Fake-Call: Russische Komiker verblüffen US-Energieminister Rick Perry

Fake-Call: Russische Komiker verblüffen US-Energieminister Rick Perry
Positive Energie, schmutzige Geschäfte: Der ehemalige Gouverneur Rick Perry wurde von Donald Trump zum Energie-Minister der USA berufen, Washington, 19. Januar 2017.
Letzten Mittwoch hat US-Energieminister Rick Perry mit dem ukrainischen Ministerpräsidenten Wolodymyr Hrojsman den Kohleexport in die Ukraine und andere Energieangelegenheiten diskutiert. Das einzige Problem: In Wirklichkeit sprach er mit russischen Komikern.

Wladimir Krasnow (Wowan) und Alexej Stoljarow (Lexus) werden manchmal „Jerky Boys of Russia“ genannt. „Diese Personen sind für ihre Streiche gegen hochrangige Beamte und Prominente bekannt“, erklärte die Sprecherin des Energieministeriums, Shaylyn Hynes, in einem schriftlichen Statement. Das Gespräch ist auf der Website Vesti.ru veröffentlicht. 

Perry glaubte, dass er mit dem ukrainischen Ministerpräsidenten Wolodymyr Hrojsman telefonierte. In dem rund 20-minütigen Gespräch redete er über verschiedene Themen, darunter Sanktionen gegen Russland, Kohle- und Erdgaslieferungen an die Ukraine sowie die Nordstream-2-Gaspipeline. 

„Das Thema der Kohleexporte in die Ukraine sowie US-Sanktionen gegen Russland ist höchst aktuell, deshalb haben wir den US-Energieminister als Ziel gewählt“, erklärt Alexej Stoljarow. 

„Aus dem Ruder gelaufen“: Moskau reagiert auf neue US-Sanktionen

„Ich hoffe, wir treffen uns im August und geben uns die Hand“, eröffnete der Minister das Gespräch. Die allererste Frage richtete sich nach dem Kohlpreis - die Prankster wiesen darauf hin, dass die Preise für die Ukraine dreimal gestiegen sind und zurzeit 206 Dollar pro Tonne betragen. Damit würde das Land erheblich mehr zahlen als für die Steinkohle aus den ukrainischen Volksrepubliken oder aus Russland.

„Ich würde es bevorzugen, zuerst eine offizielle Bestätigung dafür zu bekommen“, antwortete Perry.

Eine vernünftige Reaktion, wenn es denn keine offizielle Bestätigung geben würde: Perrys Ministerium veröffentlichte schon Berichte dazu. So stieg der Kohlepreis für die Ukraine von 71 auf 206 Dollar pro Tonne, während er sich für andere Länder verringerte. So zahlt Norwegen in diesem Jahr nur 125 Dollar statt 140 Dollar im Jahr 2016.

Dann äußerte sich Perry zum Projekt Nordstream 2: „Wir sind dagegen. Der Ukraine mehr Optionen zu geben, das ist in jedermanns Interesse, mit Ausnahme Russland, aber das ist OK“, sagte er. Er behauptete auch, dass Deutschland und Österreich die neuen US-Sanktionen unterstützen würden. Diese Länder bräuchten nach Ansicht Perrys „breitere Möglichkeiten“ und Nordstream 2 begrenze sie nur. Nach dieser Auskunft sollte Rick Perry überrascht sein, wie scharf die EU auf das neue US-Sanktionspaket reagiert.

Mit neuen Sanktionen will Washington Russland vom europäischen Energiemarkt aussperren. Die Europäische Union erwägt Vergeltungsmaßnahmen, da auch EU-Firmen von den Sanktionen betroffen sein könnten.

Was die angebliche Einmischung der russischen Hacker in die US-Wahlen angeht, bestätigte Perry diese Vorwürfe überraschenderweise nicht. Er bemerkte nur, dass es „überall einzelne Personen gibt, die Cyberangriffe verüben“.

Richtig absurd wurde es, als die russischen Komiker Perry vorgaukelten, dass der ukrainische Präsident Petro Poroschenko einen Biotreibstoff aus Alkohol und Schweine-Dung erfunden habe. Ein Tankschiff mit diesem Treibstoff sei bereits nach Limpopo geschickt worden, wo Rebellen gegen Putins Regime kämpfen. 

„Ich warte auf das Treffen mit dem Präsidenten, um nähere Informationen zu verlangen“, antwortete Minister. Weder der sinnfreie Treibstoff noch das erfundene Land erweckten einen Verdacht bei ihm.

„Perry wird wohl nicht verstanden haben, dass es ein Scherz war“, erklärte Stoljarow. „Er hat den Hörer doch nicht aufgelegt. Und vielleicht glaubt er, dass so ein Land wie Limpopo wirklich existiert. Meiner Meinung nach erlauben die US-Politiker es der Ukraine einfach, sich jede Extratour zu leisten“.