USA: Feuerwehrmann gefeuert – weil er eine Wassermelone als Einstandsgeschenk mitbrachte

USA: Feuerwehrmann gefeuert – weil er eine Wassermelone als Einstandsgeschenk mitbrachte
Die Frucht des Anstoßes: Eine riesige Wassermelone mir rosa Schleife.
Ein neuer Mitarbeiter sollte Ende September seinen Dienst bei der Feuerwehr in Detroit antreten. Als Einstandsgeschenk brachte Pattison eine Wassermelone mit – und wurde gleich wieder gefeuert. In den USA sind Wassermelonen in Zusammenhang mit Afroamerikanern als rassistisch konnotiert.

Der 41-jährige Robert Pattison aus Fenton sollte Ende September seinen Dienst bei der Feuerwache 55 in Detroit antreten. Die Tradition verlangt dort, dass ein neuer Mitarbeiter mit einem Geschenk aufwartet – Pattison brachte eine Wassermelone mit. Und durfte gleich wieder seinen Spind räumen. In den USA sind Wassermelonen in Zusammenhang mit Afroamerikanern als rassistisch konnotiert.

Laut dem Leiter der Feuerwache 55 in Detroit, Shawn McCarty, sei die Tradition mit dem Einstandsgeschenk eine freiwillige Angelegenheit. "Es ist nicht zwingend, es ist freiwillig", sagte er gegenüber US-Medien:

Du kommst und bringst ein Geschenk mit. Das übliche Geschenk sind Donuts, aber du darfst mitbringen, was immer du willst."

Doch Pattison bewies offenbar kein ausgeprägtes Fingerspitzengefühl bei seiner Wahl. Die Wassermelone, die er mit einer rosa Schleife verziert hatte, stieß bei den afroamerikanischen Kollegen auf der Feuerwache auf großes Unverständnis. Und immerhin machen die afroamerikanischen Kollegen 90 Prozent der Feuerwehrmänner auf der Wache aus. Was Pattison offenbar nicht wußte: Wassermelonen gelten in der Ikonographie des Rassismus in den Vereinigten Staaten bereits seit dem 19. Jahrhundert als wichtiges Symbol.

Die stereotype Assoziierung von Afroamerikanern und Wassermelonen geht auf die Zeit der Sklaverei in den USA zurück. Verteidiger der Sklaverei benutzten die Frucht, um Afroamerikaner als einfältige Leute darzustellen, die schon glücklich waren, wenn sie Wassermelonen und eine kleine Arbeitspause zur Verfügung hatten.

Postkarte aus dem Jahr 1909 in den USA. Untertitel: "Ich bin so glücklich."

Der Stereotyp wurde in Varietés und Theaterstücken, den sogenannten "Minstrel Shows", in denen Weiße mit schwarz gefärbten Gesichtern klischeehaft Schwarze darstellten, oft aufgenommen. Häufig war der Tenor: Die arbeitsscheuen Afroamerikaner, die total in Wassermelonen vernarrt sind.

Indianapolis Colts Spieler knien während der Nationalhymne, Lucas Oil Stadium, USA, 24. September 2017.

Noch lange Zeit nach Abschaffung der Sklaverei wurde dieses Bild in Karikaturen, Film, Skulpturen und Musik weiter genährt. Selbst Gegner des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama verwendeten dieses Klischee während seiner ersten Präsidentschaftskandidatur 2008 gegen ihn. Der Chef-Kommissar der Detroiter Feuerwehr Eric Jones sagte gegenüber US-Medien:

Innerhalb der Detroiter Feuerwehr gibt es keine Toleranz für diskriminierendes Verhalten. Am Samstag, dem 30. September 2017, in der Feuerwache 55, zeigte ein Probefeuerwehrmann ein unbefriedigendes Arbeitsverhalten, das als beleidigend und rassistisch und als unsensibel gegenüber den Mitgliedern der Detroit-Feuerwehr betrachtet wurde. Nach einer gründlichen Untersuchung wurde festgestellt, dass die beste Vorgehensweise darin bestand, das Arbeitsverhältnis dieses Probearbeitnehmers zu beenden.

In einem Telefonat mit dem US-amerikanischen Sender Fox 2 sagte der Betroffene Pattison, er habe weder einen Witz machen noch seine Kollegen beleidigen wollen. Hätte er übrigens eine Portion Hühnchen mitgebracht, wäre ihm vermutlich dasselbe Schicksal wieder zuteil geworden. Auch Hühnchen gelten in der langen Geschichte der Afroamerikaner in den USA als ein rassistischer Stereotyp. Nur Donuts scheinen über jeden Verdacht erhaben zu sein.