Time kürt "Aleppo-Mädchen" zur einflussreichsten Person des Internets

Time kürt "Aleppo-Mädchen" zur einflussreichsten Person des Internets
Bana Alabed neben ihrer Mutter Fatemah bei einem Interview mit Reuters in Ankara, Türkei, 22. Dezember 2016.
Radikale Islamisten missbrauchen die 7-jährige Bana Alabed zur Propaganda. Sie wurde zum Liebling der Westmedien. Das Time-Magazin kürte sie nun zur einflussreichsten Person des Internets - ungeachtet der Hintergründe und Ursprünge von Alabeds Internetruhm.

Ein 7-jähriges Mädchen, gefangen in ihrer Wohnung mitten im syrischen Krieg. Eine Sympathieträgerin, durch die man das Kriegsgeschehen aus der Ferne anhand von Bildern und Videos mitfühlen konnte. Auf Twitter folgten ihr 365.000 Menschen. 

Bana Alabed ist das Aushängeschild der radikal-islamischen Rebellen und gleichzeitig Liebling der Westmedien - was unter den passenden Umständen kein Widerspruch mehr ist. Banas Mutter Fatemah managte die Tochter und deren Aussagen. Ihr erster Tweet stammt vom 24. September 2016:

Ich kann nicht heraus, wegen der Bomben, bitte hört auf uns zu bombardieren. 

Die Handlungen des US-Staatschefs Donald Trump gegen die "Mörder ihres Volkes" hieß sie auf ihrem Twitter-Account willkommen. Zu den Mördern zählt Bana die Präsidenten Russlands und Syriens, denen sie vorwirft, Kriegsverbrechen zu begehen. Banas Äußerung bezieht sich offensichtlich auf den Luftangriff der US-Streitkräfte auf die syrische Militärbasis in der Provinz Homs Anfang April 2017. 

Im Dezember 2016 hatte Bana - wie auch andere prominente Medienfiguren der islamistischen Aufständischen - der Welt unter dem Eindruck der Befreiung Aleppos durch die syrische Armee noch ihre angeblich unmittelbar bevorstehende Tötung durch die einmarschierenden Truppen angekündigt.

Bildquelle: Twitter

Grundlage der Wahl des Time-Magazin ist der Einfluss einer Person in den sozialen Medien und der sich daraus ableitenden Macht, Nachrichtenüberschriften zu generieren. Im vergangenen Jahr schaffte es Bana mit ihrer Familie in die Türkei, wo Staatsoberhaupt Recep Tayyip Erdoğan sie im Präsidentenpalast empfing. Bana Alabed hat auch schon einen Buch-Vertrag abgeschlossen. Die Chefin der Literaturredaktion vom Verlag Simon und Schuster, Christine Pride, erklärte dazu:

Banas Erlebnisse und Nachrichten gehen über die Nachrichtenüberschriften hinaus. Sie durchbrechen das politische Getöse und rufen uns die humanitären Kosten des Krieges und der Vertreibung in Erinnerung. 

In der Riege der einflussreichsten Meinungsmacher im Internet sind auch die Harry-Potter-Autorin J. K. Rowling und Donald Trump zu finden. Die Wahl fand dieses Jahr zum dritten Mal in Folge statt. 

RT ging seinerseits den angeblichen Aktivitäten der kleinen Bana Alabed nach. Der oppositionskritische Journalist Maytham al-Aschkar sprach von einer gezielten PR-Kampagne des Westens: