Von Lissabon nach Wladiwostok: Der letzte Abschnitt - durch Sibirien nach Wladiwostok

Von Lissabon nach Wladiwostok: Der letzte Abschnitt - durch Sibirien nach Wladiwostok
Dima und Jana sind endlich in Wladiwostok angekommen
Ein deutsch-russisches Paar wagt sich auf eine Erkundungsreise durch Eurasien. In vier Monaten sind Jana und Dima von Lissabon bis nach Wladiwostok gereist. Nun kommt ihr Fazit zum letzten Abschnitt durch Russland.

Der letzte Teil unseres Weges in Russland hat uns schwer beeindruckt. Selbst Dima, der die Größe des eigenen Landes kennt, haben die unendlichen Weiten überrascht. Wenn man tagelang durch das schier endlose Sibirien fährt, wird einem so richtig bewusst wie riesig und vielfältig Russland eigentlich ist. Allein dieser fernöstliche Teil des Landes vereint buddhistische Klöster, weiße Sandstrände am Baikal, schneebedeckte Berge, grüne Wiesen, zahlreiche Seen, tausende Flüsse, endlose Wälder der Taiga und die Pazifische Küste unter einem Dach. 3000 Km von Stadt zu Stadt sind in Sibirien nichts. Das Gefühl der Freiheit um uns herum hat uns so richtig durchatmen lassen. Beim Campen an Seen und Flüssen konnten wir die Welt um uns herum für eine Weile so richtig vergessen.

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So manche, uns wenig bekannte Stadt, wie zum Beispiel Blagoweschensk, hat uns überrascht. Direkt an der chinesischen Grenze und nur durch den Fluss Amur getrennt bietet es eine bunte Mischung aus alter zaristischer Architektur, Leninstatuen und chinesischen Werbeschildern. Direkt auf der anderen Seite des Flusses ist ein Riesenrad zu erkennen, welches schon zu China gehört und von den Ausflugsbooten winken sich chinesische und russische Touristen zu. Das erinnert uns daran, dass wir eigentlich im tiefsten Asien sind, was wir auf dem Weg durch die dichte Taiga ganz vergessen haben.  

"Hinter uns ist China"

Doch es ist nicht alles schön: Es gibt Städte, die sind grau und trübsinnig, wie das industriell geprägte Chita zum Beispiel. Große Plattenbauten, Autoabgase und alte Fabriken bestimmen dort das Bild. Für die Russen ist ein Auto auch ein Stück Freiheit und somit fahren sie damit bis an den letzten Zipfel eines Sees oder Strandes, wenn die Straße es erlaubt. Das trübt ein wenig das Gefühl der Einsamkeit und oft haben wir an Stränden mehr Autos als Menschen gesehen. Aber das Land ist groß und man findet die Einsamkeit schnell, wenn man sie sucht.

In knapp zwei Wochen haben wir über den „Amur-Highway“, den einst auch Wladimir Putin in einem gelben Lada befuhr, unser Ziel erreicht. Die Straßen bis dahin waren in einem guten Zustand und viel besser als erwartet. Wladiwostok ist eine pulsierende Hafenstadt am Pazifik mit maritimen Flair, satten Grünflächen und einer Promenade am Wasser.

Wladiwostok Promenade

Neben der Fischindustrie bildet der Handel mit japanischen Autos hier das Kerngeschäft und Autowerkstätten, Autohäuser und Reifengeschäfte bestimmen das Stadtbild außerhalb des Zentrums. Leider ist man hier auf überfüllte Busse oder eben das Auto angewiesen. Radwege gibt es nicht, obwohl die Stadt und die zahlreichen Ziele in der Umgebung für Ausflüge definitiv geeignet wären. Nachdem wir unsere Ausrüstung und das Auto verkauft haben, verbringen wir dennoch ein paar entspannte, sonnige Tage in der Stadt, ganz nah an Japan.

