Einflussagenten und soziale Medien: Saudi-Arabien plant globale PR-Offensive

Einflussagenten und soziale Medien: Saudi-Arabien plant globale PR-Offensive
Ein saudischer Geldwechsler präsentiert Geldnoten des Riyal in einer Wechselstube in Riad, Juli 2017.
Das saudische Königshaus sieht sich nach der Blockade gegen Katar falsch verstanden. Deshalb sollen demnächst PR-Firmen das Image von des Landes verbessern. Außerdem sucht das Ministerium für Öffentlichkeitsarbeit "Social Influencer", um das Image zu glätten.

Das Königreich Saudi-Arabien plant eine Medien-Kampagne in London, Berlin und Paris, damit die Europäer ein besseres Bild von der Golf-Monarchie bekommen. Die Image-Kampagne richtet sich an Europa und Asien. Zukünftig wolle der Öl-Staat die negative Berichterstattung über das Königreich intensiver bekämpfen, berichtet die Financial Times.

Schon in den letzten Jahren hatte es immer wieder Berichte gegeben, wonach offizielle Stellen aus Saudi-Arabien versuchen, über einzelne Journalisten Einfluss auf die öffentliche Meinung im Ausland zu nehmen. Die neue Initiative kommt kurz, nachdem Riad versucht hatte, ein regionales Embargo gegen den Golf-Staat Katar zu erreichen. Zudem sieht sich das Land wegen des verheerenden Krieges im Jemen zunehmend mit Kritik konfrontiert. Seit mehr als zwei Jahren bombardieren saudische Truppen mit Unterstützung durch die USA dort die Huthi-Rebellen - und treffen dabei doch in erster Linie die Zivilbevölkerung.

Muslime beim Betreten der mit saudischen Geldern finanzierten König Fahd-Moschee in Sarajevo

Das saudische Informationsministerium will bereits im September damit beginnen, "Hubs" in London, Berlin, Paris und Moskau einzurichten, so ein Dokument, das der Financial Times vorliegt. Deren Ziel sei es, das "veränderte Gesicht des Königreiches Saudi-Arabien im Rest der Welt zu promoten und die internationale Wahrnehmung des Königreichs zu verbessern", heißt es dort. Die Initiative solle später auf Peking, Tokio, Mumbai und andere große Städte erweitert werden.

"Ungenauen" Berichten gegensteuern

Das streng islamische Königreich bemüht sich seit Jahren darum, sein Bild im Westen zu verbessern. Obwohl westliche Mainstream-Medien bereits jetzt nur äußerst zurückhaltend über die Verbrechen im Jemen-Krieg berichten, finden sich immer wieder kritische Beiträge zum Öl-Staat. Insbesondere US-Medien kritisierten die saudische Führung bereits mehrfach dafür, dass sie weltweit eine extreme Form des Islam fördert. Auch die skandalöse Behandlung von Frauen und Gastarbeitern führt regelmäßig zu Negativ-Schlagzeilen. 

Die geplanten PR-Hubs sollen Pressemitteilungen produzieren, Inhalte auf Social-Media-Plattformen veröffentlichen und "soziale Einflussfaktoren" dazu einladen, das Königreich Saudi-Arabien zu besuchen. Außerdem will das Ministerium verschiedene PR-Firmen damit beauftragen, die "saudische Perspektive auf globale Entwicklungen" darzustellen. Damit will Riad auf Berichte reagieren, die das Königshaus als "negativ" oder "ungenau" bezeichnet. Außerdem soll zukünftig die Verbreitung der saudischen Kultur durch Kunstausstellungen und religiöse Diskussionen gefördert werden.

In den letzten Wochen schlugen vor allem Menschenrechtsorganisationen Alarm. Das Königreich hat in den vergangenen zehn Jahren nicht nur massiv aufgerüstet. Unter dem Kronprinzen Mohammed bin Salman verfolgt Saudi-Arabien zunehmend auch eine interventionistische Außenpolitik. Größte Leidtragende sind zur Zeit die Bevölkerungen in Syrien und dem Jemen. Seit dem Jahr 2012 bewaffnet Saudi-Arabien radikal-islamische Milizen für einen Stellvertreterkrieg gegen die Regierung Assad.

Humanitäre Katastrophe im Jemen

Außerdem führt Riad eine Koalition von sunnitischen Staaten an, um im Jemen seine Marionettenregierung unter Mansur Hadi wieder einzusetzen. Dieser war im Januar 2015 von seinen Ämtern zurückgetreten und lebt seitdem in einem Hotel in der saudischen Hauptstadt Riad. Seit drei Jahren führt Saudi-Arabien inzwischen einen massiven Luftkrieg gegen den Jemen. Zudem hatte Saudi-Arabien eine Seeblockade gegen das Land verhängt. Die UNO bezeichnet die Situation als die zurzeit schlimmste humanitäre Krise der Welt. Millionen Jemeniten sind von der Hungerkatastrophe und einer Cholera-Epidemie bedroht.

Zuletzt hatte Saudi-Arabien im Juni zusammen mit vier weiteren arabischen Staaten ein Embargo gegen Katar verhängt. Der Vorgang, mit dem das Königreich erneut versuchte, die Kontrolle über die gesamte Golfhalbinsel zu erlangen, löste die schlimmste diplomatische Krise am Golf seit Jahrzehnten aus. Zu den saudischen Forderungen an Katar gehörte es, dass der kleine Nachbar sein Nachrichtennetzwerk Al Jazeera und zahlreiche weitere internationale Medien abschalten sollte.

Die Besetzung der Großen Mosche in Mekka im Jahr 1979 spielte eine Schlüsselrolle bei der Verbreitung einer extremen Koran-Auslegung.

Genau wie in Syrien und Jemen steht das Königreich jedoch auch in Hinsicht auf Katar vor dem völligen Scheitern seiner Initiative. In Syrien ist eine endgültige Niederlage des "Islamischen Staates" und anderer salafistischer Terrormilizen bereits absehbar. Die neue Regierung im Jemen gibt den saudischen Forderungen keinen Zentimeter nach. Der Versuch, den kleinen Nachbarn Katar zu isolieren, ist binnen weniger Wochen vollkommen gescheitert.

Image Saudi-Arabiens in Europa am Boden

Laut letzten Umfragen in Europa hat das saudische Image besonders unter der Kampagne gegen Katar und die Angriffe auf den Jemen gelitten. Bereits im Januar erklärten zwei Drittel der britischen Bevölkerung, dass Waffenexporte nach Saudi-Arabien "inakzeptabel" sind.

Das Königreich importiert die Waffen und die Munition für den Jemen-Krieg sowie für seine irregulären Milizen vor allem aus den USA und Europa. Während die reguläre Bewaffnung in der Regel aus den USA, Großbritannien oder Deutschland stammt, kauft Saudi-Arabien die Waffen für seine Proxys auf dem europäischen Schwarzmarkt aus Kroatien, Bulgarien anderen Ländern.