Street-View auf Russisch: Wie man aus einem VW-Minivan einen urbanen Datenscanner macht

Street-View auf Russisch: Wie man aus einem VW-Minivan einen urbanen Datenscanner macht
Ein Auto von Google-Street-View in Madrid, Spanien, 29. Mai 2017.
In der russischen Stadt Saratow sorgt ein VW für Aufsehen, der für ein Forschungsprojekt Daten im Wege der urbanen Vermessung sammelt. Aus einem handelsüblichen Pkw wurde ein mobiles Forschungszentrum zur Datenanalyse, das Google in kaum etwas nachsteht.

Der Russe Sergej Saratow hat seinen Volkswagen Caravelle mithilfe eines Forscherteams aus Moskau in einen urbanen Datenscanner umfunktioniert. Die Tüftler haben auf dem Dach des Wagens Sensoren angebracht. Bei einer Geschwindigkeit von 15 bis 16 Kilometern pro Stunde vermisst das Team nun die Stadt Saratow und sammelt dabei Daten über Verkehrsaufkommen, Umweltbedingungen, Lärmpegel und andere Parameter. Mit im Wagen saßen vier Forscher, die über ihre Bildschirme das Projekt zur Datenforschung mitverfolgten.

Der Projektmanager hinter dem Unterfangen ist Timur Tscherkasow von der Moskauer Firma Strelka KB. Dem Projekt waren Tests zur Umrüstung des Fahrzeugs vorausgegangen. Dazu hatte man eine simple Antenne an einem Geländerfahrzeug getestet, ein Stativ durch ein Rohr verlängert und an dessen Spitze eine GPS-Antenne montiert. Zwei Kameras erlaubten anschließend die Aufnahme eines 360-Grad-Panoramas. Diese nahm in jeder Sekunde ein Bild auf. Ein neurales Netzwerk erkennt zusätzlich Gebäude, Menschen und Fahrzeuge. 

Schuhe hängen über Stromkabeln zwischen der amerikanisch-mexikanischen Grenze, in Ciudad Juarez, Mexiko.

Ein Mini-Computer erlaubt in weiterer Folge die Verarbeitung der gesammelten Daten. Weitere Instrumente sammeln Daten zu Lärm, Staub, Feuchtigkeit, Licht, Temperatur und Kohlendioxid in der Luft. Die Computer im Fahrzeug fassen diese anschließend zusammen und geben sie an den Online-Kartendienst Mapbox weiter. Ein Dreieck aus GPS-Systemen, geformt zwischen dem GPS von Sergejs VW, einem Sensor auf einem Hochhaus und dem Satelliten sowie die dynamische Analyse der Aufzeichnung mittels einer Drohne unterstützen die Prozesse.

Aus 300 Metern Höhe filmte die Drohne über Kreuzungen Bewegungen von Menschen und Maschinen. Die Firma war über eine Werbekampagne auf Sergej gestoßen. Dieser hatte sich sofort bereiterklärt, für das Experiment seinen Wagen zur Verfügung zu stellen. In seiner Stadt wurde er durch sein Fahrzeug zur Legende. Einzige Störfaktoren waren immer wieder neugierige Fußgänger, die immer wieder das Forscherteam zu dessen Intentionen befragten.