Von Lissabon nach Wladiwostok: Kätzchen versus Tiger - Unser Weg durch Usbekistan und Kasachstan

Von Lissabon nach Wladiwostok: Kätzchen versus Tiger - Unser Weg durch Usbekistan und Kasachstan
Ein deutsch-russisches Paar wagt sich auf eine Erkundungsreise durch Eurasien. In vier Monaten wollen Jana und Dima von Lissabon bis nach Wladiwostok reisen und sich dabei in Völkerverständigung üben. Dieses Mal vergleichen unsere Weltreisenden den "Tigerstaat" Kasachstan mit seinem Nachbarn Usbekistan.

Wie sehr freut sich ein Mensch, eine Tankstelle zu sehen, in der es kalten Eistee zu kaufen gibt UND in der man auch noch mit Kreditkarte zahlen kann? Wir können es Euch sagen, sehr bis übermäßig ausgelassen und euphorisch tanzend. Der Ort, an dem man sich so sehr über für uns mittlerweile Selbstverständlichkeiten freuen kann, liegt direkt an der ersten Tankstelle hinter der usbekischen Grenze und vor der Stadt Shymkent in Kasachstan.

Usbekistan hat uns fix und fertig gemacht. Ein Land, welches mit unglaublich vielen inneren Problemen zu kämpfen hat. Angefangen bei der Wirtschaft bis hin zu infrastrukturellen Sorgen. Doch wie so oft auf Reisen, wird man für die vielen Strapazen bisweilen belohnt. Drei wunderschöne orientalische Perlen Chiwa, Bukhara und Samarkand haben uns einigermaßen für die Beschwerlichkeiten entschädigt.

Doch von vorne: Der Horror begann schon an der Grenze. Obwohl wir als Touristen von den Grenzern freundlich und bevorzugt behandelt wurden, hat der gesamte Prozess acht Stunden gedauert. Mehrere Stunden standen wir in der Hitze im Niemandsland zwischen Kasachstan und Usbekistan. Die Usbeken selber wurden von ihren eigenen Grenzern wie Vieh behandelt. Während wir nur etwa drei Stunden dort warteten, müssen hier manche tagelang zwischen Staub und Stacheldraht ausharren.

Kein Vorankommen in Usbekistan, kein Zurück nach Kasachstan. Mehr als zwei Autos pro Stunde wurden von den Usbeken nicht abgefertigt, was an den umfangreichen Kontrollen liegt - bloß nichts Westliches in das Land lassen. Jedes einzelne Auto wird bis auf das Ersatzrad und die Kofferraumverkleidung ausgeräumt. Ein trauriges Schauspiel. Wir setzten mit der Fähre von Aserbaidschan nach Kasachstan rüber und verließen das Land am nächsten Tag über diese Grenze, um später an einer anderen wieder einzureisen.

Usbesistan Samarkand, Jana vor dem Mausoleum Emir

Das nächste Hindernis stellte das Tanken dar. Benzin gibt es in Usbekistan nur auf Nachfrage, in schlechter Qualität oder ganz einfach gar nicht. Beim ersten Tankstopp an der einzigen staatlichen Tankstelle in Nukus erhält man Benzin nur nach Liste. Auf dieser steht, wer, wann, wie oft, und wie viel tanken darf. Da für unseren touristischen Fall kein Eintrag auf dieser existiert, mussten wir dem Tankwart klar machen, dass wir uns gerne sein Land anschauen würden, aber ohne Benzin es nicht mal bis aus Nukus raus schaffen werden. Das wirkte anscheinend und uns wurde geholfen.

Tanken auf Usbekisch

Auch Geld ist ein schwieriges Thema in Usbekistan. Die einheimischen Sum sollte man nur auf dem Schwarzmarkt gegen Dollar tauschen, da hier der Kurs doppelt so hoch ist, wie der offizielle Kurs. Das ist allgemein bekannt und dieses Geschäft wird von organisierten Kreisen und der Polizei geregelt. Jeder erhält hierbei seinen Anteil. Touristen müssen unbedingt selbst ihre Dollar mitbringen. Es ist sehr schwer bis nahezu unmöglich, selbst an Dollar zu kommen.

