In Deutschland verboten: Schweizer Hanf-Zigaretten finden reißenden Absatz

In Deutschland verboten: Schweizer Hanf-Zigaretten finden reißenden Absatz
Symbolbild
Sie riechen und schmecken wie ein Joint, sollen aber nicht high machen. Hanf-Zigaretten sind in der Schweiz ein Verkaufsschlager. In Deutschland ist das Produkt allerdings tabu, warnt der Zoll.

Hanf-Zigaretten mit dem Rauschwirkstoff THC finden nach Angaben des Herstellers in der Schweiz reißenden Absatz. Die Zigaretten sind dort seit vier Wochen im Handel erhältlich. "Wir sind völlig am Anschlag und kommen mit der Produktion kaum nach", sagte der Marketingleiter von Koch und Gsell Tabakfabrikanten, Björn Koch, am Mittwoch. Der THC-Gehalt sei aber verschwindend gering, nur für das Aroma da und mache nicht high, betonte Koch. Die Fabrik, in der die Rauchwaren hergestellt werden, liegt in Steinach am Bodensee.

Der deutsche Zoll hat unterdessen vor der Einfuhr der "Hanf-Zigis" gewarnt:

Das Verbringen von Drogen ist eine Straftat und kann mit Geld- oder Haftstrafen geahndet werden", hieß es schon im Juli.

Das Schweizer Bundesamt für Gesundheit ist besorgt, dass die Hanf-Zigarette jungen Leuten als Einstiegsdroge dienen könnte.

Weil Hanf-Zigaretten den gleichen Geschmack haben wie Drogenhanf, kann ein gewisser Gewöhnungseffekt nicht ausgeschlossen werden", sagte Pressesprecher Daniel Dauwalder. "Da Hanf-Zigaretten immer auch ein wenig THC enthalten, ist nicht ganz auszuschließen, dass zum Beispiel Neukonsumenten eine leicht berauschende Wirkung verspüren."

Ein Opiumbauer bestellt sein Feld in Afghanistan

In der Schweiz ist der Verkauf von Hanf als Rauchware seit dem vergangenen Jahr erlaubt, solange der Gehalt der psychoaktiven Substanz THC (Tetrahydrocannabinol) unter einem Prozent liegt. Lose Hanfblüten werden seitdem verkauft. Nun ist auch eine Tabakzigarette mit 20 Prozent Hanf-Anteil neu auf dem Markt. Ihr THC-Anteil liege bei rund 0,3 Prozent, sagt Koch. Eine Rauschwirkung ist laut Schätzungen erst bei einem Gehalt von 15 Prozent zu erwarten. Ein Päckchen mit 20 Zigaretten kostet 19,90 Franken (rund 17,50 Euro) - zweieinhalb Mal so viel wie herkömmliche Zigaretten.

Die Nachfrage nach der Marke "Heimat - Tabak und Hanf" habe die Erwartungen weit übertroffen. Das Unternehmen mit 13 Mitarbeitern habe schon eine neue Maschine bestellt, die im Oktober geliefert werden soll, um die Produktion hochzufahren. Die Fabrik habe eine Kapazität von 50.000 Päckchen im Monat.

Wir hätten aber sicher 200.000 verkaufen können", sagt Koch.

Die Zigaretten gibt es im Supermarkt. Im Online-Shop müssten Besteller mit drei Wochen Lieferzeit rechnen.

Mit 0,5 Milligramm Nikotin und acht Milligramm Teer sei die Zigarette allerdings genauso schädlich wie andere Tabakprodukte:

Wir müssen das Produkt nicht schönreden. Rauchen ist nicht gesund", sagt Koch, nach eigenen Angaben ein Gelegenheitsraucher.

(dpa/rt deutsch)