Fake News über angebliches Fake-Video: Oliver Stone weist norwegischen Journalisten in die Schranken

Fake News über angebliches Fake-Video: Oliver Stone weist norwegischen Journalisten in die Schranken
US-Regisseur Oliver Stone hat die Medien aufgefordert, seinen Dokumentarfilm über den russischen Präsidenten Wladimir Putin "nicht zu banalisieren". Zuvor tauchten Berichte auf, wonach Putin Stone gegenüber ein US-Militärvideo als russisches ausgegeben hätte.

Stone sagte bei einer Pressekonferenz während des Starmus Science Festivals in Norwegen:

Er holte ein Telefon raus und zeigte es uns. Wir filmten es und er sagte, das war's. Warum sollte er uns täuschen wollen?

"Ich meine, die Russen haben dem IS sehr großen Schaden in Syrien zugefügt, sie bombardierten diesen Mist aus Syrien hinaus und zerstörten die finanziellen Kapazitäten des IS-Imperiums. Ich denke, das ist die Hauptsache", kommentierte der Regisseur.

Am Dienstag tauchten in sozialen Medien Behauptungen auf, wonach der russische Präsident in einer Szene des neuen Stone-Films dem Regisseur ein Fake-Video auf einem Smartphone zeigt.

Putin sprach demnach über die Anti-Terror-Operation Moskaus in Syrien, zeigte aber Filmmaterial, das, wie Social-Media-Nutzer behaupten, tatsächlich von einem Angriff eines US-amerikanischen Apache-Hubschraubers auf Taliban-Kämpfer in Afghanistan handelt.

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Am Mittwoch wurde das Thema von einem Journalisten des Norwegischen Rundfunks (NRK) an den Regisseur herangetragen. Er fragte: "Es ist ein russischer Blogger, der sagt, dass das Video ein Fake ist. Was sagen Sie dazu?"

Stone reagierte auf die Frage eher verärgert als verwundert.

"Hören Sie zu, wollen Sie mit diesem Blogger-Mist anfangen? Blogger sagen dies, Blogger sahen das. Dann werden wir hier heute nicht fertig. Wollen Sie mit konkreten Anmerkungen beginnen oder was?", wies er den Journalisten zurecht und rief die Medien dazu auf, "konstruktiv" zu arbeiten.

Putin erhält Chance, sich unzensiert darzustellen

Stone zufolge illustrieren Reaktionen auf seine Arbeit wie jene des Reporters eine "Tendenz in den Medien, die Aufmerksamkeit von den wirklichen Problemen abzulenken". Über Putins möglichen Nutzen, den er aus dem Film ziehen könnte, meint der Regisseur:

Ja! Es ist ein vier Stunden langer Dokumentarfilm mit kompletten Interviews, die in den Vereinigten Staaten, England, Deutschland, Frankreich und Russland geführt wurden. Er hat einige Auswirkungen und erlaubt Putin, sich vier Stunden lang in Russisch an ein westliches Publikum zu wenden, wozu er noch nie die Möglichkeit hatte.

Die Doku spare auch heiße Themen wie "die US-amerikanische Expansion der NATO, die US-amerikanische Unterstützung des Terrorismus in Zentralasien, Syrien, die Ukraine  und die Atomwaffen nicht aus", fügte der Regisseur hinzu.

Stone wendete sich weiterhin verärgert an den NRK-Reporter:

Es werden zahlreiche Themen abgedeckt, und dieser Kerl beginnt zwar nicht mit einer Beleidigung, aber mit einem unbedeutenden Detail! In dem Film werden einige große Probleme behandelt, banalisieren Sie das nicht!

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Das vierteilige Dokumentarfilmprojekt "The Putin Interviews" beinhalte einige Antworten, erklärte der US-amerikanische Regisseur und fügte hinzu, dass er auch "ein kleinwenig" Feedback aus dem Kreml erhalten habe.

Stone: "Mein Ruf erlaubt es mir, so etwas zu drehen"

Sein Projekt wurde vor allem in den USA kritisiert, sagte Stone. "Wie Sie wissen, hört man in den USA noch nie da gewesenes Zeug. Ich liebe es, wenn sie sagen: 'Dies sind alles russische Standardformulierungen.' Jedenfalls ist der Westen sehr gespalten und sie würden mich wie immer hassen. Doch ich bin nur ein Bote, ich vertrete keine Meinung und nehme keine Haltung ein. Ich bin nur dank meines Rufes in der Lage, diese Dokumentation zu drehen und ich glaube, dass sie uns gut gelungen ist", sagte Stone auf der Pressekonferenz.

Ich denke, die Kamera lügt nicht, die Kamera erzählt ihnen Dinge in Körpersprache. Mit den Augen können Sie manchmal Dinge fühlen, die ihnen durch Worte nicht vermittelt werden", fügte er hinzu.

Am Mittwoch äußerte sich auch der Kreml zu den Behauptungen über das angebliche Fake-Video und bezeichnete diese als "falsch und unangemessen". Das Stone von Putin gezeigte Videomaterial gehöre dem russischen Verteidigungsministerium, erklärte Putins Sprecher Dmitri Peskow Journalisten. Er sagte, es sei Teil des militärischen Berichts an den russischen Präsidenten über die Lage in Syrien und wurde auf einem Smartphone gezeigt, das "einem der Mitarbeiter" gehöre.

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