Usbekistan, Bukhara Holzmoschee

Die Nationalbank Usbekistans gibt seit dem Jahr 2015 keine Dollar mehr aus. Die Bevölkerung traut dem Bankensystem schon lange nicht mehr über den Weg. Ein weiteres Relikt aus sowjetischen Zeiten fanden wir in der autonomen Republik Karakalpakistan, im Westen Usbekistans vor. Dort wurden wir vor jeder Stadt mit einem geschlossenen Tor begrüßt, das erst geöffnet wurde, nachdem wir uns mit den Pässen und dem Auto registriert haben. In große schwarze Bücher werden unsere Daten eingetragen. Liest die später eigentlich jemand? Und wo wird diese Masse an Papierdaten wohl gelagert? Fragen über Fragen begleiten uns auf unserem weiteren Weg durch die Steppe Usbekistans.

Usbekistan, Bukhara Koranschule

Die Hotels sind im ganzen Land für Touristen um ein vielfaches teurer als für Einheimische, was in Städten wie Nukus nicht mal ansatzweise gerechtfertigt ist. Ja, es ist okay 50 Dollar für ein Hotel zu bezahlen, aber dann sollten die Zimmer auch sauber sein oder wenigstens heißes Wasser haben. Gäbe es gute Infrastruktur ohne badewannengroße Löcher in den Straßen oder sogar Benzin, wären die Preise für Touristen auch noch verständlicher. Leider ist kein Verhandeln möglich, da die Preise vom Staat diktiert werden. Es bleibt also noch das eigene Auto oder die wenigen privaten Unterkünfte, die erschwinglicher sind.

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Usbekistan Bukhara

Die Korruption der Polizei ist nicht in Worte zu fassen. Wir wurden von gefühlt jedem einzelnen Polizisten in diesem Land angehalten. Von Freund und Helfer kann keine Rede sein. Von „Sie haben einen Meter hinter dem Stoppschild gebremst“ über „Sie haben getrunken“ (morgens um 10) bis hin zu „Sie sind 3 Km/h zu schnell gefahren“ war einfach alles dabei. Kein Polizist, dem nicht ein grandioser Grund eingefallen ist, um zu versuchen, uns etwas Geld aus der Tasche zu ziehen. Kleinste Alltagssituationen werden so unnötig in die Länge gezogen. Die Zeit, die wir mit Registrierungen und Polizeikontrollen verschwendeten, hat uns am Ende so wütend gemacht, dass wir vorzeitig den eigentlich so schönen Orient verlassen haben.

Usbekistan, Chiwa

Ein Land mit einmaligen Bauten, interessanten Menschen und einer fesselnden Geschichte hat uns in die Flucht getrieben.

Usbekistan, Chiwa

Eine Wirtschaft kann so nicht wachsen. Der Tourismus könnte blühen, denn an Sehenswürdigkeiten, wunderschönen geschichtsträchtigen Bauten sowie offenherzigen Menschen mangelt es nicht. Dennoch möchten wir diese Erfahrung und dieses Abenteuer auf unserer Reise auf keinen Fall missen.

So sieht man doch, wie leicht wir es in Deutschland oder auch Russland haben.

Kasachstan "on the road"

Wir begeben uns zum starken Nachbarn, dem Tigerstaat Kasachstan. Zu Beginn dieselbe Landschaft, fast die gleiche Küche und Kasachen, die den Usbeken äußerlich so ähneln. Und doch könnten die beiden Länder unterschiedlicher nicht sein. Eine starke Infrastruktur herrscht in Kasachstan vor, die sich einem größtenteils guten Straßennetz, vielen Tankstellen, Läden und Bankomaten an jeder Ecke äußert. Auch die Supermärkte unterscheiden sich sehr. Hier gibt es wieder westlichere Produkte und eine große Auswahl an Lebensmitteln. Die Städte Almaty und Astana sind im Vergleich zu Bukhara und Samarkand ein himmelweiter Unterschied.

