Beliebt in der Sowjetunion: Verkaufsschlager Speiseeis

Beliebt in der Sowjetunion: Verkaufsschlager Speiseeis
Auf der 1. Mai-Demonstration in Moskau, 1964
Sowjetischer Lebensstil rückt mit jedem Jahr in weite Ferne. Und mit jedem Jahr erringen seine schöne Seiten immer mehr Kultstatus. Unverzichtbar dabei sind die Speiseeise Plombir und Eskimo.

Moskau,1. Juli 1981

Ausländische Touristen würden sagen, dass es drei Gründe gab, die UdSSR zu besuchen: Eine Ballett-Aufführung zu sehen, in den Zirkus zu gehen oder ein leckeres Eis zu genießen. Jedes Jahr exportierte das Land mehr als 2 000 Tonnen dieser Delikatesse. Was aber machte das sowjetische Speiseeis so besonders?

Elton John in Moskau. 26. Mai 1979.

Speiseeis erlebte in der Sowjetunion der 1930er Jahre einen besonderen Boom, nachdem die Regierung bestimmte Standards für dieses Dessert eingeführt hatte. Die Menschen im ganzen Land genossen die gleichen Marken und Eis wurde so etwas wie der Pudding der Nation. Die Hersteller durften nur natürliche Inhaltsstoffe verwenden, chemische Zusatzstoffe waren in Nahrungsmitteln nicht erlaubt.

Eisverkauf im Jahr 1935

Das Eis wurde in 50- oder 100-Gramm-Packungen auf der Straße, an Kiosken oder in Cafés verkauft. Oft holten die Leute gleich mehrere Packungen, damit auch alle Familienmitglieder etwas abbekamen.

Litauen, August 1983

Verkäuferinnen, die durch ihre spezielle Haube auffielen, öffneten ihre mobilen Eistheken und die Menschen entnahmen ihre gewünschte Marke.

Vilnius, September 1986

In den Cafés wurden Eissorten mit verschiedenen Geschmacksrichtungen angeboten. Es wurde in besonderen Metallschalen in Form von Kugeln gereicht, auf die geriebene Schokolade oder Nüsse geträufelt wurden. Manchmal wurden die Eiskugeln auch in Sirup getränkt. Wenn man Glück hatte, konnte man alle drei Varianten zusammen bestellen.

Kaufhaus GUM am Roten Platz, Januar 1984

Das beliebteste Eis der Sowjetära gab es im Moskauer Kaufhaus GUM. Das Eis wurde in Waffeltüten in den Geschmacksrichtungen Crème Brûlée, Schokolade oder Vanille verkauft. Für viele Touristen der sowjetischen Metropole war der Genuss eines Eises im GUM ein absolutes Muss. Zudem liegt das Kaufhaus sehr zentral am Roten Platz gegenüber dem Kreml und dem Leninmausoleum sowie in der Nähe der Basilius-Kathedrale. Sein Rezept ist ein Geheimnis. Bis heute erfreut sich das Eis im GUM sowohl unter Moskauern als auch Touristen großer Beliebtheit.

Podolsk, Moskauer Gebiet, Juli 1990

Das Eis in der Waffeltüte oder im Waffelbecher war normalerweise mit dünnem Papier abgedeckt, das die Kinder oft an Türen oder Fenster klebten

Die Werbung für verschiedene Eissorten des Ministeriums für Fleisch- und Michwirtschaft

In den 1950er Jahren wurde für das sowjetische Speiseeis mit Tiermotiven geworben. So reichte ein Pinguin einen Teller mit Eis, eine Robbe balancierte einen Eisbecher auf ihrer Nase und ein Eisbär tummelte sich auf einem Berg aus Speiseeis.

Eines der populärsten Sorten war ein Eis am Stiel in Form eines Eskimos. Bis zum Ende der 1940er Jahre wurde dieses Eis manuell hergestellt und der Stiel wurde separat dazu gereicht.

Speiseeis “Das Lakomka”

“Das Lakomka” (“Gourmand”) kam in der Mitte der 1970er Jahre auf und wurde quasi über Nacht zu einem der beliebtesten Speiseeise in der UdSSR. Lakomka ist eine mit einem Schokoladenmantel versehene Rolle aus Sahne- oder Schokoeis. Es kostete 28 Kopeken, soviel wie neun Fahrten mit der Straßenbahn. 

Dosen mit Plombir in Pulverform für häusliche Zubereitung

Das teuerste Eis in der Sowjetunion war “Plombir” für 48 Kopeken. Eine Packung beinhaltete 250 Gramm, was für eine ganze Familie nicht ausreichte. Die Leute liebten es, das Eis mit hausgemachter Marmelade (varenye) zu garnieren. Das billigste Eis war einfaches Fruchteis (Sorbet), das nur sieben Kopeken kostete. Es war nur in Pappbechern erhältlich. Dieses Eis mochten die Kinder nicht so gerne, aber wenn das Geld für ein besseres fehlte, gaben sie sich auch damit zufrieden.

Nach dem Kollaps der Sowjetunion brach auch die Produktion von Speiseeis zusammen. In den 1990er Jahren begann das Land internationale Marken zu importieren und die sowjetischen Standards wurden nicht mehr eingehalten. Heutzutage ist der wunderbare Sahnegeschmack nur noch ein heiliges Relikt aus alten Zeiten um in schönen Erinnerungen zu schwelgen.

Moskau, 1972

Der Artikel erschien im Original bei unserem Kooperationspartner Russia beyond the Headlines.

ForumVostok