Scooter plant Konzert auf der Krim – Kiew droht mit Knast

Scooter plant Konzert auf der Krim – Kiew droht mit Knast
Die deutsche Band Scooter: Michael Simon, HP Baxxter und Rick J.Jordan (v.l.n.r.) bei der "Eins Live Krone", Deutschlands größtem Radio Award
Techno-Pionier Scooter plant für August einen Auftritt auf der Schwarzmeer-Halbinsel Krim. Die Ukraine droht der Band deswegen mit einer Haftstrafe. Auch hagelt es Empörung vonseiten der Boulevardpresse.

Im Rahmen des ZB Festes am 4. August in Sewastopol wird auch die bekannte deutsche Elektro-Band Scooter auftreten. Mit Techno-Hits wie "Hyper Hyper" oder "How Much Is The Fish" hatten die Jungs zuvor auch schon in Moskau 17.000 Fans zum Tanzen gebracht.

Laut der ukrainischen Gesetzgebung dürften „Ausländer das vorübergehend besetzte Gebiet [die Krim] nur mit einer Sondergenehmigung und durch die Eingangs- und Ausgangspunkte zum Festland der Ukraine“ betreten. In diesem Zusammenhang droht Kiew Scooter mit bis zu acht Jahren Haft.

„Auf die Verletzung des Gesetzes stehen Haftstrafen von ein bis acht Jahren, abhängig von den Umständen“, erklärte der ukrainische Stellvertretende Generalstaatsanwalt, Jewgenij Jenin, gegenüber der „Bild“-Zeitung.

Laut den „Bild“-Bericht sei eine Haftstrafe allerdings unwahrscheinlich. In solchen Fällen bestraft Kiew Musiker mit einem Einreiseverbot in die Ukraine, wie es bei der russischen ESC-Kandidatin Julia Samoilowa war.

Neben der "Bild" war auch die Morgenpost aus Hamburg, wo der Musiker lebt, ob der pikanten Tourdaten mächtig entrüstet. Auch hätten den Angaben der Springer-Blätter zufolge auch ukrainische Medien den geplanten Auftritt der Techno-Legenden seit Anfang dieser Woche kritisiert.

Auch die grüne Europa-Abgeordnete Rebecca Harms war sich nicht zu schade, der "Bild" gegenüber in dem Zusammenhang ihre Warnung auszudrücken, die Band ergreife mit diesem Auftritt "Putins Seite". Diese Mahnung verband sie mit Geschichtslektionen und erklärte in diesem Zusammenhang gleich auch viele weitere Konzertorte weltweit für untragbar:

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Die Leute von Scooter sollten wissen, dass Künstler und Bürgerrechtler von der Krim zu jahrzehntelanger Lagerhaft in Sibirien verurteilt wurden. Ihr Auftritt dient auch dazu, all die schlimmen Menschenrechtsverletzungen auf der Krim zu übertünchen.

Doch Scooter-Frontmann H.P. Baxxter hielt den Vorwürfen entgegen:

Wir haben die Anfrage bekommen und spielen da im Rahmen eines Festivals. Wir sehen das als rein musikalisches Event, wir spielen für unsere Fans.

Auch Scooter-Manager Jens Thele verwahrte sich gegen den politischen Maßregelungsdrang aus dem deutschen Establishment und sagte gegenüber dem Berliner Kurier:

Scooter treten seit Mitte der 1990er Jahre in Russland und der Ukraine auf, aber niemals auf politischen Veranstaltungen. Wir lassen uns auch vor keinen Karren irgendeiner Partei spannen und sind überrascht, dass wir jetzt instrumentalisiert werden.

Auch der 53-jährige Frontmann hatte am Donnerstagabend im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg betont:

Wir wollen und werden uns politisch nicht vereinnahmen lassen.