Von Lissabon nach Wladiwostok: Die Mongolei – Atemberaubende Landschaften & merkwürdige Begegnungen

Von Lissabon nach Wladiwostok: Die Mongolei – Atemberaubende Landschaften & merkwürdige Begegnungen
"Om" Jana vor einer Buddha-Statue im Kloster Amarbayasgalant
Ein deutsch-russisches Paar wagt sich auf eine Erkundungsreise durch Eurasien. In vier Monaten wollen Jana und Dima von Lissabon bis nach Wladiwostok reisen und sich dabei in Völkerverständigung üben. Dieses Mal berichten unsere Weltreisenden von ihren Erfahrungen in der Mongolei.

Wir haben die Mongolei durchfahren, von der westlichen Grenze bis nach Ulaanbaatar und weiter in den Norden. Hinter uns liegen die schlimmsten Straßen, auf denen wir bisher unterwegs waren, und zugleich die schönste Natur, die wir erleben durften. Die Mongolei war unser größtes Abenteuer mit allem, was dazugehört. Wir waren in entlegenen buddhistischen Klöstern, ritten auf Kamelen durch die Wüste, wanderten über Berge und Vulkane, campten an einsamen Seen, fuhren durch Flüsse und erklommen die größte Dschingis-Khan-Statue der Welt.

Zu all diesen Orten führte uns ein Straßennetz aus dem Zeitalter des größten Helden der Mongolei – also gefühlt aus dem 13. Jahrhundert. Kolya, unser Auto, hat uns dabei nicht im Stich gelassen. Gleich ab dem Grenzübertritt in Kosch-Agatsch bei Taschanta gab es nur Sand, Schotter und Steine, sodass wir uns schon irgendwo mit geplatzten Reifen, gebrochenen Achsen oder abgerissenem Benzinschlauch stehen sahen.

Dima, Jana und Kolja in der mongolischen Steppe

Doch Kolya hat tapfer gekämpft und uns durch dieses magische Land ohne Straßen gebracht. Dafür bekam er auch einen Orden aufgesetzt - die Hörner eines Hammels.

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Orden für Kolja - Hammelhörner!

Asphaltstraßen gibt es in der Mongolei sehr wenig und nur an den größeren Touristenzentren als auch um die Hauptstadt herum. Geschätzte 80 Prozent sind einfache Feldwege, mit viel Sand und scharfen Steinen. Spätestens ab hier sind Ersatzreifen Pflicht, und kaum ein Auto ist ohne mindestens ein bis zwei Extrarädern unterwegs. Die vielen kleinen Wege gehen oft auseinander und finden am Ende doch alle wieder zusammen. Entscheidend ist die Himmelsrichtung. Wer will, macht sich seine eigene Straße auf und kämpft sich durch Berge und Täler – Verkehrsschilder, Markierungen oder Hinweise gibt es nicht. Nicht einmal Google kennt die mongolischen Straßen und wenn doch, gibt es eh kein Netz. Wir müssen also ganz altmodisch wieder auf eine Landkarte aus Papier vertrauen, die hier bei weitem hilfreicher ist.

Einmal hatten wir uns so schlimm im absoluten Niemandsland verfahren, dass wir zum ersten Mal richtige Panik bekamen – ein Gefühl, das wir von Europas Straßen nicht kennen. Einen halben Tag lang sind wir nur im Kreis gefahren. Nur durch die Skizze eines freundlichen Mongolen, den wir in einem verlassen Dorf auftreiben konnten, finden wir wieder auf die richtige Spur.

Ohne diese Wegbeschreibung würden unsere Helden wohl möglich immer noch durch die Steppe kreisen.

Dieses Land ist so groß, dass wir uns an manchen Tagen über eine Staubwolke in der Ferne freuten, die uns zeigte, dass wir nicht allein sind. Wir waren an Orten, wo es so ruhig war, dass wir sogar den Flügelschwung der Adler aus der Ferne hören konnten.

Wir badeten in kristallklaren, blauen Seen - ohne eine Menschenseele weit und breit. In diesem Land leben fast so viele Pferde wie Menschen, und vermutlich gibt es nur noch wenige Orte auf dieser Welt, wo es so märchenhaft ruhig ist. Wenn man sich vorstellt, dass hier in etwa die Einwohnerzahl Berlins auf einer Fläche, die fast fünfmal so groß ist wie Deutschland, lebt, kann man die Ruhe förmlich spüren.

