Springer-Konzern warnt Mitarbeiter vor Reisen in die Türkei

Springer-Konzern warnt Mitarbeiter vor Reisen in die Türkei
Demonstranten fordern in Berlin anlässlich des Geburtstags des in der Türkei inhaftierten Journalisten Deniz Yücel mit einem Autokorso dessen Freilassung und die Freilassung aller weiterer dort inhaftierten Journalisten und Menschenrechtler.
Normalerweise sprechen nur Regierungen eine Warnung davor aus, in bestimmte Länder zu reisen. Nun schließt sich der Springer-Konzern an und warnt alle seine Mitarbeiter davor, in die Türkei zu reisen. Ganz ernst meint der Vorstand den Hinweis jedoch nicht.

Dies ist ein Novum in der Geschichte. Der größte deutsche Medienkonzern warnt seine Mitarbeiter davor, in die Türkei zu reisen. Der Personalvorstand der Axel Springer SE, Julian Deutz, schrieb im firmeneigenen Intranet an alle Mitarbeiter des Medienhauses. In seinem Text warnt er eindringlich vor Reisen in die Türkei, wie Meedia berichtet

Springer will weiter "aus und über die Türkei" berichten

Wer derzeit das Land besuche, der begebe sich "in eine unsichere Situation", so Julian Deutz. Die Türkei sei für Springer-Mitarbeiter momentan kein sicheres Reiseland. Das Unternehmen beschäftigte im Jahr 2016 mehr als 16.000 Mitarbeiter. In seinem Schreiben verweist der Personalvorstand ausdrücklich auf das Schicksal von Deniz Yücel. Der "Welt"-Korrespondent sitzt seit mehr als 200 Tagen in einem türkischen Gefängnis.

Der Außenzaun eines Gefängnisses in Istanbul

Dies sei aber nicht der einzige Fall, der das Unternehmen zu dem ungewöhnlichen Schritt veranlasste, betont Deutz:

Wir machen uns auch vor dem Hintergrund der zunehmenden Verhaftungen deutscher Staatsangehöriger in der Türkei Sorgen, zitiert Meedia aus dem Mitarbeiter-Magazin Inside.net.

Allerdings betont der Springer-Manager, dass es derzeit "keine konkreten Hinweise auf eine akute Bedrohung von Mitarbeitern" des Medienhauses gebe. Zudem sollen die Springer-Medien weiter "aus und über die Türkei" berichten. Wie diese Berichterstattung organisiert wird, ohne eigene Korrespondenten zu entsenden, bleibt jedoch ein Geheimnis. 

Gerade jetzt sind kompetente, mutige Journalisten, die aus Krisengebieten berichten, besonders wichtig.

Deutz: "Jeder muss das Risiko selbst abwägen"

Insofern wirkt der ungewöhnliche Schritt eher symbolisch. Der Personalvorstand müsse sicherstellen, dass sich alle Mitarbeiter der Gefahren bewusst sind. Am Ende müsse jeder Journalist selbst die Entscheidung für oder gegen einen Einsatz treffen, relativiert Julian Deutz. Eine "Reisewarnung" durch ein Unternehmen stellt keine amtliche oder gar bindende Anordnung dar. Laut Schätzungen befinden sich in der Türkei gegenwärtig 160 Journalisten im Gefängnis, meist mit der Begründung, es bestehe der Verdacht, diese stünden mit Terrorismus oder dem Putschversuch vom Juli 2016 in Verbindung.

Journalisten fordern sofortige Freilassung von Deniz Yücel (Archivbild)

Gerade erst hatte die türkische Regierung am Samstag eine "Reisewarnung für die Bundesrepublik Deutschland" ausgesprochen. Darin ruft das türkische Außenministerium in Deutschland lebende oder dorthin reisende Türken zur "Vorsicht" auf. Der Schritt wurde allgemein als Antwort auf die Verschärfung der Reisehinweise für die Türkei durch das Auswärtige Amt gewertet.

Das deutsche Außenministerium in Berlin verschärfte in der vergangenen Woche einen Reisehinweis für das Land. Auch in Urlaubsgebieten seien demnach willkürliche Festnahmen möglich. Offizielle Reisewarnungen von deutscher Seite liegen zur Zeit für den Irak, Afghanistan oder auch den Jemen vor.