"Scheitern als Chance": Film von Schlingensief feiert die Wahl des Ich

"Scheitern als Chance": Film von Schlingensief feiert die Wahl des Ich
Aus dem Film von Schlingensief: "Scheitern als Chance"
Der Dokumentarfilm "Chance 2000" ist benannt nach einer Partei, die der Regisseur und Künstler unterstützt von der Berliner Volksbühne 1998 gründete. Was als Politzirkus in einem Zirkuszelt begann, fand viele Anhänger und die Zulassung zur Bundestagswahl 1998.

"Chance 2000" warb damit, dass man sich endlich selbst wählen kann. Das "1V", ein Volk, kann so endlich eine Stimme in der Bundestagswahl 1998 erhalten. Das "Wir sind ein Volk", wurde zu "Wir sind jeder ein Volk". Was als Politzirkus begann, wurde zur Wahl zugelassen, schaffte aber den Einzug in den Bundestag letztendlich nicht. 

Christop Schlingensief mit Protagonisten in "Chance 2000"

Der Parteigründung ging eine Vereinsgründung unter dem Namen "Chance 2000 e.V." voraus und wurde von Harald Schmidt und Alfred Biolek unterstützt. Für die Partei wollte Schlingensief die Außenseiter begeistern: Arbeitslose und Menschen mit Behinderung.

Ein Screenshot aus dem Video

Derzeit läuft ein neuer Film aus aufgezeichneten Materialien durch den Künstler und seine Begleiter in deutschen Programmkinos. Der zwei Stunden lange Film dokumentiert Schlingensiefs Wirken und wie eine absurde Idee Realität werden kann. Die Partei wurde auch als "Partei der letzten Chance" bezeichnet. Die Parole lautete: "Handeln, Handeln, Handeln." Die Partei beschäftigte sich mit dem Kampf gegen 16 Jahre Helmut Kohl.

Seine Ausrufe bei der Dokumenta, wonach Schlingensief dem damaligen Dauerkanzler Helmut Kohl den Tod wünschte, durfte er nicht mehr verbreiten. Der Todeswunsch wurde, ganz nach Schlingensief-Manier, in eine Sterbehilfe für Helmut Kohl umformuliert. In den dokumentierten Aufzeichnungen, insgesamt sollen es 200 Stunden Arbeitsmaterial gewesen sein, begibt sich Schlingensief mit 300 Arbeitslosen an den Wolfgangsee - dem damaligen Urlaubsidyll Helmut Kohls. Schlingensiefs Traum war es, die gesamte Masse der sechs Millionen Arbeitslosen in den Wolfgangsee zu locken, um den Pegel ansteigen zu lassen und Kohl, wie er im Film sagte, "zu benetzen".

Christop Schlingensief mit Protagonisten in "Chance 2000"

Teilnehmer bei Chance 2000

Kohl überlebte schließlich Schlingensief. Der Künstler starb im August 2010, Helmut Kohl am 16. Juni 2017. 

Trailer zum Film: