Mainz 05-Präsident macht Putin zum Oligarchen: "SV Putin Wiesbaden würde Champions League spielen"

Mainz 05-Präsident macht Putin zum Oligarchen: "SV Putin Wiesbaden würde Champions League spielen"
Der Unternehmer Johannes Kaluza wurde im Juni zum neuen Präsidenten des Bundesligisten Mainz 05 gewählt. Der 62-Jährige setzte sich bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung in einer Stichwahl mit 498 Stimmen gegen den bisherigen Vizepräsidenten Jürgen Doetz (458 Stimmen) durch.
Johannes Kaluza von Mainz 05 spricht im Magazin Kicker über die 50+1-Regel, die Kapitalanlegern die Stimmenmehrheit in Kapitalgesellschaften untersagt, in die Fußballvereine ihre Teams ausgegliedert haben. Und macht Putin dabei zum "reichsten Oligarchen".

Seit gut acht Wochen ist Johannes Kaluza der neue Präsident beim Bundesligisten 1. FSV Mainz 05. Und er ist offenbar ein großer Anhänger der sogenannten 50+1-Regel im deutschen Fußball. Diese Regel der Deutschen Fußball Liga (DFL) besagt, dass es Kapitalanlegern nicht möglich sein soll, die Stimmenmehrheit bei Kapitalgesellschaften zu übernehmen, in die Fußballvereine ihre Profimannschaften ausgegliedert haben. Im Fußball-Magazin Kicker verteidigte Kaluza diese Regelung.   

Ich fand es sehr wichtig, als Herr Watzke sagte, wir haben eine Vereinskultur und uns über Jahre etwas aufgebaut. Wir haben Traditionsvereine, die stolz auf ihre Vergangenheit sind. Mittlerweile haben wir ja reine Kunstvereine. Ich sehe kritisch, dass die 50+1-Regel ausgehöhlt wird - das könnte zu aberwitzigen Ergebnissen führen",

so Kaluza im Kicker. Und dann erläutert Kaluza seine Sichtweise anhand eines Beispiels:

Wir haben hier in der Region den SV Wehen Wiesbaden. Dieser Verein hat vieles richtig gemacht und sich Liga für Liga hochgearbeitet. Der Klub hat nur einen Fehler gemacht: den falschen Sponsor gewählt. Wenn Sie statt BRITA einen reichen russischen Oligarchen gewählt hätten; am besten den reichsten, also Wladimir Putin, dann würde heute der SV Putin Wiesbaden in der Champions League spielen. Und wir armen Mainzer würden zugucken - Tradition hin oder her. Wollen wir das haben?

Offenbar ist Johannes Kaluza der Unterschied zwischen Staatspräsident und Oligarch nicht geläufig. Oder meinte er vielleicht Roman Abramowitsch, einen der vermögendsten Männer der Welt - und Besitzer des britischen Erstligisten FC Chelsea London? Vermutlich nicht. Dabei müsste Kaluza gar nicht erst nach Russland blicken, um ein vermeintliches Beispiel für die Unterminierung der 50+1-Regel zu finden. Ein Blick auf RB Leipzig und den TSV 1860 München hätte ausgereicht.

DFL toleriert RB Leipzig aus Rücksicht auf Krise im Ost-Fußball

Vielen Fachleuten zufolge widerspricht das Gebaren des Fußballklubs RB Leipzig, in den der Red-Bull-Mitgründer Dietrich Mateschitz angeblich rund 100 Millionen Euro investiert haben soll, zutiefst dem Grundgedanken der 50+1-Regel. Es verstößt allerdings nicht dagegen, weil es eine ausgelagerte Profiabteilung gäbe, über die ein Investor Macht erlangen könnte. RB Leipzig ist jedoch gleichsam so etwas wie eine fußballerische Reklametafel von Red Bull, einzig zu dem Zweck gegründet, um das Marketing des Getränke-Giganten anzukurbeln. Die Deutsche Fußball-Liga hat dieses Modell mittels Kompromissen auch deshalb akzeptiert, um den darbenden Ostfußball am Leben zu halten.

Nicht viel anders sieht es bei dem Traditionsverein TSV 1860 München aus. Dass der jordanische Geldgeber Hasan Ismaik an der Grünwalder Straße das Sagen hat und Vereinsvertreter nicht gegen den unberechenbaren Geschäftsmann ankommen, wurde in den letzten Jahren immer wieder deutlich. Mittlerweile musste der Verein einen Zwangsabstieg in die vierte Liga hinnehmen. Und der Investor Ismaik reichte Beschwerde beim Bundeskartellamt ein - gegen die 50+1-Regelung.

Warum also in die Ferne schweifen, wenn das vermeintlich Böse liegt so nah?

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