Kloputzen gegen kostenloses WLAN: Kunden fallen auf britischen Netz-Anbieter herein

Kloputzen gegen kostenloses WLAN: Kunden fallen auf britischen Netz-Anbieter herein
Es lohnt sich immer, dass Kleingedruckte zu lesen. Nicht nur in diesem skurrilen Fall.
Mit einer aufsehenerregenden Aktion mahnte der WLAN-Anbieter Purple seine Kunden dazu, sich mit dem Kleingedruckten in Verträgen zu beschäftigen. Die AGBs beinhalteten unter anderem Kloputzen und das Bemalen von Schneckenhäusern.

Der britische WLAN-Dienstleister Purple hat sich einen Scherz erlaubt - allerdings mit einem ernsten Hintergrund. Er versteckte in seinen AGBs diverse Zusatzklauseln. Das Kleingedruckte enthielt unter anderem die Verpflichtung der Teilnehmer, für 1.000 Stunden die Dixie-Klos auf Festivals zu putzen. Im Gegenzug bot Purple kostenloses WLAN an. Nicht weniger als 22.000 Briten erklärten innerhalb von zwei Wochen ihre Zustimmung zu dem zweifelhaften Angebot.

Neben dem Putzen von Klos sahen die AGBs auch noch andere nicht alltägliche vertragliche Nebenpflichten vor, etwa Abwasserrohre mit der Hand zu reinigen und Kaugummis vom Gehweg zu kratzen. Dazu streunende Katze und Hunde umarmen und Schneckenhäuser bemalen. Zu all dem erklärten sich die Vertragspartner bereit, ohne darüber überhaupt Kenntnis zu erlangen. Die zwielichtigen Passagen waren im Kleingedruckten des rechtskräftig abgeschlossenen Vertrags versteckt.  

Der nicht ganz ernst gemeinte PR-Stunt solle laut CEO Gavin Wheeldon die Bürger auf den Inhalt der Allgemeinen Geschäftsbedingungen aufmerksam machen: "WLAN-Nutzer müssen die Geschäftsbedingungen lesen, wenn sich bei einem Netzwerk einloggen", warnte Wheeldon seine Klientel. Er betonte, dass niemand sich Sorgen machen müsse und man nicht daran interessiert sei, Menschen dazu zu verpflichten, Klos zu putzen.

Eine weitere Klausel sollte die Probanden sogar belohnen. All denjenigen, denen die Mogelpackung auffallen würde, wurde ein Gutschein für Amazon in Höhe von 100 Pfund zugesichert. Laut Angaben von Purple traf dies jedoch nur genau auf eine Person zu.

F-Secure nahm "Opfern des Erstgeborenen" in AGBs auf

Bereits 2014 erlaubte sich die in London ansässige IT-Sicherheitsfirma F-Secure eine ähnliche PR-Aktion. Damals loggten sich betroffene Personen bei einem WLAN ein mit dem Verweis, dafür ihr erstgeborenes Kind opfern zu müssen. F-Secure hob hervor, dass der Handel mit Menschen grundsätzlich illegal sei, die allgemeinen Geschäftsbedingungen jedoch ihre Gültigkeit bewahren.

In Deutschland sind nach Paragraph 305c des BGBs so genannte überraschende Klauseln unwirksam. Bedingungen sind also ungültig, wenn sie nach dem äußeren Erscheinungsbild des Vertrags so ungewöhnlich sind, dass der Vertragspartner nicht mit ihnen zu rechnen braucht. Die überraschende Passage wäre demnach unwirksam, alle weiteren Bestandteile des Vertrages hätten jedoch Bestand. Der Vertrag selbst würde bestehen bleiben.

Eine Studie des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet hat unlängst ergeben, dass nur 20 Prozent der Nutzer das Kleingedruckte lesen.

Mehr lesen: https://deutsch.rt.com/inland/48409-mass-schwingt-zensurkeule-gesetzentwurf-gegen/