„Vor allem als Bolognese lecker“: Australier sollen mehr Kängurus essen

„Vor allem als Bolognese lecker“: Australier sollen mehr Kängurus essen
Das Känguru ist das australische Wappentier. Deswegen haben viele Australier Hemmungen, es auf den Speiseplan zu setzen.
Die Känguru-Population hat sich in den vergangenen Jahren in Australien prächtig entwickelt. Geschätzte 45 Millionen bevölkern derzeit den Kontinent – fast doppelt so viele wie Menschen. Jetzt fordert ein Ökologe, dass die Vermehrung kontrolliert werden soll. Er empfiehlt, sie zu essen.

Wie ABC-News in Australien berichtet, machen sich Umweltschützer in „Down Under“ zunehmend Sorgen wegen der wachsenden Känguru-Population. Ihr Vorschlag: Warum nicht mehr Känguru auf der Speisekarte? In den australischen Supermarktregalen findet sich hauptsächlich Rindfleisch, Geflügel, Schweinefleisch und Lammfleisch. Krokodil, Büffel, Reh und Känguru werden nur in Spezialitätenläden angeboten. Doch obwohl Kängurufleisch fettarm und zudem reich an Eisen, Protein und Omega 3 ist, haben viele Australier ein Problem damit, ihr Wappentier zu verspeisen.

Das soll sich jetzt ändern. Denn nach mehreren regenreichen Jahren und damit mehr grünem Gras sind die Känguruzahlen in Australien explodiert. Lebten im Jahr 2010 noch 27 Millionen der Beuteltiere auf dem fünften Kontinent, sind es heute geschätzt stolze 45 Millionen. Das sind fast doppelt so viele Kängurus wie Menschen. Die australische Bevölkerung beträgt 24 Millionen.

Vor allem in landwirtschaftlichen Regionen gibt es mehr Kängurus als in der Wildnis und dort verursachen sie extremen Schaden,

sagte Bryan Grieg Fry, ein Biologe an der Universität von Queensland gegenüber ABC-News. Auf den Farmen beschädigen die Tiere oftmals Zäune, fressen dem Nutzvieh Futter weg oder zertrampeln Getreide.

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Eine Überpopulation der Tiere führt auch zu vermehrten Unfällen mit Menschen. Erst Ende Juli dieses Jahres wurden im Bundesstaat Victoria ein Kind und in Queensland eine Frau von Kängurus verletzt und mussten im Krankenhaus behandelt werden. ABC-News berichtete bereits im Juni von Farmern, die mit ganzen Horden an Kängurus zu kämpfen hatten. Tausende Kängurus würden über sein Land ziehen, sagte beispielsweise Garry Hannigan, dem ein Bauernhof in der Nähe von Broken Hill gehört.

Es waren ganze Horden hier und die Menge, die von Autos getötet wurde, war erstaunlich,

sagte der Farmer. Die Tiere hätten sämtliches Gras aufgefressen und dadurch an den Zäunen Erosion verursacht. Experten drängen deswegen darauf, die australischen Symboltiere verstärkt zu jagen. Andernfalls würde ihre Überpopulation anderen einheimischen Tieren schaden und Australien könnte einen Teil seiner Biodiversität verlieren, sagte David Paton, ein Ökologe an der Universität von Adelaide, gegenüber ABC-News. Ein Langzeitexperiment des Wissenschaftlers legt dar, wie beispielsweise Vögel von einem eingezäunten Stück Land, in das Kängurus nicht eindringen können, profitieren.

Doch Paton möchte die Tiere nicht einfach töten und in der Natur verwesen lassen.

Wenn wir diese Tiere schon töten müssen, sollten wir es auf humane Art und Weise tun, aber wir sollten auch darüber nachdenken, was wir mit den getöteten Tieren tun.

Er plädiert genauso wie der Biologe Fry dafür, dass die Leute nach einer Kängurujagd das Fleisch auch essen sollen. Vor allem als Bolognese sei Känguru besonders lecker, so Fry. Tierschützer lehnen jedoch die Praktiken ab, mit denen Kängurus derzeit getötet werden. Denn die Jäger sollen sie mit einem Schuss in den Kopf töten. Sally Sutton von der südaustralischen Tierschutzorganisation Animal Liberation bezweifelt, dass die Schützen immer treffen, vor allem da die Jagd nachts stattfindet.

Und was passiert mit den Kängurujungen, die noch im Beutel sind oder schon auf den Beinen?,

fragte die Tierschützerin, nach deren Ansicht die Tiere besser durch Sterilisation oder durch ein Umsiedlungsprogramm kontrolliert werden könnten. Farmer Hannigan befürwortet dagegen, die Situation lieber früher als später unter Kontrolle zu bekommen. Denn ein trockener Sommer könnte in seinen Augen verheerende Folgen für die Tiere haben.

In der nächsten Dürre werden Millionen Kängurus sterben.

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