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Doch so schön die Natur in der Mongolei auch ist, so viele Fragen stellen wir uns, während wir durch dieses Land fahren. Viele sprechen von der Gastfreundschaft und der Freundlichkeit der Mongolen. Wir allerdings hatten eher merkwürdige Begegnungen als offenherzige. Oftmals kamen abends Männer oder Jugendliche aus den Jurten zu uns an unser Zelt geritten.

Junger Reiter

Statt eine Konversation anzufangen, haben sie uns meist nur still angestarrt. Jegliche Versuche unsererseits mit ihnen zu reden oder ihnen etwas zu zeigen, sind fehlgeschlagen. Mit leeren Blicken und bewegungslosen Gesichtern standen sie einfach nur da, bevor sie irgendwann wieder abgezogen sind, meist eine Alkoholfahne hinterlassend. Trinken ist ein großes Problem unter den Mongolen, denn schlechter Fusel ist billiger als manch andere Lebensmittel und hat in den letzten Jahren zu vermehrter Abhängigkeit geführt. In den zwei Wochen konnten wir nicht wirklich zu den Menschen vordringen, warum wissen wir nicht genau. Es ist eine waghalsige Behauptung und vielleicht nicht ganz fair, aber wir haben das Gefühl, dass eine enorme Bildungslücke im Land vorherrscht. Die ausdruckslosen Gesichter, die uns anschauten, der Alkohol, die Trägheit vieler Leute, sind nur einige Anzeichen dafür.

Wunderschöne Landschaft soweit das Auge blickt und ab und an ein paar Jurten

Die Infrastruktur ist in einem schlechten Zustand, die wenigen asphaltierten Straßen werden von den Chinesen gebaut, die Häuser in den größeren Städten wurden früher von den Russen errichtet. Eine richtige Wirtschaft ist uns nicht begegnet, obwohl die Mongolei zwischen zwei Mächten wie China und Russland liegt. Auch nicht in Ulaanbaatar, der Hauptstadt. Diese Stadt macht den Eindruck, als wäre sie ohne Sinn und Verstand gewachsen: Es lässt sich kein System erkennen, keine Architektur, keine schön angelegten Straßen, Parks oder etwas, was eine Stadt lebenswert macht. Im Gegenteil: Grauer Beton, Abgase, Autos und Staub. Das Allerschlimmste aber in diesem traumhaften Land ist der Müll. Egal wo die Mongolen stehen, parken, grillen - sie lassen überall ihren Müll liegen.

Obwohl wir säckeweise Plastik an Seen aufgesammelt haben, war das nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Das Land versinkt stellenweise im Müll, und die Einwohner scheint es nicht zu stören. Es ist traurig und bestürzend, wie sie ihr magisches Land selbst verschmutzen. Menschen, die Buddhisten sind oder an Schamanismus glauben, die sich von Naturgöttern leiten lassen und als Nomadenvolk von der Natur abhängig sind, verschandeln ihr Land und zerstören das Besondere, was sie haben.

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Buddhistische Mönche im Kloster Erdene Zuu
Junge Mönche im Kloster Amarbayasgalant

Muss man in der Schule lernen, dass man Müll nicht in die Natur wirft? Gibt es keinen gesunden Menschenverstand? Wir sind sprachlos, enttäuscht und fühlen uns oft sehr machtlos.

Dennoch hat uns die Mongolei so viel gegeben. Es ist ein besonderes Land, welches eine unglaubliche Anziehungskraft ausstrahlt. Das ganze Land ist ein einziger Campingplatz, man kann stehen, wo und solange man will. Niemanden stört es, und niemand stört uns. Wir sind traurig, als wir diese Oase der Ruhe verlassen müssen, denn die Natur hier ist noch etwas ganz Besonderes. Wir fühlten uns dem Himmel ganz nah in diesen endlosen Weiten. Hoffen wir, dass das auch noch eine ganze lange Weile so bleiben wird und dass die Mongolen eines Tages zur Besinnung kommen werden.

Der Üüregsee am Abend
Der Üüregsee bei Tageslicht

RT Deutsch bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln. Diese Abenteuerreise kann man sowohl auf RT Deutsch als auch direkt auf dem Blog von Jana und Dima, lisbon2vladivostok.eu, verfolgen.


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