Käufliche Experten? Vorwürfe gegen Google nach Millionenspenden an Wissenschaftler

Käufliche Experten? Vorwürfe gegen Google nach Millionenspenden an Wissenschaftler
Google-Bürogebäude in Cambridge, Massachusetts, im Juni 2017 - REUTERS/Brian Snyder
Google hat offenbar jahrelang Forschungsprojekte finanziert, um seine Geschäftsinteressen auf politischer Ebene durchzusetzen. Nach einem Bericht seien bis zu 400.000 US-Dollar für Studien in Bereichen wie Kartellrecht, Daten- oder Urheberschutz geflossen.

Google ist groß, Google ist einflussreich und das Unternehmen kauft sich nun auch noch weiteren Einfluss durch die akademische Hintertür. Dies zumindest behaupten Kritiker. Wie die US-amerikanische NGO "Kampagne für Rechenschaftspflicht" (Campaign for Accountability) in einem Bericht feststellte, hat Google seit dem Jahr 2005 knapp 330 Papiere in den Bereichen Politik und Forschung finanziert, um damit die Politik auf verschiedenen Ebenen zu eigenen Gunsten zu beeinflussen.

Google nutzt seinen immensen Reichtum und seine Macht, um politische Entscheidungsträger auf allen Ebenen zu beeinflussen", meint Daniel Stevens, Geschäftsführer der CfA, und fordert, die Regulierungsbehörden sollten sich zumindest dessen bewusst werden, dass die angeblich unabhängige juristische und akademische Arbeit, auf welche sie sich stützen, von Google an sie weitergegeben wurde.

Über 60 Prozent der Autoren gaben keine Auskunft

Wie die Untersuchung von CfA zeigte, finanzierte das Unternehmen unter anderem die Arbeit von Wissenschaftlern international anerkannter Eliteunis wie Oxford, Edinburgh, Stanford, Harvard, MIT und der Berlin School of Economics. In mehr als der Hälfte aller untersuchten Fälle erhielten die Autoren direkt ihr Honorar, in den übrigen erhielten sie ihre Belohnung indirekt über von Google unterstützte Institutionen, so CfA. Die begünstigten Auftragsautoren erhielten zwischen 5.000 und 400.000 US-Dollar, verschwiegen dies aber in über 60 Prozent aller Fälle.

Die von Google beauftragten Experten übernahmen einflussreiche Rollen in akademischen und staatlichen Konferenzen zu Themen wie Datenschutz- und Kartellrecht. In eigener Sache waren sie dabei jedoch weniger transparent und verschwiegen ihre Verbindungen zum Unternehmen Google, welches dann jedoch auf den Konferenzen seine eigenen Positionen mit Bezug auf die vermeintlich unabhängige wissenschaftliche Forschung untermauerte.

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So berief sich der Unternehmens-Chef Eric Schmidt in seiner schriftlichen Darlegung an den US-Kongress, der zufolge seine Firma kein Monopol bilde, auf einen von Google finanzierten Autor, verschwieg dabei aber die eigenen Verbindungen zur zitierten Studie. Dabei ist Schmidt ohnehin bestens vernetzt: Er gehörte ab 2009 zum Beraterteam des damaligen US-Präsidenten Barack Obama in Technologiefragen, lehrt zudem an der Stanford University und leitete nach den Umstrukturierungen bei Google das Tochterunternehmen Alphabet Inc.

CfA fordert nun, dass die Wissenschaftler, welche Gelder von Google erhalten, dies preisgeben müssen, damit die Öffentlichkeit auch den Kontext ihrer Arbeit wahrnehmen kann.

"Wir unterstützen doch nur die Weiterentwicklung der Forschung"

Das Unternehmen verteidigte sich und schürte Zweifel an der CfA-Studie. Diese sei irreführend, da darin auf jedwede Organisation eingegangen würde, welche jemals Spenden erhalten hätte.

Googles Politik-Direktorin, Leslie Miller, legte die eigene, aus Sicht der NGO fragwürdige Praxis in einem Blog-Beitrag als uneigennützige Wissenschaftsförderung in Bereichen aus, die das Gemeinwohl betreffen.

Unsere Unterstützung für die Grundsätze eines offenen Internets wird von vielen Akademikern und Institutionen geteilt, die eine lange Geschichte der Forschung zu diesen Themen haben - über wichtige Bereiche wie Urheberrecht, Patente und freie Meinungsäußerung. Wir unterstützen sie in der Weiterentwicklung der Forschung und der Sensibilisierung des öffentlichen Bewusstseins für ihre Ideen.

Miller behauptete, Google erwarte von den Wissenschaftlern die Offenlegung der Spenden, um ihre "Unabhängigkeit zu wahren". Einige der Wissenschaftler hätten die Positionen des Unternehmens in Bereichen wie Datenschutz, Netzneutralität und Kartellrecht immerhin kritisiert.

Dann drehte sie den Spieß um und erhob ihrerseits den Vorwurf der Gefälligkeitsneigung gegen die Organisation CfA. Diese würde unter anderem vom Unternehmen Oracle finanziert, welches eine großangelegte Kampagne gegen Google führe.

In der gleichen Liga wie Öl- und Tabakkonzerne

Doch der CfA-Direktor Stevens verwies darauf, dass dies eine typische Reaktion von Google sei. Immer, wenn die Firma wegen angreifbaren Verhaltens bloßgestellt werde, zeige sie mit dem Finger auf jemand anderen.

"Anstatt die Schuld umzulenken", so Stevens, sollte Google sich um seine verzeichneten Fälle von Spenden an die Wissenschaft kümmern, welche das Unternehmen in die "gleiche Liga" mit großen Öl- und Tabakkonzernen bringe.

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