RT-Leser teilt persönliche Eindrücke über humanitäre Lage in Ostukraine

RT-Leser teilt persönliche Eindrücke über humanitäre Lage in Ostukraine
RT-Leser teilt persönliche Eindrücke über humanitäre Lage in Ostukraine
Der gemeinnützige Verein Friedensbrücke-Kriegsopferhilfe e.V. hat eine karitative Aktion für Aktivisten aus dem ostukrainischen Gorlowka veranstaltet. Deutsche Volontäre übergaben am 1. August im russischen Rostow am Don Spenden an Einwohner des Krisengebiets.

Seit einigen Jahren setzt sich der gemeinnützige Verein Friedensbrücke-Kriegsopferhilfe e.V. für die Bevölkerung in der Ostukraine ein. Die Wohltätigkeitsorganisation sammelt Spenden – wie zum Beispiel Kleidungsstücke, Lesebrillen für ältere Leute sowie Süßigkeiten und Malutensilien für Kinder – und überreicht sie dann an Aktivisten aus dem Krisengebiet.

Die jüngste solcher Aktionen hat am 1. August im südrussischen Rostow am Don stattgefunden. Näheres zu der karitativen Veranstaltung berichtet unser Leser Christian Volgmann, Teilnehmer der Friedensfahrt. Hier sind seine ganz persönlichen Eindrücke über die humanitäre Lage in der Ostukraine:

Am 1. August fand mit einem Tag Verspätung das geplante Treffen bei Rostow am Don mit einer kleinen Delegation von sechs jungen Menschen aus dem ostukrainischen Gorlowka statt, bei dem wir unsere mitgebrachten Spenden übergeben konnten.

Eigentlich sollten auch ein paar Kinder aus der zurzeit stark umkämpften Stadt mitkommen. Darauf hatte sich der 6-jährige Erik, einer unserer jüngsten Druschba-Fahrer, ganz besonders gefreut: Er hatte die von ihm aussortierten Spielsachen persönlich überreichen wollen. Die beinahe minütlichen Angriffe auf die Stadt wären allerdings ein viel zu großes Risiko für die Kinder gewesen.

Eugen, der 26-jährige Student und Übersetzer des Sprachinstitutes Gorlowka, machte sich gemeinsam mit fünf Volontären von der Friedensbrücke-Kriegsopferhilfe e.V. (FBKO) und der Hilfsinitiative Doroga Dobra in den frühen Morgenstunden auf den 150 Kilometer weiten Weg nach Rostow, um das Treffen der Freundschaft und Solidarität mit den Menschen des Donbass möglich zu machen.

Bei der Planung der zweiten Freundschaftsfahrt, die uns auch nach Rostow führen sollte, war uns schnell klar, dass wir auch etwas für die Kinder des Donbass leisten wollen. Meiner Frau ist es gelungen, von der Firma Hitschler in Köln 20 Kartons Süßigkeiten, wie auch vier große Kartons mit Leckereien der Firma Intersnack als Unterstützung zu bekommen.

Dass dieses Treffen überhaupt stattfinden konnte, verdanken wir der Organisation von Liane Kilinc (FBKO), die im ständigen Kontakt mit dem Donbass steht, und natürlich auch dem Mut der sechs jungen Menschen, die die gefährliche Reise auf sich nahmen.

Pünktlich um 11 Uhr konnten wir die sechs engagierten Menschen aus Gorlowka kennenlernen. Das Bad in den Fluten des Meeres haben die Sechs nach der Begrüßung besonders genossen. Vier lange Jahre mussten diese herzlichen Menschen wegen des Krieges darauf verzichten. "Es ist viel zu gefährlich, draußen länger unterwegs zu sein", erzählte uns Eugen. Danach luden wir sie zum Mittagessen in ein kleines Restaurant am Strand ein. Es war schön zu beobachten, wie sich die Angst und Anspannung des Krieges für ein paar Stunden auflöste.

Die Gespräche waren rege. Wir hatten viele Fragen an sie und sie hatten viele Fragen an uns. So erfuhren wir, dass es keinerlei Hilfen von offiziellen Stellen mehr gebe. Das Rote Kreuz, wie auch Ärzte ohne Grenzen, hätten sich bereits nach einem Jahr zurückgezogen. Die Hilfen kämen von privater Seite oder durch Vereine wie die FBKO mit ihrer Vorsitzenden Liane Kilinc, welche seit vier Jahren all ihre private Zeit für die Menschen aus dem Donbass einsetzt. "Aber auch von russischer Seite erhalten wir Hilfe", erzählt Eugen und fügt weiter hinzu: "Wir bekommen auch gute medizinische Versorgung und das von der Ukraine, welche auch ihre Kampftruppen hier ins Kriegsgebiet schickt".

Ich bin etwas geschockt; hat es doch eine gewisse Perversion – Menschen medizinisch zu versorgen, um sie dann wieder beschießen zu lassen.

Auch wurde auf unsere Fragen hin bestätigt, dass sich keine russischen Soldaten im Donbass befinden, wie in Deutschland oft behauptet wird. "Es ist eine freiwillige Armee aus Zivilisten, die versucht, unsere Häuser, unser Land und unser kleines Hab und Gut zu verteidigen." Inzwischen seien schon über 80.000 Menschen ums Leben gekommen, darunter auch sehr viele Kinder. Selbst die ukrainischen Soldaten hätten keine Lust mehr auf den Krieg gegen die eigene Bevölkerung. "Es sind vor allem ukrainische Faschisten und deren Bataillone, die die Region auslöschen möchten".

Dann ging es an das Verladen der Spenden, darunter auch die in letzter Minute eingetroffenen Bastel- und Malutensilien für Schulen und Kindergärten. Außerdem konnten wir 300 Euro überreichen, die uns einige Teilnehmer und Freundschaftsfahrer beim Start in Berlin als finanzielle Hilfe für die Menschen im Donbass mit auf den Weg gegeben hatten.

Von hier also nochmals ein großes Dankeschön an alle Spender! Eugen war es wichtig, auch persönliche Grüße an alle zu senden: "Danke für die großartige Unterstützung und vor allem dafür, dass ihr uns nicht vergessen habt. Die Menschen hier wünschen sich einfach nur noch Frieden."

Und wir hoffen jetzt, dass sie alle sechs heil und gesund zurück nach Gorlowka zurückgekommen sind, und bedanken uns für diese nette Begegnung.

PS: Persönliche Anmerkung: Am Abend hatten wir mit den anderen Druschba-Fahrern (die später eintrafen), eine gemeinschaftliche Schifffahrt auf dem Don mit Musik und allem Drum und Dran. Es macht mich unendlich traurig zu erleben, dass nur 200 Kilometer weiter Menschen beschossen werden, während hier alles in Ordnung ist.