Ur-Blume: Wissenschaftler rekonstruieren erste Blüte der Welt

Ur-Blume: Wissenschaftler rekonstruieren erste Blüte der Welt
Wie eine Magnolie oder Lilie soll sie ausgesehen haben, die Ur-Blume. Symbolbild: Magnolia virginiana (in: American Medicinal Plants aus dem Jahr 1887)
Wissenschaftler haben die wahrscheinlich erste Blume auf der Erde rekonstruiert. Das Ergebnis ähnelt einer Magnolie oder einer Lilie. Diese Ur-Blume könnte vor rund 100 Millionen Jahren bei den Dinosauriern geblüht haben und der Ursprung aller heutiger Blumen sein.

In der Studie, veröffentlicht in der Wissenschaftszeitschrift Nature, berichten Forscher der Universität Paris-Sud und der Universität Wien, wie sie den Ursprung von Blumen zurückverfolgen.

Das internationale Forschungsnetzwerk "eFLOWER project", bestehend aus 36 Wissenschafterinnen aus 13 Ländern, hat Informationen über Blütenmerkmale von heute vorkommenden Arten gesammelt und diese mit Hilfe des Stammbaums der Evolution von Blütenpflanzen analysiert.

Den Wissenschaftlern gelang es, bei der Erstellung einer komplexen Abstammungsgrafik mithilfe des "größten Datensatzes von Blumenmerkmalen, der jemals zusammengestellt wurde", die Evolution der Blühpflanzen auf einen Bedecktsamer (Angiosperme) zurückzuführen. 

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Während der Blume noch kein Name gegeben wurde, zeigt eine Bildrekonstruktion der Spezies detailliert deren physikalische Eigenschaften. Farben wurden aus künstlerischem Zweck hinzugefügt.

Die genetischen Daten von 792 Blüten wurden für diese Forschung verwendet. Der führende Autor Herve Sauquet schlussfolgert, dass die gemeinsame Vorfahrin aller Blumen wahrscheinlich zweigeschlechtlich war, sie also sowohl männliche sowie auch weibliche Geschlechtsorgane besaß.

Es wird angenommen, dass die erste blühende Pflanze vor ungefähr 140 bis 250 Millionen Jahren existierte und etwa 100 Millionen Jahre nach den ersten Nacktsamern. Damit blühte sie während der Zeit des Superkontinenten Pangaea und vor dem Aussterben der Dinosauriern.

Der Studie nach hatte die Blume sowohl Staubblätter als auch ein Gynoeceum und somit beide Fortpflanzungsmerkmale: Zehn männliche Staubblätter und fünf weibliche Fruchtblätter.

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Während es Arten ähnelt, die derzeit auf der ganzen Welt zu finden sind, scheint es heute keine Pflanze zu geben, die dem genauen physischen Aufbau der rekonstruierten Blume entspricht.

"Es gibt keine lebende Art, die diese genaue Kombination von Eigenschaften besitzt", heißt es in der Studie. "Das bedeutet, dass alle vorhandenen Blüten […] in mehreren Aspekten Ableitungen sind."

Die Entdeckung wurde in der Wissenschaft mit Begeisterung aufgenommen, wenn auch mit einigen Einschränkungen. Die Autoren mussten anerkennen, dass ihre Methode auch Grenzen hat. Denn man sollte bedenken, dass bisher keine Fossilien der entworfenen Blüte gefunden wurden.

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