"Meister das Schuljahr wie ein Held": Walmart soll in den USA Waffen zum Schulbeginn angeboten haben

"Meister das Schuljahr wie ein Held": Walmart soll in den USA Waffen zum Schulbeginn angeboten haben
War es nur der schlechte Scherz eines Kunden oder hat Walmart tatsächlich eine etwas andere Vorstellung von Bildung?
Während Schüler in Deutschland am Schulbeginn eher an Hefte, Stifte und Bücher denken, bekamen US-amerikanische Schüler jüngst offenbar ein ganz anderes Angebot: Eine Filiale des US-Einzelhandelsriesen Walmart soll Gewehre zum Schulbeginn angeboten haben.

Ein Foto sorgte in den Medien und in den sozialen Netzwerken für Aufsehen: Auf dem Bild ist eine Vitrine mit Gewehren zu sehen. Über der Vitrine erklärt ein Schild worum es hier geht: "Own the School Year like a hero" kann man darauf lesen. Auf Deutsch in etwa: "Meistere das Schuljahr wie ein Held." In einem Land, in dem es immer wieder zu Amokläufen an Schulen kommt, sorgte das Foto für einen gehörigen Shitstorm. Vor allem auf Twitter ließen viele ihrem Unmut freien Lauf.

Walmart reagierte sehr schnell auf die kritischen Kommentare und nannte die Auslage "wirklich schrecklich" und "entsetzlich".

Wir entschuldigen uns für diesen fürchterlichen Fehler und arbeiten daran, die Filiale ausfindig zu machen",

schrieb das Social-Media-Team. Dabei ist jedoch nicht klar, ob das Schild überhaupt von einem Walmart-Angestellten aufgestellt wurde - oder etwa von einem Kunden, der das lustig fand.

Was wir auf diesem Foto sehen, würde in keiner unserer Filialen akzeptiert",

sagte ein Konzernsprecher und ergänzte:

Wir prüfen, wie das passieren konnte.

Walmart ist derweil noch immer auf der Suche nach der Filiale, in der das Foto aufgenommen wurde. Zunächst hatte der Konzern mitgeteilt, das Schild sei mittlerweile entfernt worden. Doch das sei ein Irrtum, so der Konzernsprecher. Walmart hat in den USA mehr als 4.000 Filialen. Das Unternehmen beschäftigt weltweit über zwei Millionen Angestellte und ist damit der größte private Arbeitgeber der Welt.

Keine halbautomatischen Gewehre mehr im Angebot

Walmart ist auch nach wie vor der größte Verkäufer von Schusswaffen und Munition in den USA. Im Jahr 2015 beschloss das Unternehmen, keine Sturmgewehre mehr zu verkaufen. Waffen wie das AR-15 würden nicht ins Herbstprogramm aufgenommen, sagte ein Sprecher damals. Das halbautomatische Gewehr AR-15 war zuvor von verschiedenen Amokläufern in den USA verwendet worden.

So hatte Adam Lanza, der Amokläufer von Newtown, ein AR-15 dabei. Ebenso James Holmes, der 2012 in einem Kino in Aurora, Colorado, ein Blutbad anrichtete. Allerdings ging es bei der Entscheidung von Walmart nicht um ethische Gesichtspunkte, sondern lediglich um den Umsatz. Grund sei die schwache Nachfrage. Immer weniger Kunden würden die Waffe kaufen.

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Dem Einzelhandelsriesen wird zudem immer wieder vorgeworfen, direkt und indirekt die Verbreitung von Ausbeutungsbetrieben in fernen Ländern zu unterstützen, in denen die Walmart-eigenen Marken unter äußerst umstrittenen Arbeitsbedingungen produziert werden. Zudem werfen Kritiker Walmart Preiskriege vor, mittels derer sie kleine Geschäfte vernichten und dadurch Arbeitsplätze und die Vielfalt einschränken sollen.

Walmart regelmäßig Ziel von Kritik und Gerichtsprozessen

Auch die Arbeitsbedingungen bei Walmart selbst sorgen regelmäßig für negative Schlagzeilen. Im Dezember 2005 verurteilte ein Gericht in Kalifornien Walmart zu einer Zahlung in Höhe von 57 Millionen US-Dollar. Das Geld ging an 116.000 frühere und derzeitige Mitarbeiter, denen Walmart systematisch ihre vorgeschriebene 30-minütige Pause verwehrt hatte. Zudem wurde Walmart zu einer Strafzahlung in Höhe von 115 Millionen US-Dollar verurteilt, weil das Unternehmen den Mitarbeitern keine Mittagspause zugestand.

Der nächste Prozess folgte im Oktober 2006. Der Konzern musste aufgrund unbezahlter Mehrarbeit eine Zahlung von 78,5 Millionen US-Dollar an seine Mitarbeiter im US-Bundesstaat Pennsylvania leisten. Laut Medienberichten sind außerdem weitere 70 Verfahren anhängig.

In einem 210 Seiten langen Bericht von Human Rights Watch aus dem Jahr 2007 schrieb die Organisation:

Die gnadenlose Ausbeutung des schwachenArbeitsrechtsin den USA durch das Unternehmen Walmart vereitelt die Gründung von Gewerkschaften und verletzt die Rechte seiner amerikanischen Arbeiter.

Von zentraler Bedeutung, so der Bericht weiter, sei das Ausmaß an Gewerkschaftsfeindlichkeit im Unternehmen und dessen aggressives Vorgehen. Das Verhalten von Walmart sei auch deshalb besonders bedenklich, weil es sich zu dieser Zeit um das zweitgrößte Unternehmen der Welt gehandelt hatte.

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