"Sicherer als ein Abendspaziergang in London" - Russisches Reisebüro bietet Urlaub in Nordkorea an

"Sicherer als ein Abendspaziergang in London" - Russisches Reisebüro bietet Urlaub in Nordkorea an
Ein Blick auf den Fluss Yalu in der Nähe der Nordkoreanischen Stadt Sinuiju.
Nordkorea möchte mehr Touristen aus Russland anziehen und erteilte erstmals einem Moskauer Reiseunternehmen eine Lizenz. Das russische Reiseunternehmen verspricht das „volle Eintauchen“ in die Kultur des Landes. Und Abendspaziergänge, die „sicherer als in London“ sein sollen.

von Timo Kirez

Laut der Nachrichtenagentur Reuters erteilte Nordkorea dem russischen Reiseunternehmen NKOREAN.RU eine Lizenz, um organisierte Touren für Gruppen von bis zu zehn Personen, aber auch für Einzelpersonen, zu organisieren. Die Gäste sollen das „facettenreiche Leben des verschlossensten Landes kennenlernen.“

Die Gäste aus Russland würden vor ihrer Anreise „überprüft.“ Zudem sollen sie immer begleitet werden, damit sichergestellt sei, dass sie sich „adäquat verhalten“ und um ihre Sicherheit zu gewährleisten. Das Fotografieren von strategischen und militärischen Einrichtungen ist verboten und lange Gespräche mit Einheimischen "werden nicht empfohlen."

Die teuerste Tour dauert 15 Tage und verspricht "volles Eintauchen in die Kultur Nordkoreas." Der Trip kostet rund 118.015 Rubel (ungefähr 1.700 Euro) und beinhaltet Besuche auf einem Bauernhof, eine Mineralwasserfabrik, einem buddhistischen Tempel, Spaziergänge in den Bergen und eine Einführung in die nationale Küche. Besichtigungen zahlreicher Museen zum Gründungsführer Kim Il-Sung sind ebenfalls im Angebot.

Andere weniger anspruchsvolle Touren beinhalten Entspannung am Strand, eine Flugschau und sogar ein Bierfest. Wie das Angebot in Russland ankommt, bleibt abzuwarten. Als Topdestinationen in Russland gelten zurzeit vor allem die Türkei und Thailand. Nordkorea möchte sich, wenn man der Webseite des heimischen Touristenbüros glauben möchte, als „Land der guten Manieren“ präsentieren. Auf der Webseite kann man auch eine virtuelle Tour durch das Land machen.

Was kaum jemand weiß: Der Tourismussektor existiert in Nordkorea schon seit 1953. Dass es bis jetzt touristisch gesehen noch nicht so gezündet hat, dafür macht Nordkorea vor allem die USA verantwortlich. Doch das soll sich nun ändern. Bis zum Jahr 2020 will man in Nordkorea jährlich zwei Millionen Touristen empfangen. Bislang geht man von rund 100.000 Reisenden pro Jahr aus, davon ungefähr 5.000 aus Europa und Nordamerika.

Für die touristische Neuausrichtung Nordkoreas ist offenbar vor allem ein Schweizer verantwortlich. Der Reiseunternehmer Stephan Römer ist auf Asien spezialisiert. Und sein Unternehmen "tourasia" ist das erste weltweit, welches Urlaub in Nordkorea anbietet. Der Reiseunternehmer führte schon im Jahr 2000 Gespräche mit Vertretern der nordkoreanischen Regierung. Nach den Gesprächen sagte er gegenüber Schweizer Medien:

Mein Fazit war, dass die absolut keine Ahnung hatten, wie man touristische Angebote aufbaut.

Anschließend besuchte eine Delegation aus Nordkorea den Unternehmer und befragte ihn intensiv zu dem Thema Tourismus. Offenbar ist Nordkorea daran interessiert, das Tourismuskonzept der Schweiz zu kopieren. Immerhin soll der Staatsführer Kim Jong-un zwei Jahre seines Lebens in der Nähe von Bern verbracht haben.

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