Russland: Zwist zwischen bekanntem Regisseur Michalkow und dem Stiftungsrat für Kinematographie

Russland: Zwist zwischen bekanntem Regisseur Michalkow und dem Stiftungsrat für Kinematographie
Oscar-Preisträger, Nikita Michalkow bei einem Treffen mit rumänischen Studenten im Nationaltheater in Bukarest, am 15. April 2007
Der russische Ministerpräsident Medwedew schloss per Verfügung den Regisseur Nikita Michalkow aus dem Stiftungsrat des russischen Bundesfonds für Kinematographie aus. Offenbar dreht sich der Streit um die Pressesprecherin Medwedews, Natalia Timakova, die dem Stiftungsrat neu angehört.

Laut der russischen Nachrichten-Agentur Interfax ist der bekannte, russische Filmregisseur Nikita Michalkow aus dem Rat des Bundesfonds der nationalen Kinematographie ausgeschlossen worden. Die Verfügung mit dem klaren Titel "Über die Einführung einer Änderung in der Zusammensetzung des Stiftungsrates des Bundesfonds für soziale und wirtschaftliche Unterstützung der nationalen Kinematographie" wurde vom russischen Ministerpräsidenten, Dimitri Medwedew, rechtskräftig unterzeichnet. 

Schon im August diesen Jahres hatte aber Michalkow seinen Rücktritt bereits angekündigt. Empört über den Neuzugang im Stiftungsrat des Bundesfonds, nämlich Medwedews eigene Pressesprecherin Natalia Timakova, äußerte sich der russische Filmemacher folgendermaßen:

Wenn eine Person in den Rat kommt, die entgegengesetzte, -verzeihen sie mir das Wort- "ideologische" Ansichten vertritt, ist das eine Sache. Wenn eine Person kommt, getrieben von Macht und Ambition, ist es etwas anderes. Ich habe keine Gründe zu bezweifeln, dass Frau Timakova das Filmemachen versteht, und bestimmt versteht sie es. Aber ich habe Gründe davon auszugehen, dass es sich um eine vollkommen entgegengesetzte Position handelt, die mit meiner Ansicht auf das Geschehene unvereinbar ist; auf das was gut ist und was schlecht ist. 

Allem Anschein nach gibt es einen ästhetisch-weltanschaulichen Zwist zwischen dem Regisseur und der Pressesprecherin, der mit dem vom Ministerpräsidenten amtlich unterschriebenen Austritt Michalkows vorerst geschlichtet wurde. Zudem fügte Michalkow kryptisch hinzu:

Probleme beim Bundesfond werden zukünftig per [inoffiziellen] "Telefon-Anruf" und Undercover-Politik geklärt.

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Am 25. September 2017 hat der Geschäftsführer des Bundesfonds Andrei Malyshew erklärt, er verstehe nicht die genauen Gründe für den Rücktritt Michalkows vom Stiftungsrat und sei sich sicher, dass dieser unmöglich zu ersetzen wäre.

Als noch alles gut war: Dmitri Medwedew (l.) und Nikita Michalkow (r.), im Dezember 2010

Nikita Michalkow - der Filmschaffende

Michalkow ist eine sowohl allseits bekannte, als auch kontroverse Figur in der russischen Kultur, insbesondere in der Filmlandschaft. Wegen seiner letzten Werke ist er in Russland selbst oft als "Hof-Regisseur" der Russischen Föderation angesehen worden, da seine Filme einen überhobenen und parteilichen Pathos zu bedienen scheinen.

Zu erfahren und zu lange ist aber der visuelle Geschichtenerzähler im Geschäft, als dass es lediglich bei dieser Einschätzung belassen werden könnte: Mit Filmen wie "Die Sonne, die uns täuscht", zu Russisch: Утомлённые солнцем, für den er 1994 den Großen Preis der Jury in Cannes, sowie den Oscar für den besten fremdsprachigen Film erhielt, hat er sich bleibend in der Kinogeschichte verewigt. Im Jahre 2007 nahm er sich der Neuverfilmung der "Zwölf Geschworenen" (1957) von Sidney Lumet an, in dem er selbst mitspielte und den er unter dem ähnlichen Titel "12" herausbrachte. Für viele gilt dieser Film als der Letzte, der ihm ästhetisch gelang.

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"Die Sonne, die uns täuscht" entschied sich Michalkow mit zwei Fortsetzungen (2010, 2011) zu erweitern, die in Russland kein wohlwollendes Publikum fand. Er begann sein Filmschaffen als Schauspieler Ende der Fünfziger Jahre, erst knapp zehn Jahre später gelang ihm mit "Das Mädchen und die Dinge", zu Russisch "Девочка и вещи", sein Regie-Debüt. Seine Tschechow-Adaption "Unvollendetes Stück für ein mechanisches Klavier", zu Russisch: "Неоконченная пьеса для механического пианино", war sein erster internationaler Erfolg, mit dem er unter anderem auf den Internationalen Filmfestspielen in San Sebastian 1977 den Hauptpreis gewann.