Max Barskih - Sanfte Klänge aus der Ukraine mit hoher Resonanz in Russland

Max Barskih - Sanfte Klänge aus der Ukraine mit hoher Resonanz in Russland
Max Barskih präsentiert sien Album "Freud" bei einem Konzert in der Maxim Bar in Moskau.
Entgegen der russophoben Staatsdoktrin in der postmaidanen Ukraine ist die Begeisterung der Fans russischer Unterhaltungsmusik für Künstler aus dem Nachbarland ungebrochen. Max Barskih zählt dabei zu den beliebtesten ukrainischen Künstlern in Russland.

von Gert-Ewen Ungar

Es gibt ein interessantes Phänomen in der russischen Pop-Kultur. Viele der großen Stars der russischen Hitparade kommen aus der Ukraine - früher, heute und wohl auch noch in Zukunft. Die Verflechtungen zwischen beiden Länder sind eng. Und sie werden sich so schnell auch nicht auflösen lassen.

Auf meine Frage, warum so viele Pop-Stars dort ihre Wurzeln haben, bekam ich zur Antwort, dem wäre so, weil in der Ukraine bei jeder Gelegenheit gesungen wird. Das ist zwar eine schöne, aber sicherlich keine abschließende Erklärung. Doch es ist ein Faktum: Ein unübersehbar großer Anteil an Größen im russischsprachigen Pop-Business stammt aus der Ukraine. Fast jeder von ihnen hat zudem einen Ausflug in die englische Sprache unternommen, konnte allerdings nie ernsthaft auf dem westlichen Markt Fuß fassen, woraufhin sich alle wieder auf die russische Sprache besannen.

Einer der aktuell bekanntesten Künstler ist Max Barskih. Geboren im Jahr 1990, veröffentlichte er bereits mit 19 Jahren sein erstes Album, das auf Anhieb zum Erfolg wurde. Seitdem ist Max Barskih aus den russischen Charts nicht mehr wegzudenken. Dabei lässt sich in dem im Grunde noch ganz jungen Werk des Sängers bereits ein erstaunlicher Wandel und Werdegang erkennen. 

Musikalisch, das zeigt dieser Clip deutlich, ist Max Barskih bekannt für eingängigen Elektro-Pop, tanzbares Disco-Zeug. Die Stimme - immer ein wenig melancholisch, fast immer sanft, nie aufbrausend oder gar aggressiv, immer harmonisch und melodiös. Thematisch ebenfalls ganz harmlos: Tanzen bis zum Morgen, nicht nach Hause wollen und der Montag ist dann nicht so toll.

Die Clips produziert der bekannte ukrainische Regisseur Alan Badoev, dessen aufwendigen Inszenierungskünsten auch Ani Lorak vertraut.

Barskih vollzieht mehrere musikalische 180-Grad-Wenden

Aufwendig produziert sind auch die Clips für das im Jahr 2012 veröffentlichte Album Z.Dance, mit dem Barskih für einen Moment in seiner noch jungen Karriere einen anderen Weg einschlug. Kleine Warnung vorweg: Hier wird es dann doch ein bisschen unharmonischer, ein bisschen lauter und schräger. Z.Dance war ein Experiment, das allerdings ganz erstaunliche Früchte hervorgebracht hat. Für schwache Nerven sind die Clips nichts. Wer kein Blut sehen kann, keine Splatterfilme und keine Zombies mag, sollte sich genau überlegen, ob er den nächsten Click wagen will.

Allerdings sind derart derbe Bilder im Werk von Max Barskih tatsächlich die Ausnahme. Das darauffolgende Album ist das exakte Gegenteil von Z.Dance. Es trägt den Titel "Nach Freud" und ist von großer gedanklicher und emotionaler Tiefe. Es widmet sich den großen menschlichen Themen: Begehren, Einsamkeit und Isolation, Verzweiflung.

Dieser Clip aus dem Album "Nach Freud", den ebenfalls Badoev produziert hatte, verbindet zwei Themen miteinander, die auf den ersten Blick unterschiedlicher und weiter auseinander nicht sein könnten: den Verlust von Unschuld und fossile Energieträger. Hier wird ein Bad in Erdöl zum Sündenfall. Danach ist alles anders, plötzlich sind Scham und Ekel in der Welt. Der Clip ist in seiner Bildersprache genial. Er ist die Antithese zu Cranachs berühmtem Bild "Der Jungbrunnen". Mit diesem Clip zeigt sich einmal mehr, wie tief und Erkenntnis vermittelnd Pop sein kann. 

Pansexuelle Anklänge im neuen Video

Ein Hit, der jeden Tag mehrfach auf den russischen Radiostationen gespielt wurde, ist dieses Werk mit dem Titel "Wir machen Liebe". Es ist eine einzigartige, in starken Bildern inszenierte Hommage an die Lust und die Erotik. Hier wird eine Rückbesinnung auf die Körperlichkeit zelebriert. Eins werden, verschmelzen, sich ausliefern an die Sinnlichkeit.

Vor gerade mal einem Monat veröffentlichte Maks Barskih seinen neuen Titel. Der Clip erzielte in dieser kurzen Zeit auf YouTube bereits rund zehn Millionen Klicks.

"Meine Liebe", heißt der Titel in deutscher Übersetzung. Der Text ist poetisch, voller sprachlicher Bilder, ein Gedicht.

Viel kräftiger in seiner Bildersprache ist allerdings der dazugehörige Clip.

Es geht hier um das so genannte Pinkwashing. Dieser Begriff bedeutet, durch das massive Eintreten für die Rechte von Schwulen und Lesben von anderen Themen abzulenken. Das Paradebeispiel, an dem sich der Begriff auch entwickelt hat, ist nach Auffassung der Schöpfer dieses Begriffes Israel, wo Politik und Medien seit einigen Jahren LGBT-Kultur zelebrieren. Vergessen machen soll dieser offene und liberale Umgang mit der queeren Szene, so die Kritiker, die umstrittene Politik der Führung im Palästinenserkonflikt.

"Pinkwashing" in der Ukraine

Aber auch in der Ukraine wird kräftig pink gewaschen. Wenn westliche, allen voran deutsche Politiker der Grünen wie zum Beispiel die Europaparlamentarierin Rebecca Harms das Abhalten einer Gay-Pride-Parade in Kiew unter dem Schutz einer Anzahl an Polizisten, die jene der Teilnehmer um ein Vielfaches übersteigt, als einen Erfolg wertet und die Ukraine so auf dem richtigen Weg zu westlichen Werten sieht, ist das an Zynismus kaum noch zu überbieten. In der Ukraine tobt ein Bürgerkrieg, die ökonomische Situation ist katastrophal, die Korruption hält das Land fest im Griff, der Lebensstandard sinkt, der Mehrheit der Bevölkerung geht es deutlich schlechter als vor dem Putsch von 2014.

Vor diesem Hintergrund zu behaupten, eine unter großem Polizeischutz abgehaltene Gay-Pride-Parade wäre ein deutliches Signal für den positiven Wandel der Ukraine hin zu westlichen Werten und einer Anbindung an Europa, lässt sich als Paradebeispiel für Pinkwashing einordnen. Der Clip setzt das mit starken Bildern in Szene.

Es ist ganz erstaunlich, welchen Wandel die noch junge Karriere von Max Barskih bereits vollzogen hat. Diese Entwicklung ist sicherlich mit den besorgniserregenden Vorgängen in der Ukraine verwoben. Bei uns findet das alles leider kein Echo, in Russland dafür umso mehr.