"Vermeide Wasser": PepsiCo zahlt Strafe an Kalifornien wegen negativer Beeinflussung von Kindern

"Vermeide Wasser": PepsiCo zahlt Strafe an Kalifornien wegen negativer Beeinflussung von Kindern
Kostenlose Werbemaßnahme: Mittlerweile gehört es in den USA zur Tradition, den Sieg bei einem wichtigen Footballspiel mit einer "Gatorade-Dusche" zu zelebrieren.
Das Computerspiel der Marke Gatorade des Getränkeherstellers PepsiCo gab Gamern eine klare Botschaft mit auf den Weg: Wasser ist schlecht für deine Leistung! Ein kalifornischer Staatsanwalt sah darin eine gesundheitsgefährdende Irreführung und erhob Anklage.
Eine Zeitachse der menschlichen Evolution mit lebensgroßen Statuen unserer Vorfahren wird im Neandertaler-Museum der nordkroatischen Stadt Krapina gezeigt.

"Softdrinks statt Wasser!" – diese Devise nahmen sich die leicht verblödeten Protagonisten der dystopischen, von bösen Zungen gerne als "Voraus-Dokumentation" bezeichneten Filmgroteske "Idiocracy" zu Herzen. Sie kippten dementsprechend nicht nur Unmengen der gezuckerten Getränke in sich hinein, sie wässerten gar die landwirtschaftlichen Flächen mit dem Inhalt der Sporterfrischungsgetränke. Die Folge waren Ernteausfälle und hungernde Menschen.

In der Realität ist es jedoch keine Unterernährung, die vielen Menschen in den USA die Gesundheit raubt: In den Vereinigten Staaten sind laut dem Gesundheitsministerium mindestens 17 Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen 2 und 19 Jahren adipös, also krankhaft übergewichtig.

Ein Grund für die steigende Zahl übergewichtiger Menschen in den USA ist auch die mangelnde Aufklärung über eine gesunde Ernährungsweise. Die Sportgetränkemarke Gatorade von PepsiCo hatte dabei ihren eigenen Beitrag zur ernährungsphysiologischen Unmündigkeit in Form eines Computerspiels geleistet.

In dem für Handys ausgelegten Spiel namens "Bolt!" lenkt der User den jamaikanischen Rekordsprinter Usain Bolt. Gibt der Spieler darin dem Läufer Gatorade zu trinken, erhöht sich dessen Energielevel. Dieser sinkt jedoch, sobald Bolt Wasser zu trinken bekommt. Das Spiel empfiehlt: "Halte dein Leistungsniveau hoch und vermeide Wasser."

Screenshot aus dem Gatorade-Spiel "Bolt!"

Zum Schutz der Kinder: Staatsanwalt schreitet ein

Der kalifornische Staatsanwalt Xavier Becerra sah darin jedoch eine unverantwortliche Beeinflussung von Kindern und Jugendlichen, die aufgrund ihres mangelnden Wissens über gesunde Ernährungsgrundlagen für solche Botschaften besonders empfänglich sind.

Irreführende Aussagen zu treffen stellt eine Verletzung des kalifornischen Rechts dar. Aber irreführende Aussagen zu treffen, die auf unsere Kinder abzielen, sind mehr als nur ungesetzlich, sie sind moralisch falsch und stellen einen Vertrauensbruch dar", zitiert Associated Press den Staatsanwalt.

Um eine Klage abzuwenden, einigte sich PepsiCo mit dem Staat Kalifornien vor zwei Wochen auf die Zahlung eines Bußgeldes in Höhe von 300.000 US-Dollar. Zudem nahm das Unternehmen inzwischen das Computerspiel vom Markt, das weltweit rund 2,3 Millionen Mal heruntergeladen wurde. PepsiCo verpflichtete sich darüber hinaus, Wasser als Flüssigkeitslieferanten zukünftig nicht mehr herabzusetzen.

Aufgrund ihres Elektrolytgehalts gelten Getränke wie Gatorade als leistungssteigernd. Der hohe Zuckeranteil in den Drinks wird von Gesundheitsorganisationen jedoch als kritisch bewertet, da ein hoher Konsum dieser Substanzen Fettleibigkeit fördert. Die American Academy of Pediatrics, in der die meisten US-Kinderärzte organisiert sind, empfiehlt Kindern und Heranwachsenden zur Aufrechterhaltung der Leistung ausdrücklich Wasser und keine Sport- oder Energydrinks.

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