Kasachstan, Astana

Moderne, stählerne Hochhäuser, viele Geschäftsviertel und Banken bestimmen die Architektur in der Hauptstadt Astana. In Almaty wird das Bild von gemütlichen Cafés und grünen Alleen geprägt.

Wie können zwei unabhängige Staaten, die direkte Nachbarn sind, so verschieden sein?

Diese Frage stellen wir uns immer und immer wieder. Wir können es einfach nicht verstehen. Ganz klar liegt es an der Regierung Usbekistans, doch die Menschen schauen westliches Fernsehen, fahren nach Kasachstan zum Einkaufen, aber nach Revolution riecht es nicht im Land. In Usbekistan hat erst im Dezember 2016 der Präsident gewechselt. Nach mehr als 20 Jahren, ein neues Gesicht im Parlament. Es scheint, dass der Alte sich nicht von den Ideen des Sowjetregimes verabschieden konnte, fast den gesamten Import verboten hat und die Bauern zum Baumwollanbau zwingt.

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Kasachstan, Astana Expo

In Kasachstan ist Nasarbajew auch seit über 20 Jahren an der Macht. Dieser scheint jedoch eine modernere Orientierung anzustreben. Natürlich ist auch in Kasachstan nicht alles perfekt. Auch hier werden wir von Polizisten angehalten und auch hier wird versucht, Geld von uns locker zu machen. Doch war es dort einfacher, die Polizisten abzuwehren.

Vor allem der Satz: „Wir kommen gerade aus Usbekistan und haben kein Geld mehr“, hat sie uns öfter mit einem Lachen durchwinken lassen.

Und täglich grüßt das Murmeltier, auch in Kasachstan hält uns immer wieder die Polizei an

Ein Ende der Korruption im öffentlichen Bereich ist aber anscheinend auch hier noch Lange nicht in Aussicht. Ein Müllproblem haben definitiv beide Länder. So viele Menschen werfen einfach ihren Abfall auf die Straße oder in die Landschaft. Sie scheinen nicht mal darüber nachzudenken, dass sie die Zukunft und die Natur für ihre Kinder und Enkelkinder zerstören.

Kasachstan, Expo Astana - Schülergruppe beim Future Energy Forum

Das Verständnis der Einwohner für Abfallentsorgung und Umweltschutz hat den Stand eines Entwicklungslandes. Da hat auch die Expo ist Astana bisher wenig erfolgreiche Aufklärungsarbeit leisten können.

Dennoch, trotz Hochs und Tiefs bereuen wir nichts. Wir haben in Kasachstan eine unglaubliche Natur sehen dürfen: Die Kolsay Seen, den Charyn Canyon und sogar Flamingos am Tengiz See.

Kasachstan Charyn Canyon
Kasachstan Kolsay Seen
Kasachstan Flamingos am Tengizsee

Den Orient gab es zum Anfassen in Usbekistan mit den unzähligen blau gekachelten Moscheen und den kunstvoll verzierten Wänden und den schattigen Winkeln der ehemaligen Koranschulen. Schon deswegen hat sich unser Weg hierher gelohnt. Reisen bildet, regt zum Nachdenken an und macht auch dankbar für das, was man selber hat. Wir ziehen uns jetzt erst mal ins Altai nach Russland zurück und machen ein paar Tage nichts außer Holz sammeln, Schaschlik braten und aufs Wasser starren.

Kasachstan, Wildcampingplatz

RT Deutsch bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln. Diese Abenteuerreise kann man sowohl auf RT Deutsch als auch direkt auf dem Blog von Jana und Dima, lisbon2vladivostok.eu, verfolgen.

Mehr zum Thema, wie die Reise begann: Eine halbe Weltreise als Zeichen deutsch-russischer Liebe: Von Lissabon nach Wladiwostok

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