Buddhistisches Kloster Iwolginsk

Wir stopfen uns mit Meeresfrüchten voll, fahren auf die Insel „Russkiy“, wo nach jahrelanger militärischer Sperre nun die größte Universität in Fernost steht und halten im Safari Park nach Amur Tigern Ausschau. Diese letzten zwei Wochen in Sibirien haben uns positiv geprägt, Lust auf mehr Russland gemacht und zu einem gelungenen Ende unserer Reise beigetragen.

Dima auf der Suche nach der legendären Baikalrobbe im Selengedelta

Fast vier Monate waren wir unterwegs und sind etwas mehr als 25.000 Kilometer gefahren. Es ist schwer auszudrücken, wie wir uns fühlen: Wir sind stolz und erleichtert, gleichzeitig aber auch etwas sentimental, dass das Abenteuer vorbei ist. Wir sind glücklich über all unsere Erlebnisse und zufrieden mit unserer Planung und Organisation, die uns tatsächlich bis hierher gebracht haben. Vier Monate vergingen wie im Fluge. Wir haben so sagenhaft viel gesehen und erlebt, dass wir dies zunächst in unseren Köpfen sortieren müssen.

Sibirische Dörfer

Wir hatten weniger Probleme und Hindernisse als erwartet und unser Auto war uns ein treuer Begleiter. Unser Ziel von Ozean zu Ozean zu fahren und die Aufgabe eine Flasche Atlantikwasser in den Pazifik zu kippen haben wir erfüllt. Was zwischen diesen beiden Ozeanen liegt ist unglaublich. Wie vielseitig und traumhaft schön ist doch unsere Erde, umso schlimmer ist es mit eigenen Augen zu sehen, wie Menschen mit ihr teilweise umgehen. An so mancher Grenze haben wir richtig geflucht und einige Länder haben uns den Aufenthalt nicht leicht gemacht. Dennoch wurden wir an jedem Ort mit etwas besonderem Entlohnt, ganz gleich ob das die Natur, die Geschichte zum Anfassen oder auch einfach nur richtig gutes Essen war.  

Mit unserer Reise gingen wir auch auf die Suche nach Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Menschen, die uns begegneten, aber dies ist in wenige Worte kaum zu fassen. Es gibt so vieles, was sie verbindet und was sie unterscheidet. Es gibt überall auf der Welt die hilfsbereiten, liebenswürdigen und interessierten Leute. Es gibt aber auch die, die ihren Müll wegwerfen, die Umwelt vergiften, Tiere aussetzen oder mit Gleichgültigkeit durchs Leben gehen. Es gibt die Traurigen, deren Blicke bis tief ins Mark gehen und diejenigen, die lachend durchs Leben spazieren.

Russland Pazifik

Von einer Welt ohne Grenzen sind wir noch weit entfernt. Hinter den Grenzen Europas ist uns erst bewusst geworden, wie unterschiedlich die Probleme sind, mit denen die Länder zu kämpfen haben und welch enormen Vorsprung wir vor den meisten haben.

Camping am Baikalsee

Camping am See

Sei es in den Bereichen der Infrastruktur, der Bildung oder dem Problembewusstsein der Menschen selbst. Wir können jedem nur empfehlen, selbst so eine Reise zu machen, denn wir haben gelernt zu verzichten und zu genießen. Wir sind dankbar dafür was wir haben und das wir in so beschützten Ländern wie Deutschland und Russland aufwachsen durften. Viele Sachen erscheinen uns nun klarer und wir fühlen uns weltoffener als je zuvor.

Ein Gruß an RT

Wie geht es weiter bei uns? Wir werden jetzt ein paar Tage nach Moskau fliegen, um Dimas Eltern zu besuchen und dann geht’s nach Berlin - zurück in unseren Alltag und um Pläne für die nächste Reise zu schmieden.  

Wir sagen Adios!

RT Deutsch bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln. Diese Abenteuerreise kann man sowohl auf RT Deutsch als auch direkt auf dem Blog von Jana und Dima, lisbon2vladivostok.eu, verfolgen.


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