Personenkult auch ohne Sozialismus: Die SPD setzt auf den Papp-Martin

Personenkult auch ohne Sozialismus: Die SPD setzt auf den Papp-Martin
Sieht aus wie Martin Schulz, lächelt wie Martin Schulz - ist aber nicht Martin Schulz, sondern ein Pappkamerad.
Lebensgroß und mit Rückenstütze kommt er daher – der "Pappaufsteller Martin Schulz". Für stolze 49,90 Euro kann man ihn im SPD-Shop bestellen. Zur Not lässt sich der Papp-Martin auch zusammenklappen. Ein klarer Anschlag aufs Portemonnaie. Eine Glosse.

von Timo Kirez

"Ich kenne meine Pappenheimer" ist ein geflügeltes Wort und hat übrigens nichts mit Pappe zu tun. Es handelt sich ursprünglich um eine Redensart, die den unbedingten Mut, die Treue und Tapferkeit des Pappenheimer Regiments ausdrücken sollte. Gottfried Heinrich Graf zu Pappenheim war ein General im Dreißigjährigen Krieg, der unter dem Oberbefehl Wallensteins kämpfte. Heute ist die Bezeichnung "Pappenheimer" eher mit der augenzwinkernden Einsicht in menschliche Unzulänglichkeiten verbunden, wie Wikipedia schreibt. Womit wir auch schon beim SPD-Wahlkampf wären.

Innen wellig, außen glatt – so präsentiert sich der letzte Versuch der SPD, dass Wahlvolk noch doch auf seine Seite zu ziehen. Eine lebensgroße Wellpappen-Figur des Spitzenkandidaten soll das Spiel noch drehen, den Rückstand aufholen, wie Schulz, der Fußball-Aficionado, sich vermutlich ausdrücken würde. Spötter könnten nun behaupten, dass der Tiefgang des SPD-Wahlkampfs damit immerhin exakt 4,5 Millimeter erreicht hat. Doch auch eine andere Theorie bietet sich an: Die SPD wird zu einer Partei des Fetischismus. Wo tiefschwarze Umfragewolken das Gemüt trüben, bleibt nur noch der Glaube an die übernatürlichen Kräfte des angebeteten Objekts. Doch wer kauft so etwas? Und vor allem: Was macht er damit?

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Die ARD schrieb einmal, dass Martin Schulz als ein guter Zuhörer gelte. Vielleicht ist das die Idee hinter dieser Verzweiflungstat. Ein Kanzlerkandidat, den man mit nach Hause nehmen und dem man alles erzählen kann – und der niemals wiederspricht. Endlich ein nützlicher Politiker. In der Einsamkeit der Großstädte allein zu Haus mit Martin. Im Gegensatz zur SPD könnte die Pappfigur demnach selbst nach den Wahlen noch eine vitale Funktion ausfüllen.

Doch irgendetwas stimmt nicht mit der Papp-Figur. Schauen Sie genau hin. Die rechte Hand. Sehen Sie es? Sie ist leicht geöffnet. Man könnte meinen, jemand hätte Schulz gerade etwas aus der Hand genommen. Doch was war es? Eine Banane, ein Schokoeis oder gar das Sektglas, um auf den Wahlsieg anzustoßen? Von Zepter wollen wir gar nicht erst sprechen. Zwar hat die "Verzweiflung oft Schlachten gewonnen", wie der französische Philosoph Voltaire einst schrieb – doch was die SPD betrifft, möchte man ihm mit Goethe antworten:

Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.

Sollte die Wahl wider Erwarten doch noch gewonnen werden, könnte der Papp-Martin allerdings noch zu einer ernsthaften Belastung bei den Koalitionsverhandlungen werden. Die Grünen, auch nicht frei von unfreiwilliger Komik in diesen Tagen, könnten bei der SPD Rechenschaft einfordern. Mit einem Vorwurf, der nicht von Pappe ist:

Wie viele Bäume im Amazonas mussten für diesen Klamauk das Leben lassen?

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