Renaissance der Schallplatte - Sony will wieder Vinyls pressen

Renaissance der Schallplatte - Sony will wieder Vinyls pressen
Die Schallplatte, wie wir sie heute kennen, gibt es seit 1887. Damals gelang dem deutsch-amerikanischem Erfinder und Industriellen Emil Berliner der entscheidende technische Durchbruch. Die Schellack-Knappheit während des Zweiten Weltkriegs bahnte ab Mitte der 1940er Jahre der Vinylplatte den Weg.
In den 1980er Jahren erfand Sony zusammen mit Philips die CD. Der Schallplatte wurde daraufhin ein schleichender Tod vorhergesagt. Doch Totgesagte leben bekanntlich länger. Das Vinyl erlebt eine Renaissance – und Sony will wieder Schallplatten pressen.

Erst war das Festhalten an der Vinylschallplatte eine Marotte einiger weniger unverbesserlicher Traditionalisten. Mittlerweile feiert diese Form des Musikerlebnisses auch auf breiter Ebene ein Comeback und die Unterhaltungsindustrie kommt nicht mehr daran vorbei.

Der japanische Elektronik- und Unterhaltungsriese Sony setzt nach über 30 Jahren Abstinenz wieder auf Vinyl. Wie das Unternehmen in Tokio mitteilte, sollen ab kommendem März in einem Werk in Tokio wieder Schallplatten gepresst werden. Auslöser sei die steigende Nachfrage der Verbraucher nach Tonträgern im Retro-Stil.

Das Unternehmen hatte die Schallplatten-Herstellung 1989 eingestellt, als sich die meisten Musikliebhaber auf die noch relativ neue CD-Technologie stürzten. An deren Entwicklung war Sony selbst maßgeblich mitbeteiligt gewesen. Zuvor hatten die Produktionszahlen in der Vinyl-Blütezeit Mitte der 1970er Jahre in Japan insgesamt bei fast 200 Millionen Stück pro Jahr gelegen.

CD auf dem absteigenden Ast

Mittlerweile ist der CD-Absatz weltweit rückläufig, vor allem wegen der Konkurrenz durch Downloads und Streaming-Dienste. Gleichzeitig wenden sich aber auch jüngere Kunden zunehmend wieder der traditionellen Schallplatte und damit der Audio-Welt ihrer Eltern und Großeltern zu. Der weltweite Umsatz dürfte in diesem Jahr die Milliardengrenze in US-Dollar durchbrechen. Die wenigen verbliebenen Hersteller von Vinylschallplatten, wie das japanische Unternehmen Toyokasei, haben große Nöte, die steigende Nachfrage zu bedienen.

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Bereits im vergangenen Jahr brachte Sony nach langer Pause erstmals wieder einen neuen Plattenspieler auf den Markt. Doch was die Rückkehr zu den Schallplatten betrifft, steht Sony steht vor einem Problem: Während der langen Unterbrechung ist viel an Know-How verloren gegangen. Ein Unternehmenssprecher sagte, man wolle deshalb ältere Fachkräfte ansprechen, die noch wissen, wie man Schallplatten herstellt.

Verkauf von Vinylplatten seit 2010 verfünffacht

Welche Musikstücke dann anschließend auf Vinyl gepresst werden, ist nach Angaben von Sony noch offen. Erwartet wird ein Mix aus älteren und aktuellen Titeln. Auch über die geplante Kapazität des Werkes in der Präfektur Shizuoka machte das Unternehmen keine Angaben.

In Deutschland wurden im vergangenen Jahr 3,1 Millionen Vinyl-Schallplatten verkauft. Das ist in etwa fünf Mal so viel wie 2010. 

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