Achtung Sommerloch: Künstliche Aufregung um vermeintlich rassistische Papierkörbe in Duisburg

Achtung Sommerloch: Künstliche Aufregung um vermeintlich rassistische Papierkörbe in Duisburg
Zugegeben, bei den Sprüchen wird sich vermutlich keiner vor Lachen wegschmeißen. Aber rassistisch?
Die Wirtschaftsbetriebe Duisburg werben mit acht verschiedenen Papierkorb-Aufschriften für eine saubere Stadt. Die Sprüche "Geht doch, Gülcan!" und "Mach et, Mehmet!" sorgen nun jedoch für politisch korrekte Aufregung und füllen so das mediale Sommerloch.

Auf der Webseite der Wirtschaftsbetriebe Duisburg kann man nachlesen, was für eine tolle Stadt die Rhein-Ruhr-Metropole eigentlich sein muss. Dort heißt es:

Duisburg ist eine tolle Stadt. Die Lage am Wasser, das viele Grün, Industrieromantik und der besondere Menschenschlag: Hier sind wir zu Hause!

Und die städtische Straßenreinigung Duisburgs hatte eine besondere Idee, damit Duisburg auch weiterhin toll - und vor allem sauber bleibt. Um die Bürger zusätzlich zu motivieren, Abfälle bei Bedarf auch in einem der 6.000 Papierkörbe der Stadt zu entsorgen, entwickelte man vor einem Monat eine Werbekampagne. Der Slogan, nicht sehr kreativ, aber stimmig: "Mach's rein!"

Neben dem Slogan gibt es mittlerweile auch acht unterschiedliche Sprüche, mit denen die Papierkörbe beschriftet werden. Unter dem Motto "mit Witz, Humor und einem zwinkernden Auge" sollen die Texte gute Laune schaffen und die Menschen zur Mitarbeit an einem sauberen Duisburg animieren.

Eine saubere Sache, könnte man meinen. Doch mit Sinn für Humor ist es so eine Sache – nicht jeder hat den gleichen. Während die Sprüche "Hau rein, Hanna!", "Sauber, Steffi!", "Lass krachen, Lisa!", "Komma hier, Kevin!", "Alles klar, Andi!" und "Respekt, Robert!" prima ankamen, gab es plötzlich Stunk bei "Geht doch, Gülcan!" und "Mach et, Mehmet!"

Mehrere Wochen nach dem Start der Kampagne kritisieren einige Humorexperten in den sozialen Medien, dass diese beiden Sprüche "rassistisch" und "ausländerfeindlich" seien. So twitterte eine Nutzerin: "Hat den Anschein, dass nur Türken ihren Müll auf den Boden werfen. Was kommt als Nächstes?" Auch in einer türkischen Zeitung wurde über die Aktion berichtet.

Es muss am Sommerloch liegen, denn rational lässt sich die Aufregung nicht nachvollziehen. Ungefähr 35.000 der insgesamt 503.000 Duisburger Bürger haben einen türkischen Migrationshintergrund, der Ausländeranteil der Stadt beträgt 20,8 Prozent.

Was liegt da näher, als auch die Bürger türkischer Herkunft mit der Kampagne anzusprechen? Wer den Gedanken etwas weiterdenkt, wird schnell darauf kommen, dass eigentlich genau das Gegenteil "fremdenfeindlich" gewesen wäre – nämlich wenn man so getan hätte, als ob es gar keine Türken in Duisburg gäbe. Auch die Sprecherin der Duisburger Wirtschaftsbetriebe, Silke Kersken, sieht das ähnlich. Sie sei "überrascht. Mit dieser Reaktion haben wir nicht gerechnet". Man habe mit einem Augenzwinkern dazu animieren wollen, die Papierkörbe zu benutzen.

Die Namen sind absolut wahllos genommen worden, es steckt keine Absicht dahinter, jemanden zu beleidigen", 

sagte sie gegenüber der WAZ. Dadurch sollten die in Duisburg stark vertretenen türkischen Mitbewohner mit ins Boot genommen werden. Denn: "Hätten wir das nicht getan, wäre es sicher auch falsch gewesen." Auf Twitter verselbstständigt sich das Thema leider mittlerweile. Zum Teil leider auch mit beleidigenden und teilweise ausländerfeindlichen Kommentaren.

Was lernen wir daraus? Es geht eben nicht überall so sauber zu wie in Duisburg. Manchmal hilft es auch einfach mal, den Computer auszuschalten und den Müll runterzubringen.

Mehr lesen:  Virale Gesichter-App entfernt Selfie-Filter wegen Rassismusvorwürfe [FOTOS]

ForumVostok