Skandal um Gift-Eier ruft Justiz auf den Plan: Oldenburger Staatsanwaltschaft ermittelt

Skandal um Gift-Eier ruft Justiz auf den Plan: Oldenburger Staatsanwaltschaft ermittelt
Bodenhaltung, Freiland oder - mit Chemie?
Im Zusammenhang mit dem Skandal um Fipronil im Ei sind immer noch viele Fragen offen. Bundesweit untersuchen Prüflabore derzeit Eier auf das Insektizid. Nun hat sich auch die Justiz eingeschaltet.

Der Skandal um mit Fipronil belastete Eier beschäftigt nun auch die Justiz in Deutschland. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg leitete gegen mehrere niedersächsische Landwirte Ermittlungsverfahren ein, sagte Sprecherin Gesa Weiß am Montag. Es bestehe der Verdacht, gegen das Lebensmittel- und Futtermittelgesetz verstoßen zu haben. Betroffen seien die Verantwortlichen niedersächsischer Eierbetriebe, in denen Eier positiv auf Fipronil getestet wurden. Weitere Details nannte die Sprecherin zunächst nicht.

Bislang waren Ermittlungsverfahren in Belgien und den Niederlanden bekannt geworden. In Belgien gerät unterdessen auch das Vorgehen der nationalen Lebensmittelbehörde in die Kritik. Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) wollte am Montag mit seinem belgischen Kollegen telefonieren.

Bislang bereits 15 Bundesländer betroffen

Bislang ist von drei Legehennenbetrieben im niedersächsischen Landkreis Grafschaft Bentheim bekannt, dass ihre Eier mit Fipronil belastet waren. Hinzugekommen ist inzwischen ein weiterer Betrieb mit 25.000 Legehennen im Landkreis Leer. Alle Betriebe wurden von den Behörden bis auf weiteres geschlossen und die Eier aus dem Verkehr gezogen. Im Landkreis Emsland wurde eine Junghennenaufzucht gesperrt.

Zudem wurde bekannt, dass auch im Saarland mit Fipronil belastete Eier in den Handel gelangt sind.

Es ist sicher, dass wir beliefert wurden", sagte eine Sprecherin des Verbraucherschutzministeriums in Saarbrücken der Deutschen Presse-Agentur am Montag.

Damit sind nach Zählung der Deutschen Presse-Agentur mittlerweile alle Bundesländer - mit Ausnahme Sachsens - betroffen.

Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil muss sich neue Fragen gefallen lassen.

Die Verwendung von Fipronil bei Tieren, die Lebensmittel liefern, ist in der EU verboten. Derzeit wird angenommen, dass ein belgischer Hersteller einem gängigen Reinigungsmittel verbotenerweise Fipronil beigemengt und die Mischung an Betriebe in Belgien, den Niederlanden und Deutschland verkauft hat. Das Insektizid soll Tiere vor Flöhen, Läusen und Zecken schützen.

Der Agrarminister Belgiens, Denis Ducarme, reagierte mit Unverständnis auf das Vorgehen der Behörde FASNK. Laufende Ermittlungen der Staatsanwaltschaft seien "kein Argument", um solche Informationen geheim zu halten, sagte Ducarme am Montag dem belgischen Sender RTBF. Der Verbraucherschutz habe Vorrang. Die Behörde FASNK hatte am Wochenende eingeräumt, schon Anfang Juni über einen ersten Verdachtsfall informiert gewesen zu sein. Erst am 20. Juli wurden andere EU-Staaten in Kenntnis gesetzt.

Haben belgische Behörden zu lange zugewartet?

Auch die Vorsitzende des Verbraucherausschusses des Bundestags, Renate Künast, kritisierte das Vorgehen der belgischen Behörden. Dies sei "ein starkes Stück", sagte die Grünen-Politikerin am Montag im ARD-Morgenmagazin. Bundesagrarminister Schmidt müsse auf europäischer Ebene aktiv werden, damit sich so etwas in Zukunft nicht wiederhole.

Nach der offiziellen Bekanntgabe des Verdachts hatte es Dutzende Nachweise in Eiern niederländischer Produzenten gegeben, Millionen dieser Eier waren nach Deutschland, die Schweiz und Schweden geliefert worden. In Deutschland wurde zudem klar, dass das Fipronil-Gemisch an eine Briefkastenfirma sowie vier Geflügelhöfe in Niedersachsen verkauft worden war. Supermärkte nahmen daraufhin Millionen Eier aus ihren Regalen und vernichteten diese. Zudem gab es auch erste Rückrufe für Produkte mit verarbeiteten Eiern.

Inzwischen verstärkten die nordrhein-westfälischen Behörden die Untersuchung von Eiern auf eine Belastung mit Fipronil. Seit Montag fahndet auch das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt in Krefeld nach möglichen weiteren belasteten Eiern. Bisher war nur das entsprechende Amt in Münster damit befasst.

Gefahr der Schädigung von Organen bei hoher Dosierung

Aus nordrhein-westfälischer Produktion wurden bislang keine belasteten Eier gefunden, sagte ein Sprecher des Düsseldorfer Umweltministeriums. Die bisher bekannten, mit Fipronil belasteten Chargen stammen aus den Niederlanden. Verbraucher sollten belastete Eier dem Handel zurückgeben oder mit dem Restmüll entsorgen, empfiehlt das Ministerium. Bundesweit untersuchten Labore Eier auf Fipronil.

Zwar sind die von Fipronil-Eiern und -Produkten ausgehenden Gefahren für Verbraucher aus Expertensicht bei den bisher gemessenen Konzentrationen überschaubar. In hohen Dosen kann Fipronil für Menschen aber gefährlich sein - in Experimenten mit Ratten schädigte die Substanz nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) das Nervensystem und die Leber. Laut Umweltbundesamt ist Fipronil als Gefahrstoff eingestuft:

Der Wirkstoff ist giftig beim Einatmen, bei Hautkontakt und Verschlucken und führt zur Schädigung von Organen.

(dpa/rt deutsch)