden sie im Frühling geboren, also macht es Sinn, dass sie mitten im Winter getötet wurden. Die Mittwintersonnenwende ist im Grundriss von Stonehenge verankert, so dass vielleicht Menschen zur Sonnenwende kamen", erläuterte Greaney und fügte hinzu: "Das wäre auch sinnvoll, weil es eine Zeit des Jahres ist, in der sie weniger damit beschäftigt gewesen waren, Tiere zu züchten."

Einige der Schweinezähne waren verfault, was darauf hindeutet, dass die Tiere mit Honig oder Getreide gemästet wurden. Ihre Füße und Unterschenkel hatten Brandflecken, was vermutlich ein Zeichen dafür ist, dass sie über offenen Feuern gebraten wurden. Rindfleisch wurde möglicherweise in Stücke geschnitten und ist in Eintöpfen gekocht worden.

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Die Tatsache, dass die Tierüberreste ohne Knochenbrüche gefunden wurden, deutet darauf hin, dass die prähistorischen Konsumenten nicht darauf bedacht waren, jedes bisschen Nahrung aus dem Fleisch zu quetschen.

"Sie lebten nicht von der Hand in den Mund, sondern es waren gefräßige Exzesse", betonte die Historikerin.

In der Ausstellung sind unter anderem der Schädel eines Auerochsen, einer heute ausgestorbenen wilden Kuh mit riesigen geschwungenen Hörnern, die einst in Großbritannien umherwanderte, sowie ein Bronzekessel aus dem Jahr 700 v. Chr., der auf dem Grund eines Sees in Südwales gefunden wurde, zu sehen.