Studie: 75 Prozent des weltweiten Honigs enthalten Pestizide

Studie: 75 Prozent des weltweiten Honigs enthalten Pestizide
Imkern zufolge haben 50 Prozent der Bienenvölker den Winter 2016/2017 nicht überlebt. Gründe seien intensive Landwirtschaft, das Fehlen von Streuobstwiesen und Hecken sowie der massive Einsatz von Pestiziden.
Laut einer Schweizer Studie sind drei Viertel des weltweiten Honigs kontaminiert. Sie sollen Neonicotinoide enthalten. Die Pestizide gelangen demnach über den von Bienen gesammelten Pollen und Nektar in den Honig. Für den Menschen ist dies offenbar nicht akut gesundheitsschädlich – für die Bienen jedoch fatal.

Die Studie erschien im Fachmagazin Science. Die Forscher weisen darin nach, dass viele Proben sogar mit gleich mehreren dieser Pestizide verunreinigt waren. Neonicotinoide sind die weltweit am häufigsten eingesetzten Insektenbekämpfungsmittel. Rund ein Drittel der Landwirtschaftsflächen werden mit diesen Pestiziden behandelt. Jedoch mehren sich inzwischen die Hinweise darauf, dass Neonicotinoide für Honigbienen, Hummeln und weitere nützliche Insekten schädlich sind.

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Die Pestizide beeinträchtigen unter anderem deren Orientierungssinn, wirken offenbar wie eine Droge und machen Wespen geruchsblind. Die Neonicotinoide stehen daher seit einigen Jahren im Verdacht, mitverantwortlich am weltweiten Bienensterben zu sein. Doch auch der Mensch wird scheinbar in Mitleidenschaft gezogen. Mit dem Honig aus mit Neonicotinoiden verseuchten Pollen und Nektar gelangt das Pestizid auch in die menschliche Nahrungskette. Wie groß die Belastung des Honigs mit Neonicotinoiden ist, haben nun Edward Mitchell von der Universität von Neuchâtel in der Schweiz und seine Kollegen erstmals weltweit untersucht.

Für die Studie sammelten sie im Rahmen eines weltweiten Citizen-Science-Projekts 198 Honigproben von allen Kontinenten außer der Antarktis. Sie analysierten alle Proben auf ihren Gehalt an fünf gängigen Neonicotinoiden: Acetamiprid, Clothianidin, Imidacloprid, Thiacloprid und Thiamethoxam. Danach sind drei Viertel der Honige betroffen.

75 Prozent der Honigproben enthielten messbare Mengen von mindestens einem Neonicotinoid,

erklärten Mitchell und seine Kollegen. Am höchsten war der Anteil verseuchter Proben dabei in Nordamerika mit 86 Prozent und Asien mit 80 Prozent. Aber auch in Europa waren 79 Prozent aller Honigproben mit Neonicotinoiden kontaminiert. 

Dieses Resultat bestätigt, dass Honigbienen inzwischen weltweit durch Neonicotinoide in ihrem Futter belastet sind,

stellen die Forscher fest. Dabei beschränkt sich die Belastung meist nicht nur auf eines dieser Pestizide. Stattdessen nehmen die Bienen häufig einen ganzen Cocktail an Neonicotinoiden auf, wie die Proben belegen. In 45 Prozent der Honige fanden die Forscher mindestens zwei Neonicotinoid-Arten, in zehn Prozent der Proben waren sogar vier bis fünf verschiedene Neonicotinoide nachweisbar.

Für den Menschen ist die Höhe der Kontamination vorerst nicht schädlich, wie die Wissenschaftler betonen. Mit Konzentrationen von im Mittel 1,8 Nanogramm pro Gramm Honig liegen die Werte bei den meisten Proben unter den zulässigen Grenzwerten der EU und der USA. Diese liegen je nach Substanz zwischen 10 und 50 Nanogramm pro Gramm. Bei zwei Honigproben jedoch überschritten die Gesamtwerte aller Neonicotinoide sogar dieses Limit.

Nach bisherigem Kenntnisstand dürfte der Genuss von Honig daher nicht gesundheitsschädlich sein,

erläutert Mitchell. Jedoch weisen gerade in jüngster Zeit Studien darauf hin, dass subtile Effekte der Neonicotinoide auch auf den Hirnstoffwechsel von Säugetieren und auch den Menschen Einfluss haben. "Dies könnte in Zukunft dazu führen, dass die zulässigen Höchstmengen für Neonicotinoide in Lebensmittels neu bewertet werden müssen", so die Forscher.