Überall Russenhacks? Die fünf skandalösesten Fake News über Cyberangriffe

Überall Russenhacks? Die fünf skandalösesten Fake News über Cyberangriffe
Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst der Russenhacks. Alle Mächte des alten Westens haben sich zu einer heiligen Hetzjagd gegen dieses Gespenst verbündet. Doch oft schießen die westlichen Medien dabei völlig daneben.

Einst mussten vermeintliche oder tatsächliche chinesische und nordkoreanische Cyberkriminelle herhalten, wenn westliche Unternehmen oder staatliche Einrichtungen ins Visier von Hackerangriffen gerieten. Doch seitdem sich die Beziehungen zwischen dem Westen und Russland im Zuge der Ukraine-Krise dramatisch verschlechtert haben, sind diese beiden Länder als angebliche Urheber in den Hintergrund getreten.

Der neue Lieblingsfeind vieler Politiker und Medien im Westen sind die zahllosen Internetlegionäre, welche, glaubt den Mainstream-Darstellungen, der russische Staatschef Wladimir Putin sogar persönlich dirigiert. Mittlerweile hält man diese gleichsam hinsichtlich sämtlicher Vorfälle von Cyberkriminalität für verantwortlich.

Jedoch basieren die Anschuldigungen in aller Regel auf purer Spekulation. Angesichts der herrschenden Russenhysterie beschuldigen Politiker und Medien schnell angebliche Kremlhacker, da dies politisch opportun ist. Handfeste Beweise für echte Russenhacker? Regelmäßig Fehlanzeige. Man glaubt fest an den Strippenzieher aus dem Kreml, weil man daran glauben will, und hofft, das Publikum handhabt dies genauso.

1) Einen ersten Höhepunkt erlebte die Hackerhysterie nach der Veröffentlichung von tausenden Emails von John Podesta, dem Chef der Clinton-Wahlkampagne, durch WikiLeaks. Schon bald hatten die führenden Medienkommentatoren, Geheimdienstexperten und natürlich Mitglieder der Clinton-Kampagne selbst den Narrativ geschaffen, demzufolge der russische Geheimdienst oder mit ihm verbündete Hackergruppen Podestas Email-Konto gehackt und die darin enthaltenen Mails WikiLeaks zugespielt hätten.

Allerdings gibt es für dieses verschwörungstheoretische Medienkonstrukt keinerlei Beweise. Der Kreml hat stets sämtliche Anschuldigungen von sich gewiesen. WikiLeaks selbst besteht darauf, die Mails nicht von einer "staatlichen Gruppe" erhalten zu haben. Zudem schloss die Gruppe aus, dass wirkliche Hacker involviert waren.

2) Im Juni 2015 veröffentlichte die BBC einen Bericht über einen vermeintlichen Angriff russischer Hacker auf den französischen TV-Sender TV5 Monde. Hacker posteten auf der Website des Senders dschihadistische Propaganda. Die Polizei vermutete angeblich, so verbreitete die BBC, dass hinter dem Angriff eine russische Hackergruppe namens APT28 steht. Sie sprach von einem "hochprofessionellen Angriff".

Internetnutzer entdeckten jedoch lange vorher einen Live-Bericht des Senders. Dieser zeigt den Arbeitsplatz des Mitarbeiters. Dort ist ein Klebezettel befestigt, auf dem das Youtube-Password des Senders steht. Übersetzt lautet das Password "Das Passwort von Youtube". In einem weiteren Video stehen auf einem Klebezettel die Backend-Zugangsdaten eines Mitarbeiters, so der Twitter-Nutzer pent0thal im April 2015. Offenbar kursierten die Passworte wochenlang im Netz.

3) Ein weiterer Hackingvorwurf wurde kurz vor den französischen Präsidentschaftswahlen laut. Zehntausende Mails und andere Dokumente des damaligen Kandidaten und jetzigen Präsidenten Emmanuel Macron fanden Anfang Mai unautorisiert den Weg ins Internet. Schnell legten westliche Medien nahe, dass es sich erneut um einen Hack russischer Gruppen handelt.

Jedoch erklärte der Chef der französischen Cybersicherheitseinheit ANSSI später, dass es gar überhaupt keine Beweise für eine russische Beteiligung an dem Angriff gibt. Es könne sich um jede beliebige Gruppe in jedem Land gehandelt haben.

4) Als im November 2016 rund eine Million Kunden der Deutschen Telekom stundenlang nicht auf das Internet zugreifen konnten, weil jemand eine Cyberattacke auf das Unternehmen durchgeführt hatte, deutete die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel an, dass es sich um einen Angriff Russlands handeln könnte. Sie verwies darauf, dass Cyberangriffe Teil der russischen Militärdoktrin seien, gab jedoch zu, keine konkreten Beweise einer russischen Beteiligung zu haben. Viele deutsche Medien stürzten sich auf diese Spekulation.

Später stellte sich jedoch heraus, dass der Angriff von einem britischen Staatsbürger verübt worden war. Die britische Polizei verhaftete den Mann auf einem Flughafen im Süden Großbritanniens. Neben dem Angriff auf die Deutsche Telekom wurde er auch im Vereinigten Königreich wegen weiterer Verbrechen gesucht, die er dort begangen haben soll.

5) Zur Jahreswende 2016/2017 berichtete die US-amerikanische Washington Post unter Berufung auf anonyme Quellen in der US-Verwaltung, dass russische Geheimdienste versuchen würden, sich Zugang zum Stromnetzwerk der Vereinigten Staaten zu verschaffen. In einer ersten Version des Artikels behaupten die Autoren sogar, den russischen Hackern sei dies gelungen. Die Zeitung begründet diesen Verdacht damit, dass Computercodes auf einem Laptop gefunden worden seien, die auf eine russische Hackeroperation deuten würden.

Wenige Tage später musste die Zeitung diesen Bericht jedoch korrigieren. US-Beamte erklärten, dass es keine Beweise für eine russische Beteiligung gibt. Zudem bestünde sogar die Möglichkeit, dass es zu gar keinem Cyberangriff gekommen war.

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